Die Krücken beiseite gestellt – Union schleppt sich auf allen Vieren zum Sieg gegen Braunschweig

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© WELTEXPRESS, Fotos: Hajo Obuchoff

Skrzybski hatte vor der beschriebenen Situation versucht, mit dem Ball an Marcel Correia vorbei zu kommen, der indes grätschte mit beiden Beinen zwischen die seines Gegners. Für den jungen Stürmer eine unfreiwillige und ziemlich schmerzhafte Gelegenheit zu einem Salto vorwärts. Der Hamburger Polizist und Schiedsrichter vom Mümmelmannsberger SV, Patrick Ittrich, der an diesem Freitagabend mit der Pfeife diese Zweitligapartie begleitete, winkte gelassen ab – warum auch immer. Vielleicht, weil Correia den Ball mit dem Bauchnabel einige Zentimeter vom Tor weg bewegte. Auch den kleinen Hüftcheck gegen den zum Ball eilenden Terodde interpretierte der Liebhaber von Gesellschaftsspielen aus der Hamburger Plattenbausiedlung eigenwillig. Fortan konnte er kaum noch auf Sympathie des Berliner Publikums hoffen.

Aber letztlich änderte das alles nichts daran, dass Terodde bereits in der 30. Minute das entscheidende Tor geschossen hatte und die Gastgeber  von Union Berlin seinem direkten Verfolger drei Punkte abnehmen konnte. Aber natürlich wusste das bis zum Schlusspfiff niemand. Damit blieb das Spiel spannend.

Das war zu Beginn alles andere als klar. Bei den Gastgebern fehlten wegen Verletzungen, Krankheit bzw. Sperre fünf Akteure. Zum Glück war Verteidiger Patrick Kohlmann unerwartet schnell genesen. Die Partie dümpelte etwas dahin. Im Boxen sagen Reporter dann immer irgendwas von Abtasten der Gegner. Hier war es mehr so etwas wie Ball sichern und Risiko vermeiden. Die Löwen aus Niedersachsen – immerhin hatten sie zehn Spiele in Folge nicht verloren – schienen heute ziemlich handzahm. Trotzdem gab es bald drei bittere Pillen für die Gäste. In der 17. Minute verließ Dominik Kumbela plötzlich den Platz. Braunschweigs bester Torschütze hatte sich – wie auch immer – einen Muskel im Oberschenkel gezerrt. Dann bekam Ermin Bicakcic nach einem Luftkampf mit Terodde Rückenschmerzen. Er spielte aber tapfer weiter – zunächst. Als dann in der 30. Minute sein Widersacher Terodde einen wunderschönen Pass von Ede im Strafraum dankend annahm, stolperte der gebürtige Bosnier über die eigenen Füße, und Teroddes Schuss flutschte unter seinen Beines hindurch sowie an den Händen des Torhüters Daniel Davari vorbei ins Netz. Drei Minuten später gab auch der Verteidiger mit dem schönen Irokesenschnitt auf.

Der gutgefüllte Gästeblock versuchte mit Pauken und Sprechchören seine Balltreter nach vorn zu peitschen. Indes war der Unionanhang natürlich nicht nur zahlenmäßig überlegen. Von den 17 028 Zuschauern sangen gewiss 16 000 das gesamte Liedgut des Vereins von der Alten Försterei nahezu ohne Pause durch, um dann wieder von vorn zu beginnen.

Für die zweiten Halbzeit schienen die Kicker von Gäste-Trainer Torsten Lieberknecht einige richtungsweisende Direktiven auf den Weg bekommen zu haben. Resultat: ein verdammt harter Schuss des Braunschweiger Kapitäns Dennis Kruppke in der 54. Minute. Jeder der hinter dem Union-Tor im Gästeblock anwesenden blau-gelb gewandeten Fans hatte den Ball schon das Netz blähen sehen. Indes ein scheinbar überirdischer Instinkt ließ Jan Glinker den rechten Arm nach oben reißen – genau in die Flugbahn des Balls. Die dickste Chance zum Ausgleich dahin.

Auch weitere gute Gelegenheiten vergab vor allem Kumbela-Ersatz Pierre Merkel. Aber die Gäste hatten nun deutlich mehr vom Spiel und zeigten, warum sie der beste Aufsteiger der Saison sind. Zum Glück für die Eisernen bewies die Eintracht aber auch die bereits in den vergangenen Spielen gezeigte Harmlosigkeit vor dem Tor.

So konnte Union immer wieder im eigenen Stadion kontern. Leider überboten sie sich dabei auch im Auslassen guter Gelegenheiten. So verfehlte Terodde frei vor Davari das Tor genauso wie Ede oder Skrzybski. Zum Schluss taumelten beide Mannschaften von einem Strafraum zum anderen. Die letzten Reserven holte auch das Publikum aus sich heraus. Jede Seite brüllte ihre Mannschaft nach vorn. Drei Minuten ließen die Schiedsrichter noch nachspielen – eine Qual für die Unioner, wissend um die bittere Niederlage gegen Pauli in der Nachspielzeit. Wie eine Erlösung dann der Pfiff des Mümmelmannberger Referees. „Sieg, Sieg, Sieg“ und „eisern Union“ – so schallte es durch die Wuhlheide. Und dann wurden wieder die Lieder angestimmt, die vom Stolz und der Leidenschaft der Eisernen künden. Sie drangen noch lange über die Dächer Köpenicks bis zum eisernen Hauptmann am Rathaus und rüber bis ins Märchenviertel.

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