Die Renaissance des Osmanentums und der Theaterdonner in Washington und Paris – Wer bringt die Türkei zur Räson?

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Der Ak Saray (deutsch Weißer Palast) ist der Amtssitz des Präsidenten der Türkei in der Hauptstadt Ankara. Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei, CC BY-SA 4.0, Autor: Ex13

Ankara, Türkei; Paris, Frankreich (Weltexpress). Wer unter Räson Vernunft versteht, der muss wissen, dass die Staatsräson der Türken sich aus dem Osmanischen Reich ableiten lässt.

Das existierte je nach Auffassung von 1299 bis 1922. Es war die Dynastie der Osmanen, die von Deutschen Turchia (Türken) genannt wurden. Sie begannen in der Gegend zwischen Domanic und Sögüt bescheiden, kamen aber gewaltig und und riefen alsdann ihren Ewigen Staat aus und dehnten diesen bis in deutsche Lande aus. Die Türken überranten Buda und Pest und standen vor den Toren Wiens. Im Grunde boten bevor es zu spät wurde besonders die Deutschen den Türken Paroli, wesentlich später allerdings die Hand als Partner. Vernünftig war das nicht. Als die Türken sie ergriffen, setzten sie aufs falsche Pferd. Lange ist`s her.

Und heute kuschen die politischen Führer in Wien und Berlin, von denen in Bern ganz zu schweigen, vor dem türkischen Oberbefehlshaber, der sich Präsident nennt, aber wie ein Sultan, der die Ewigkeit anstrebt, aufführt.

Unterdrückung, Massen- und Völkermorde an den Armeniern zum Ende des Osmanischen Reiches und nun an den Kurden scheinen bei der Renaissance des Osmanentums beim aktuellen Apparat in Ankara fest eingepreist. Um das Völkerrecht scheren sich Recep Tayyip Erdogan und die seinen von der AKP genau so wenig wie einst Gerhard Schröder (SPD) und Josef Fischer (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Führer der Berliner Republik hatten sich beim Schwingen der Auschwitzkeule mit ihrem Angriffskrieg gegen Jugoslawien schuldig gemacht, ja, auch an Kriegsverbrechen. Die Deutschen unter Fischer und Schröder waren es, die den Ungeist aus der Flasche ließen und sich nicht wundern müssen, dass sie aus Sicht Erdogans und anderer es verwirkt haben, die Moralkeule rauszuholen oder auch nur mit dem moralischen Zeigefinger zu fuchteln. Besser also, wenn die Merkel-Regierung und die namenlose in Wien schweigt.

Doch auch wirre Wort- und wohlgezündete Wutausbrüche des Präsident und Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten von Amerika (VSA), welcher der Erdogan-Regierung jüngst gewaltig drohte (siehe den Artikel Amis warnen Türken vor erneuter Offensive in Syrien – Trump droht Erdogan schriftlich mit vollständig Zerstörung und Auslöschung der türkische Wirtschaft von Mats Marder), bringen die Türken nicht zur Räson und also in ihre Ausgangsstellung im besetzten Nordkurdistan und Westarmenien.

Schlimmste Sanktionen drohte Trump für den Fall an, dass sich die Türken zu einer Invasion hinreißen lassen würden. Nun, das taten sie und töten seit Tagen in Rojava, das vor allem von Kurden bevölkert wird, aber auch von Arabern. Besonders dschihadistische Milizen, die an der Seite der Türken kämpfen beherrschen das blutige Geschäft am Boden. Rund 100.000 Menschen, in manchen Medien ist von 70.000 die Rede, sind deswegen in Rojava auf der Flucht. Die Städte Ras al Ain und Tel Abjad wurden mittlerweile von den Türken eingekesselt.

Journalisten berichten bereits von Misshandlungen und Entführungen, Festnahmen und Folterungen, Plünderungen und mehr. Wer Trump angesichts dieser Bilder noch für einen Bruder hält, der muss schön blöd sein und war vorher ein nützlicher Idiot. Auch als möglichen fairer Vermittler fallen die VSA aus, für einen Kuhhandel sollten das Imperium jedoch noch gut genug sein.

Wenn jetzt auch noch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Türken mit Sanktionen droht, dann darf die Erdogan-Türkei laut lachen. Aus Paris kommt wie aus Washington nur Theaterdonner.

Erdogan hat zwar keine Atomwaffen, aber er ist mit seinem Militär auch nicht so harmlose wie Muammar al-Gaddafi, Saddam Hussein oder die immer für einen guten Guerillakampf bekannten Taliban es je waren.

Die Türkei könnte derzeit nur die Russische Föderation zur Räson bringen, aber das werden weder Washington noch Paris und London wirklich wollen. Außerdem will der Kreml wohl weiter Waffen an die Türken verkaufen – wie die Deutschen.

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