Der schöne Schein – „So glücklich war ich noch nie“ fühlen Devid Striesow und Nadja Uhl im Film von Alexander Adolph

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Nach dieser Anfangsszene ist es mit seiner Freiheit erst einmal vorbei, denn als er die Kleidungsstücke, die er aussuchte – nicht, weil er sie wirklich braucht, sondern weil er das Gefühl braucht, für so einen feinen Schnösel gehalten zu werden, der en gros sich teuer einkleidet – mit einer Kreditkarte bezahlen will, fliegt der Schwindel auf und bei seinem Fluchtversuch bleibt Frank im Toilettenfenster hängen. Zwei Jahre Gefängnis bekommt er, der so rund hundert Personen geschädigt hat, aufgebrummt. Und als er wieder in Freiheit kommt und mit dem später fahrenden Bus zu seinem Bruder kutschieren will, nimmt sich seiner ein freundlicher Autofahrer an, der ihn unbedingt mitnehmen will. Aus gutem Grund, denn es geht übel aus. Dieser ist einer der Geschädigten und verpaßt dem netten und strahlenden Frank eine körperliche Abreibung, daß dieser geschunden und blutig bei seinem mitfühlenden Bruder Peter (Jörg Schüttauf) auftaucht.

Sein Leben lang fühlte dieser, dem es im Leben durch erfolgreiche Arbeit gut geht, sich für seinen kleinen Bruder verantwortlich, was seine mit ihm lebende Freundin Marie (Floriane Daniel) nervt, erst recht, als sich Frank als Dauergast in der Wohnung einrichtet. Denn Peter will ein Auge darauf werfen, ob es bei der Abmachung mit Frank bleibt, daß dieser sein weiteres Leben durch ehrliche Arbeit verdient, die er mit seinem eigenen Namen ausübt und nie wieder ein anderer wird. Das mußte er auch dem Bewährungshelfer versprechen, denn andernfalls drohten ihm bei neuen Betrügereien zehn Jahre Haft.

Devid Striesow spielt den Hochstapler außerordentlich überzeugend. Er schaut mit so blauen Augen strahlend und gutwillig die Menschen an, daß jeder glaubt, dieser nette junge Mann könne kein Wässerchen trüben. Vielleicht etwas naiv, aber tief drinnen ein guter Kern. Von daher ist es auch richtig, ihn im Film nicht als Trickbetrüger zu bezeichnen, was er aber ist, nicht als Scheckkartenverbrecher oder Dieb, was er auch ist, denn seine Motive sind nicht die Aneignung von Gegenständen, sondern das erhebende Gefühl, das sich bei ihm einstellt, wenn er für einen solchen gehalten wird, der sich teuere Gegenstände leisten kann. Er ist gerne ein anderer. Warum das so ist, entschlüsselt der Film nicht. Den Zuschauer würde es durchaus interessieren, wie ein Brüderpaar sich so unterschiedlich entwickelt. Woher also das mangelnde Selbstwertgefühl des deshalb hochstapelnden Frank kommt, wir wissen es nicht, erfahren aber, wie sein inneres Leben zu funkeln beginnt, wenn er sich als ein anderer ausgeben kann. Ich ein anderer.

Regisseur Alexander Adolph sagt dazu: „Als Filmemacher habe ich mich stets zurückgehalten, wenn es darum ging, die Ursache des ’Hochstapelns’ zu benennen”¦.Ich vermute, es ist eine Persönlichkeitsstörung, deren Hauptgrund in einer brüchigen Kindheit liegt. Einen klaren Auslöser – in Sinne einer Traumatisierung – hat mir niemand geschildert.“ Das ist beim „Der Hauptmann von Köpenick (1956) durchaus anders, überhaupt sind Hochstapler im Kino gerne gesehen, nicht nur die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1957) von Thomas Mann. Die deutsche Literatur hat’s überhaupt mit der Hochstapelei in ihren verschiedenen Fassungen, denn auch der Lügenbaron, der Freiherr von Münchhausen, hat wie kein Zweiter Lügengeschichten ersponnen und Karl May war halt auch niemals bei den Indianer gewesen – der Unterschied bleibt, daß Geschichtenerfinder damit keine anderen schädigen, Hochstapler in der Regel schon.

Insofern bewegt sich dieser Film auf des Messers Schneide, denn Devid Striesow hat dann alle Sympathien auf seiner Seite, wenn es gegen die da oben oder sonstige Ausbeuter geht. Und vor allem in seinem Einsatz für die hier spröde Nadja Uhl, die er der allmächtigen Fritzi,  Bordellchefin (wunderbar fies: Elisabeth Trissenaar), abkauft. Nicht für sich, sondern damit sie nun ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Und als es Frank dann auch noch gelingt, für seinen Bruder, der statt seiner von der Russenmafia zusammengeschlagen wurde, eine Promi-Behandlung im Krankenhaus zu inszenieren und er der Russenmafia das für Tanja gegebene Geld wieder abknöpfen konnte, da, ja da ist das Glück perfekt und beide wissen: „So glücklich war ich noch nie!“ Und morgen dann wird Frank mit zehn Jahren dafür zahlen.

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Titel: So glücklich war ich noch nie
Kinostart: 9. April 2009
Regie und Drehbuch: Alexander Adolph
Darsteller: Nadja Uhl, Devid Striesow, Jörg Schüttauf
Verleih: Kinowelt
http://sogluecklich.kinowelt.de/

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