Champions League: VfL-Frauen stürmen mit 13:0-Sieg gegen Pärnu JK ins Achtelfinale – gelungener Einstand von Lyn Meyer mit Blitztor

Drei Debütantinnen

Angesichts des anstehenden Bundesliga-Topspiels bei Vizemeister Potsdam hatte Ralf Kellermann bereits angekündigt, einigen Stammkräften eine Pause zu gönnen. Verglichen mit dem 4:1 gegen Hoffenheim veränderte er seine Startelf nun auf acht Positionen. Neu dabei waren etwa die Rekonvaleszentinnen Viola Odebrecht, Zsanett Jakabfi und Verena Faißt; Conny Pohlers – amtierende Rekordschützin in der Champions League – begann neben Jovana Damnjanovic im Sturm. Mit Jana Burmeister, Joelle Wedemeyer und Lyn Meyer feierten zudem drei VfL-Kräfte ihr Königsklassen-Debüt.

Offensivfreudig

Nadine Keßler führt den Ball.Die Ansage aus dem Hinspiel war unmissverständlich. Sich darauf auszuruhen, kam für die VfL-Frauen aber überhaupt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil: Kaum dass das Spielgerät freigegeben war, warfen sie die Tormaschine gleich wieder an, machten nahtlos dort weiter, wo sie in der estnischen Hauptstadt aufgehört hatten. Nach kaum einer Viertelstunde stand es durch Meyer, die schön aus der Drehung einnetzte (6.), einem Kopfballtreffer durch Damnjanovic (8.) sowie einem stattlichen Linksschuss Stephanie Buntes (12.) schon wieder 3:0. Pärnu hatte wie im Hinspiel alle Hände voll mit seiner Defensive zu tun. Doch war das Abwehrnetz zu keiner Phase eng genug, um den offensivfreudigen Titelverteidiger stoppen zu können.

Halbes Dutzend

Von beiden Seiten, durch die Mitte und genauso aus der Distanz griffen die Grün-Weißen immer wieder an und zeigten sich hochmotiviert, den eigenen Fans erneut ein Spektakel zu zeigen. Als Conny Pohlers nach 17 Minuten mit ihrem 46. Tor in der Königsklasse auf 4:0 erhöhte, waren schon mehrere weitere Chancen unverwertet geblieben. Kapitänin Nadine Keßler setzte per Flachschuss aus 15 Metern noch das 5:0 drauf (31.), woraufhin die Gäste, die sich insgesamt wackerer wehrten als im ersten Vergleich, vorerst durchschnaufen durften. Mit dem Pausenpfiff machte Viola Odebrecht aber das halbe Dutzend voll.

Meyer eröffnet erneut

Lyn Meyer freut sich über den erzielten Treffer und reißt die Arme in die Höhe.Halbzeit zwei begann exakt wie die erste – nämlich mit einem Blitztor der auffälligen Debütantin Meyer, die aus kurzer Distanz vollendete (47.). Wegbereiterin Odebrecht hatte den Ball unmittelbar vorher noch an die Querstange gezimmert. Wenig später tat es Keßler ihr gleich; ihr Schlenzer von der Strafraumkante strich über die Oberkante der Latte ins Aus. Die Kräfteverhältnisse also blieben die gleichen, wobei sich der estnische Meister im Rahmen seiner Möglichkeiten nach wie vor teuer verkaufte, gegen die spielerische Klasse und auch körperlich klare Überlegenheit der Wölfinnen aber überhaupt nichts ausrichten konnte. Nach knapp einer Stunde langte Meyer gar schon ein drittes Mal hin (59.), ehe zwei Minuten später Jakabfi wiederum Damnjanovic bediente. Aus vollem Lauf markierte der VfL-Neuzugang Tor Nummer neun.

Pohlers Europarekord

Die Frage, ob der Klassenunterschied wieder zweistellig ausfallen würde, beantwortete niemand sonst als Conny Pohlers mit einem strammen Schuss ins rechte Eck (72.). Selbst nach dem 10:0 waren die Grün-Weißen allerdings noch nicht satt. Wie im Hinspiel folgte ein schöner Angriff dem nächsten, was die begeisterten Zuschauer bis zum Abpfiff trotz zum Ende schattiger Temperaturen bestens unterhielt. Auch Keßler langte noch ein zweites Mal hin (81.), viel Jubel gab es zudem für einen schönen Winkeltreffer der Comebackerin Zsanett Jakabfi (83.). Als erneut Pohlers mit ihrem dritten Treffer des Abends zum 13:0 schließlich den Deckel drauf machte, hatten die Wölfinnen mit insgesamt 27 (!) Treffern in zwei Duellen mit Pärnu nicht nur ein gewichtiges Machtwort gesprochen. Pohlers persönlich stockte ihren Rekordwert in der Königsklasse zugleich auch beeindruckend auf und lag fortan mit 48 Treffern als Rekordschützin des Wettbewerbs kaum noch einholbar vorn.

Strahlende Gesichter

Dass es sportlich keine großen Erkenntnisse liefern würde, war vor dem Rückspiel gegen Pärnu JK weitgehend klar. Cheftrainer Ralf Kellermann machte aus der Ausgangslage daher das Beste. Ganz jungen Spielerinnen gab er die Chance, sich zu präsentieren. Während Rekonvaleszentinnen wie Zsanett Jakabfi und Viola Odebrecht zu wertvoller Spielpraxis kamen. Heraus kam eine Vorstellung, die trotz dieser ungewohnten Konstellation das Publikum begeisterte.

Die Stimmen zum Spiel

Nadine Keßler: "Das war für mich das erste Mal, dass es ein solch deutliches Spiel in der Champions League gab. Wir wollten aber so viele Tore wie möglich schießen, auch um im Hinblick auf das kommende Wochenende die Spannung oben zu halten. Wir hatten in den vergangenen Wochen einige Verletzungsprobleme. Von daher war es gut, dass wir uns etwas einspielen konnten."

Viola Odebrecht: "Ich bin etwas platt, besonders konditionell muss ich erst wieder zulegen. Aber ich bin froh, dass ich mal 90 Minuten spielen konnte. Mein Knie ist wieder völlig ok. Auch für unsere neuen Spielerinnen war es natürlich klasse, einmal über die komplette Distanz in der Champions League zum Einsatz zu kommen. Und 27 Tore in zwei Spielen, das ist schon eine echte Hausnummer."

Joelle Wedemeyer: "Als ich ins Stadion eingelaufen bin, war ich schon sehr nervös. Insgesamt war es einfach unheimlich aufregend. Ich habe versucht, die vielen Zuschauer auszublenden, was gar nicht so einfach war. Aber insgesamt bin ich mit meiner Leistung zufrieden."

Lyn Meyer: "Ich war natürlich ein bisschen aufgeregt zu Beginn, hatte dann aber Glück, dass ich gleich mit einem Tor ins Spiel finden konnte. Über meine Nominierung war ich selbst überrascht und habe mich riesig darüber gefreut. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Schließlich kann nicht jeder behaupten, schon einmal in der Champions League gespielt zu haben. Auf dem Platz gab es aufgrund des Hinspiels zum Glück keinerlei Druck. Wir haben völlig befreit aufspielen können."

Cheftrainer Ralf Kellermann: "Ich stand vor der Frage, was man einer Mannschaft mit auf den Weg gibt, die schon mit 14:0 vorn liegt. Ich habe dann gesagt, dass wir uns von unserer besten Seite zeigen müssen. Allein unseren Zuschauern sind wir das schuldig, außerdem wurden wir live auf Eurosport gezeigt. Darüber hinaus setzt sich jeder auch persönliche Ziele, zumal viele Spielerinnen unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in die Partie gegangen sind. Insgesamt bin ich mit dem Auftreten nun sehr, sehr zufrieden. Es ist nicht einfach gegen einen Gegner, der ausschließlich verteidigt. Aber man hat von der ersten Minute an gemerkt, dass unsere Mannschaft nur eine Richtung kennt. Es sind einige schöne Tore gelungen und auch gute Kombinationen. Deshalb denke ich, dass die eine oder andere Spielerin einen Schritt nach vorne machen und sich Selbstvertrauen holen konnte. Außerdem sind wir froh, dass wir ohne weitere Verletzung aus dem Spiel gekommen sind."

Cheftrainer Jüri Saar: "Ich kann weder viel Gutes noch viel Schlechtes über dieses Spiel sagen. Meine Mannschaft war vom Kopf her bereit und hat sich von ihrer besten Seite gezeigt. Wir wollten vor allem gut verteidigen, aber allein in der Schnelligkeit und der Technik waren die Unterschiede einfach zu groß. Der VfL Wolfsburg hat eine sehr gute Mannschaft, für den weiteren Wettbewerb wünsche ich viel Erfolg."

So spielten sie:

VfL Wolfsburg: 12-Jana Burmeister – 20-Stephanie Bunte, 2-Luisa Wensing, 24-Marie-Joelle Wedemeyer, 22-Verena Faißt – 3-Zsanett Jakabfi, 8-Lyn Meyer – 7-Viola Odebrecht, 13-Nadine Keßler – 23-Jovana Damnjanovic, 26-Conny Pohlers – Trainer Ralf Kellermann

Pärnu JK:  2-Triinu Esken – 4-Heleri Saar, 6-Anete Paulus, 3-Kaire Palmaru, 21-Saskia Sonnberg (10-Berle Brant, 88.), 11-Varje Tugim – 22-Kristina Bannikova (20-Ketlin Saar, 76.), 19-Olga Ivanova, 8-Kairi Himanen, 7-Anastassia Morkovkina (9-Liivi  Sormus, 88.) – 13-Margarita Zernosekova – Trainer Jüri Saar

Tore: 1:0, 7:0 + 8:0 Meyer (6./47./59.), 2:0 + 9:0 Damnjanovic (8./61.), 3:0 Bunte (12.), 4:0, 10:0 + 13:0 Pohlers (18./72./87.), 5:0 + 11:0 Keßler (31./81.), 6:0 Odebrecht (45.), 12:0 Jakabfi (83.)

Schiedsrichterin:  Zuzana Kovacova (Slowakei)

Zuschauer: 795

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