Der VfB Stuttgart wechselt den Trainer – Von Tayfun Korkut zu Markus Weinzierl

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VfB Stuttgart
Beim VfB Stuttgart im Stadion am Neckar. Quelle: Pixabay

Stuttgart, Deutschland (Weltexpress). Der VfB Stuttgart wechselt seinen Trainer und verspricht sich mehr Punkte. Was soll man dazu sagen? Richtig, die einzige Antwort ist diese: Trainerwechsel bringen nicht mehr Punkte.

Die von Tayfun Korkut trainierte Mannschaft verlor am vergangenen Samstag beim Abstiegskandidaten Hannover 96 am und einen Tag später hieß es in der Pressemitteilung Nr. 52 VfB Stuttgart 1893 AG, dass „Tayfun Korkut sowie seine beiden Co-Trainer Ilija Aracic und Steven Cherundolo mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben“ freigestellt seien.

Sportvorstand Michael Reschke argumentierte dies mit dem Ausbleiben einer „sportlichen Entwicklung im Laufe dieser Saison“ und den „negativen Ergebnissen“. Welche „sportliche Entwicklung hat der Mann denn mit dieser Mannschaft nach sieben Spieltagen erwartet und wie viele Punkte? Auch Präsident Wolfgang Dietrich wird mit diesem Argument in der besagten Pressemitteilung zitiert. Die „positive Entwicklung“ habe ihm gefehlt und die Punkte, aber das steht da nicht.

Den einen am Sonntag vor die Tür gesetzt und den anderen am Dienstag der Presse präsentiert. Markus Weinzierl sei der neuer Cheftrainer des VfB Stuttgart lese ich in der Pressemitteilung Nr. 53.

In der einen oder anderen Online-Zeitung ist zu lesen, dass sein Vertrag ab sofort gültigen und bis zum 30.6.2020 sei. Gelächter. Im „Kicker“ (9.10.2018) wird darauf hingewiesen, dass „seit dem Meistertitel im Jahr 2007“ der Neue „bereits der 16. Trainer auf der Bank der Schwaben“ sei. Super! Damit überholen die Fußball-Unternehmer vom Necker sogar noch den HSV. Die Elbestädter haben zwar nicht wie Stuttgart 16 Trainer in wenigen Jahren verschlissen, sondern 18, spielen aber längst 2. oder 3. Liga.

In der Pressemitteilung Nr. 52 werden wieder Reschke und Dietrich zitiert, doch das kann man sich sparen. Reschke spricht davon, „den richtigen Trainer“ verpflichtet zu haben. Richtig, das kann man sich schenken. Weinzierls Vorgänger werden bei ihrer Verpflichtung auch die richtigen Trainer gewesen sein.

Auch was Weinzierl gesagt haben soll, ist mehr oder weniger Blabla. „Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Der VfB ist ein großer Verein, der sich momentan in einer sportlich schwierigen Situation befindet. Dennoch bin ich vom Potenzial der Mannschaft und des Vereins überzeugt. Ich habe die Bundesliga in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet und brenne darauf, die Arbeit mit meiner neuen Mannschaft zu beginnen“, wird er zitiert.

Weinzierl spricht von Potenzial in der Fußball-Mannschaft und dem Fußball-Unterternehmen. Dabei liegen dort von außen verkündete Ansprüche und die objektive Wirklichkeit weit auseinander. Die Erwartungshaltung am Necker kann man im Grunde wie Autos mit Diesel bis zu Euro 6 in die Tonne kloppen. Diese Diesel – auch die vom Daimler – mögen vielleicht gut aussehen, stinken aber zum Himmel und sind für die Grenzwerte und Gerichte zu schlecht.

In einer Sportart, in der fast die Hälfte aller Tore durch Zufall fallen, kann eine Mannschaft zufällig auch eine halbe oder eine ganze Saison „schlecht“ spielen und also zu wenig Punkte holen. Beim Fußball und beim VfB Stuttgart ist das so. Letzte Saison scheinbar hui, diese Saison bisher scheinbar pfui. Wer sich davon beeindrucken lässt, der sollte das mit der Verantwortung im Management einer Fußball-Manschaft besser seinlassen.

Dietrich gilt Kritikern wie mir längst als Luftikus mit seinen Wünsch-dir-was-Erwartungen und Ahnungsloser. Wer bei dieser Mannschaft des VfB Stuttgart vom „oberen Tabellendrittel“ schwadroniert, der hat weder von der eigenen Mannschaft noch von den Mannschaften der Konkurrenz auch nur einen blassen Schimmer. Mannschaften kann man sich nicht zusammenkaufen, man muss sie entwickeln und das erfolgt in der Regel Schritt für Schritt und nicht mit Schnellschüssen.

Und auch Reschke, der mit Korkut einen Stabilitätsfanatiker, der die kontrollierte Defensive liebt wie Rehagel die kontrollierte Offensive, holte, aber von Sturm und Drang schwärmte, gibt keinen Grund, ihn ernst zu nehmen. Denn die neu gekauften Spieler, die zwar für die Offensive Qualitäten mitbringen, mit denen man im breiten Mittelfeld mithalten können sollte, müssen erst einmal mit den anderen zu einer Mannschaft geformt werden. Und ein Sommer macht noch keine Mannschaft. Wenn die dann auch noch auf Defensive eingestellt wird, dann kann das nichts werden. Mit acht Mann verteidigen und keinen Sechser zu haben, zudem kein Mittelfeld mit erstklassigen Außenläufern, das funktioniert nicht. Die richtigen Spieler müssen gekauft und diese richtig trainiert werden. Das braucht Monate, viele Monate, doch dann kann man ein Mannschaft aufbauen, wie die vom SV Werder Bremen, die – Ironie des Zufalls – beim VfB Stuttgart die bessere Elf war, aber verlor. So ist das mit dem Zufall, der beim Fußball hoch ist.

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