Deutschland-Achter wird vom Osten gesteuert

Martin Sauer am 6.9.2017. Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0, Foto: Olaf Kosinsky

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Vom 9. bis zum 11. Oktober sticht die deutsche Ruderflotte mit 63 Frauen und Männern zum ersten Mal in diesem Jahr zu einer internationalen Meisterschaft in See. Im polnischen Poznan werden die Wellen bei den europäischen Titelkämpfen in 19 Disziplinen hochschlagen.

Deutschland ist nach Italien mit dem größten Aufgebot vertreten. Als Paradeboot des DRV ziehen die Recken des Deutschland-Achters die Riemen durch das Wasser des Malta-Sees. Martin Sauer hält seit 13 Jahren die Steuerseile des „Flaggschiffs“ der deutschen Ruderflotte fest in den Händen. Seit 30 Jahren sitzen die deutschen Ruder-Frauen und Männer wieder in einem Boot. Den letzten West-Deutschland-Achter steuerte der damalige West-Berliner Manfred Klein zu drei Weltmeistertiteln in Folge und den Olympiasieg 1988. Nach Barcelona legte Klein (heute 59) die Steuerseile in die Hände des Ückermünders Peter Thiede (52). Nach dreimal WM-Gold räumte Thiede den Platz für Michael Sauer. Damit halten die Ostdeutschen seit 27 Jahren den Deutschland-Achter auf Kurs.

Von allen Steuerleuten des deutschen Großbootes musste bisher Sauer traditionsgemäß am häufigsten nach Siegen baden gehen. Schließlich zog der Achter unter Sauers Steuerkunst 28-mal bei EM, WM und Olympia Edelmetall an Land und davon 8-mal sogar Gold.

Der 37 Jahre alte Martin Sauer stammt aus Wriezen. Da ist die Frage schon berechtigt. Wie kommt man aus dem tiefen Oderbruch auf den Steuermannssitz des Deutschland-Achters? Martin Sauer lächelt: „Bei uns in der Gegend und in Frankfurt an der Oder, wo ich zur Schule gegangen bin, wurde zu meiner Zeit noch richtig gesichtet. Ein Rudertrainer kam in die Klasse und sagte: ‚Alle Großen einmal aufstehen.’ Die standen, erhielten einen Zettel, mit dem sie sich beim Rudern anmelden konnten. Danach hieß es, alle Kleinen einmal aufstehen. Ich war dabei und erhielt auch einen Zettel. Ich meldete mich sofort beim Rudern. Später kam ich auf die Sportschule nach Berlin-Köpenick und steuerte im Nachwuchs und bei den Männern alle Klassen. 2008 wurde ich in den Achter berufen. Jetzt bin ich 37 und habe noch Bock, bis zu den Spielen 2021 durchzuziehen.“

Der Deutschland-Achter heißt nicht nur so, er ist es auch. Nicht nur das die Steuerseile seit 27 Jahren von Händen aus dem Osten gehalten werden, auf der Schlagmann-Position sitzt mit Hannes Ocik zudem ein Schweriner. Schließlich ist der Verantwortliche Bundes-Trainer Ralf Holtmeyer (62) aus Osnabrück mit der zweimaligen Olympiasiegerin Kerstin Köppen (52) aus Rathenow seit über 20 Jahre glücklich verheiratet ist. Mehr Einheit wie im Rudern geht nicht.

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