Fußball-Nationalelf: Wie bei einem Staatsbesuch in schweren Zeiten

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Ein Urinal in Forchheim im Mai 2017.
Fußball? Drauf gepisst! © 2017, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Frankfurt am Main, Deutschland (Weltexpress). Im Ausland wird man sich wundern. Zwar hatte der Auftrieb am Dienstag vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Liga (DFL) in der Banken- und Finanzmetropole am Main laut „FAZ“ etwas von einem „Staatsbesuch in schweren Zeiten“ – Taxis mit abgedunkelten Scheiben, schweigende Protagonisten mit ernsten Mienen und gewichtigen Aktenmappen -, doch am Ende löste sich alles wohlfeil auch ohne weißen Rauch auf: Alles bleibt so wie es war. Den handelnden Personen ward der Rücken gestärkt.

Nicht mal das geringste Bauernopfer wurde der Öffentlichkeit präsentiert, Und das nach dem schwächsten und peinlichsten Abschneiden einer deutschen Nationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften überhaupt!

Entweder die Deutschen haben mit ihren ca. 82 Millionen Einwohnern, davon sind mehr als 6 Millionen eingetragene Mitglieder in einem DFB-Verein, keinen geeigneten Ersatz für die nach der WM massiv in der Kritik stehenden Personen.
Oder sie wollen, dass Reinhard Grindel DFB-Präsident, Oliver Bierhoff weiter Nationalmannschafts-Manager und Joachim Löw fürderhin Coach der Nationalmannschaft bleiben.

Beim besagten Treffen der geballten Fußball-Prominenz am Dienstag mit DFB (Deutscher Fußball-Bund), Deutscher Fußball-Liga (DFL) und den Vertretern der Spitzenklubs erklärte Liga-Präsident Reinhard Rauball, man habe volles Vertrauen zu den verantwortlichen Personen und stärke ihnen den Rücken.

DFB-Präsident Reinhard Grindel betonte nach dem dreistündigen Treffen den Schulterschluss der Verbände. „Der DFB und die DFL ziehen an einem Strang. Das war der intensivste Austausch, den wir in der jüngeren Vergangenheit hatten. Wir waren noch nie so eng zusammen“.

Hier hat man das Paradebeispiel von Versagen im deutschen Gemeinwesen: Aussitzen und abwarten oder abwarten und aussitzen!
Alle drei Spitzenfunktionäre reden bei ihrem Tun für die Nationalmannschaft zwar von Verantwortung, die sie hätten, aber sie kleben an ihren Stühlen, statt freiwillig zurückzutreten.

So läuft es beim Desaster-BER, so läuft es in der Flüchtlings-Politik, so läuft es in der Klima-Problematik oder in der Diesel-Affäre!

Zudem ist ein Rücktritt beim Konstrukt Nationalmannschaft eine eher komplizierte Angelegenheit. Denn sie ist Teil des eingetragenen Vereins DFB, der größtenteils von Ehrenamtlichen geleitet wird. So kann der DFB-Präsident nicht wie bei einem Unternehmen durch einen Aufsichtsrat geschasst werden. Da müsste das DFB-Präsidium dazu den Beschluss fassen, der dann bei einem außerordentlichen Verbandstag mit Delegierten aus allen Landesverbänden zur Entscheidung gestellt würde. Eine langwierige und umständliche Prozedur. Und durchaus mit offenem Ausgang in dem aktuellen Fall.

Denn Grindel hat durchaus Fehler im Umgang mit der Özil-Affäre eingeräumt, aber den pauschalen Vorwurf des Rassismus im gesamten DFB im Sinne der DFB-Mitlgieder zurückgewiesen. Und er ist – nach Fan-Kritiken an Bierhoffs Kommerz-Kampagne mit der Nationalmannschaft (Die Mannschaft – Never the Rest – ‚#ZSMMN – überhöhte Ticketpreise – Abschottung der Mannschaft) – deutlich zugunsten der Fans von Bierhoff abgerückt.

Außerdem Präsident einer Sechs-Millionen-Gemeinschaft zu sein, ist für den ehemaligen CSU-Hinterbänkler Grindel ein Lebenstraum. Den wird er nie von sich aus aufgeben.

Ähnlich ist die Gemengelage bei Löw. Er hat nie nachweisen können bei seiner kurzen Karriere als Vereinstrainer das Format für einen Spitzenklub a la Barcelona oder Manchester City zu haben. Da war das Aufrücken vom Assistenten zum Chef-Bundestrainer ein Glücksfall des Schicksals. Vier Millionen und drei Monate Arbeit im Jahr, wie ein User in den Sozialen Netzwerken schrieb, das kann Löw nicht sausen lassen. Zumal Grindel in einem Anfall von Bewusstseinsstörung Löws Vertrag vor der WM ohne Not bis 2022 verlängerte!

DFB und DFL sowie die Sprecher der Topklubs halten trotz der offensichtlichen Fehler von Löw vor und während der WM still, da derzeit auch kein adäquater Ersatz verfügbar wäre.

Berichtet wird nun aus Frankfurt, dass Löw sich zudem demütig und selbstkritisch geäußert habe. Dass die Einstellung und der Spielstil auf Ballbesitzfußball nicht gepasst habe. Aber andererseits es in der Bundesliga an der Ausbildung von schnellen und dribbelstarken Spezialisten, die im 1:1 oder bei Gegenstößen wichtig seien, mangele. Ein Ablenken von der Tatsache, dass Löw den individuell starken Leroy Sane oder Serge Gnabry gar nicht nominiert hatte und Julian Brandt sowie Leon Goretzka viel zu wenig WM-Einsatzzeiten gab.

Bei Bierhoff wiederum kann sich Grindel als Macher und Reformer positionieren. So monierte er einerseits, von jenem viel zu wenig Informationen aus dem eigenem Raumschiff Nationalelf erhalten zu haben. Und zu Bierhoffs Entlastung kündigte er die Wiedereinstellung eines Sportdirektors sowie eines Leiters für das Akademie-Projekt an, die dann aber weiter Bierhoff unterstellt sein werden. Auch der von Bierhoff ins Leben gerufenen Begriff „Die Mannschaft“ solle auf den Prüfstand kommen. Das und andere Aktionen hättedannn der Fannähe geschadet.

Nach diesem informellen Treffen, in dem wohl auch die künftige Argumentation abgestimmt worden sein dürfte, wird Löw am 29. August seine WM-Analyse mit entsprechenden Schlussfolgerungen der Öffentlichkeit präsentieren.

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