Dreitagewoche bei Jaguar Land Rover oder das Diesel-Desaster

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Range Rover Sport © Land Rover

Hannover, Deutschland (Weltexpress). Immer noch halten Leute in deutschen Landen Jaguar und Land Rover für englische Autos und den Autobauer für britisch. Das ist falsch. Die Eigentümer sind längst Inder und die haben den Werkstätigen im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland (UK) ab Oktober Dreitagewochen befohlen.

Mehr muss nicht sein, denn König Kunde will diese Autos nicht in der Menge, wie sie produziert werden könnten. Das permanente Problem der industriellen Überproduktion trifft auf das besondere Problem der Dieselhysterie in Politik und Presse.

Zwar versuchen Herstellern und Hofberichterstatter den Fokus auf den Brexit zu legen, Konzernchef Ralf Speth flunkerte und fabulierte vom Brexit als Jobkiller, doch der Ausstieg des UK aus der EU hat damit wenig zu tun. Wenn das so wäre, dann müssten die Räder rund laufen und nicht nur das, sie müssten heißlaufen, denn alle würden doch noch schnell einen Jaguar und einen Land Rover oder wenigstens einen von den beiden Marken, die Tata hält, nach Hause holen, bevor die Grenzen hochgefahren werden.

Mit dem Hochziehen von der Grenzen und einem „schlechten Deal“, was immer das auch heißen mag, und also Zöllen und mehr würde der Hersteller für die beiden Marken rund 1,2 Milliarden Pfund (etwa 1,35 Milliarden Euro) Miese machen, meint Speth. Das kann keiner überprüfen und deswegen könnte er auch gleich noch ein paar Droh-Milliarden draufpacken.

Im Werk Castle Bromwich bei Birmingham würden derzeit drei Tagen die Woche bis Weihnachten reichen, danach sehe man weiter, doch die Aussichten scheinen nicht heiter, sondern trübe.

Dahinter steckt diese desolate Dieseldebatte, die verunsicherte Kunden schafft, die im Falle eines Falles alles andere denn Diesel wollen. Wenn man dann noch weiß, dass Jaguar Land Rover rund 90 Prozent der in UK verkauften Personenkraftwagen mit Dieselmotoren ausstattet, dann kann man eins und eins zusammenzählen.

Wenn in wenigen Monaten der Austritt des UK aus der EU vollzogen sein wird – wie auch immer im Detail -, wird der britische Pfund weiter den Bach runtergehen und der Preis für Produkte aus UK fallen. Vielleih wäre das in Verbindung mit supersauberen Dieselmotoren ein Weg, den Tata bestreiten könnte und sollte.

Zudem wird weitere Kopf- und Handarbeit von Maschinen übernommen und die Produktion billiger werden. Das sollten nicht die schlechtesten Aussichten für Tata sein. Doch das wird nicht reichen, solange die Diesel-Debatte und -Politik sich nicht ändern.

Mit anderen Worten: Wenn Politiker es wollen und Kunden es sollen, dann stehen alle Räder still.

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