Germania in Turbulenzen, aber noch nicht am Boden

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Germania am Boden. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Seit Jahren läuft es nicht rund bei Germania. Die Germania hat als Germania Fluggesellschaft mbH ihren Sitz in Berlin. Das weckt unangenehme Erinnerung an, richtig, an Air Berlin. Air Berlin wurde vor allem von Joachim Hunold, der beim Air-Berlin-Gründer Kim Lundgren einstieg mit ihm die Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG gründete, die die von Lundgren gegründete Air Berlin Inc. übernahm, erst hoch- und dann runtergewirtschaftet. Air Berlin begann unter Hunold andere Airlines zu schlucken. Weil sich die Erbengemeinschaft der Germania nicht auf den Deal, der für einige dreckig war, einigen konnte, platzte er. Zum späten Glück für die Eigentümer der Germania, denn nach dem Aufstieg kam der Abstieg. Air Berlin hatte sich verschluckt.

Germania hustet nun auch schon seit ein paar Jahren. Hervor ging sie von Türken 1978 gegründeten Special Air Transport mit Sitz in Köln. Als 1992 der Firmensitz vom Germania-Gründer Hinrich Bischoff nach Berlin verlegt wurde, war klar, dass sie die Airline der Beamten war, die zwischen Bonn nach Berlin hin- und herflogen. Aus dem Beamten-Shuttle wurde Schritt für Schritt eine Linien- und Billigfluggesellschaft. Germania ging durch heftige Turbulenzen, baute allerdings nach der Insolvenz von Air Berlin das Streckennetz um über 50 Strecken aus und schraubte die Kapazität um 39 Prozent hoch. Weitere Pläne wie ein Umzug von Tegel nach Schönefeld wurden bekanntgegeben, doch gestern per Pressemitteilung die Pleite abgestritten. Die kleine Fluggesellschaft, die sich als „eine unabhängige deutsche Fluggesellschaft“ sieht gab „aus aktuellem Anlass“ an, dass sich die „europäische Luftfahrtbranche … in der jüngsten Zeit stark verändert“ habe und „insbesondere das Jahr 2018 … mit großen Herausforderungen verbunden“ gewesen sei.

Dass davon auch Germania „betoffen ist“, das wurde zugegeben. „Insbesondere unvorhersehbare Ereignisse wie massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar, erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggerät sowie eine außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen an unserer Flotte waren für unser Unternehmen große Belastungen.“

Liegen die Probleme im vergangenen Jahr und die Lösungen im neuen? Es ist doch wohl ehere so, dass Germanie in den verganenen Jahren – Plural – Probleme hatte. Dazu hält „Spiegel-Online“ (9.1.2019) fest: „Wie aus den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen hervorgeht, hatte die in Berlin ansässige Fluggesellschaft 2016 einen Verlust von 7,7 Millionen Euro ausgewiesen, 2015 betrug das Minus 6,8 Millionen Euro. Die Germania Beteiligungsgesellschaft, Eigentümerin der Germania, erwirtschaftete laut Jahresabschluss 2016 einen Fehlbetrag von 32 Millionen Euro. Jahresabschlüsse für 2017 und 2018 der Germania sind im Bundesanzeiger bislang nicht veröffentlicht.“

Verluste seit Jahren. Werden jetzt Gewinne eingeflogen?

„Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern“, heißt es in der Pressemitteilung. Von Gewinnen kann keine Rede sein, sondern davon, dass fremdes Geld in die eigenen Kasse, aufs eigene Konto kommen muss. Geliehenes Geld, denn schenken wird den Eigentümer vermutliche niemand einen müden Euro.

Die Germania Fluggesellschaft mbH versichert, dass es beim Flugbetrieb „keine Einschränkungen“ geben werde: „alle Germania-Flüge finden planmäßig statt“, aber wie lange noch?

Die verkündete Krise mit leeren Kassen und Konten wird wohl wie bei Air Berlin dazu führen, dass Freunde der Fluggesellschaft dieser nicht die Stange halten, sondern davon gehen.

Auch die Urlauber, die in die Ferien fliegen wollen, dürften noch den Bankrott von Air Berlin in Erinnerung haben und aus Angst vor der nächsten Pleite statt bei Germania, die mittlerweile auch auf das Ferienfluggeschäft fokussiert ist, sich aber auch um den Flugverkehr bei Airbus zwischen Hamburg und Toulouse kümmert und um Linienflüge, bei einer anderen Airline buchen.

Dass die Linienstrecken der Germania – nett formuliert – nicht ganz so attraktiv sind wie die der Air Berlin, das ist auch kein Geheimnis.

In der „Handelszeitung“ (8.1.2019) heißt es: „Wie das Aviatik-Portal «Aerotelegraph» am Dienstagabend meldete, habe die deutsche Airline Germania erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Bis zum 27. Dezember 2018 habe die  Fluggesellschaft 20 Millionen Euro gebraucht, um weiterfliegen zu können.“

Allen Unkenrufen zum Trotz: noch fliegt Germania, aber wie lange noch?

In den jüngsten Vergangenheit gab es eine Reihe von Pleiten: Neben Air Berlin ging 2017 auch Monarch (VK) den Bach runter sowie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (BRD), Cobalt (Zypern) und Primera Air (Dänemark).

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