Berlin, BRD (Weltexpress). Zur Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten für die Luftwaffe reaktiviert die Bundeswehr den Standort Fürstenfeldbruck in Bayern. Dies sei eine »wichtige und richtungweisende Entscheidung, gerade auch mit Blick auf den neuen Wehrdienst«, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) laut einem Bericht von „AFP“ am Montag, den 13.7.2026, bei einem Truppenbesuch im niedersächsischen Wittmund. Damit werde ein alter Standort der Luftwaffe wieder in Betrieb genommen. Mit der Entscheidung für Fürstenfeldbruck gehe die Bundeswehr »einen weiteren Schritt für den kontinuierlichen Aufwuchs der Streitkräfte«, erklärte das Bundesverteidigungsministerium.
Hätte sich die französische Nachrichtenagentur etwas sachkundig gemacht, wäre sie gestoßen, dass Fürstenfeldbruck Ausgangspunkt einer wegweisenden Tagung für die Konzipierung des neuen deutschen Expansionsprogramms war. In der bayrischen Stadt fand im September 1991, knapp ein Jahr nach dem Anschluss der DDR an das neue Großdeutschland ein Symposium führender Vertreter der Industrie- und Bankenwelt mit hochrangigen Generälen der Bundeswehr mit Ex-Verteidigungsminister Rupert Scholz an der Spitze, statt um das neue Expansionsprogramm zu beraten. Veranstalter waren die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, die Führung der Hardthöhe und die rechtsaußen angesiedelte Clausewitz-Gesellschaft. Die Tagung verkündete die Rückkehr zu weltweiter Aggressionspolitik als Wiederherstellung der „Normalität“ Deutschlands, umschrieb die Teilnahme am Kampf um den Weltherrschaftsanspruch als „Partner in Leadership“ mit den USA. 1 Unmissverständlich war von Militäreinsätzen der Bundeswehr out of Area die Rede, von ihrer Umstrukturierung zur Herstellung der Einsatzfähigkeit entlang einer 4.000 km langen EU-Außengrenze, der Bildung eigener Eingreifkräfte, die das „Selbstbestimmungsrecht“ von Minderheiten und „unterdrückten“ Völkern durchsetzen, sich der Gefährdung von Rohstoffzufuhr, der Begegnung von Immigrationswellen und diversen ähnlichen Problemen zuwenden sollten. Dazu wurde ein neues Geschichtsbild gefordert, dass mit Auschwitz und Holocaust Schluss machen und stattdessen „Nation und Vaterland“ zum Inhalt haben sollte. In diesen Debatten wie verabschiedeten Denkschriften und ähnlichen derartigen Deklarationen wurde übrigens Klartext gesprochen, war von keinem Kampf gegen den Terrorismus die Rede. Dieser Vorwand wurde erst später mit dem 11. September 2001 geschaffen. Es ging in Fürstenfeldbruck nicht nur um die Revidierung der Nachkriegsordnung, sondern weiter zurückreichend auch um die des Ersten Weltkrieges. Davon zeugte die Haltung zur Konzeption der Zerschlagung Jugoslawiens. Rupert Scholz erinnerte daran, dass „der Jugoslawienkonflikt unbestreitbar fundamentale gesamtdeutsche Bedeutung“ habe, da mit ihm „die wichtigsten Folgen des zweiten Weltkrieges überwunden und bewältigt“ werden. „Aber in anderen Bereichen“ so Scholz weiter, „sind wir heute damit befasst, noch die Folgen des Ersten Weltkrieges zu bewältigen.“ Diese bestanden darin, dass der jugoslawische Staat nach dem Ersten Weltkrieg eine Barriere gegen den „Deutschen Drang nach Osten“ sein sollte, welche es nach Rupperts Worten zu beseitigen galt. und dass deshalb „Kroatien und Slowenien völkerrechtlich unmittelbar anerkannt werden“ müssten. Die so bezweckte Internationalisierung des Konflikts ermögliche, so der deutsche Ex-Verteidigungsminister, international in Jugoslawien zu intervenieren, wozu die BRD dann mit der einseitigen Anerkennung Sloweniens und Kroatiens, gefolgt von Österreich und dem Vatikan, den Weg frei machte.2 Ins Werk setzte das der damalige bundesdeutsche Außenminister der Liberalen, Dietrich Genscher. Dass es an der Spitze der EU um einen neuen Ritt nach Osten ging, verdeutlichte 2003 der Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung,3 Ralf Fücks, als er zur Rolle der BRD im Kaukasus sagte: Die Region dürfe „nicht den Großmachtspielen Russlands und der USA überlassen“ werden.4 Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende, Gernot Erler, ergänzte, es gehe „vor dem Hintergrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung der Region“ um „die Ausarbeitung einer langfristig angelegten politischen Strategie“ der „Anbindung der kaukasischen Staaten an Europa“. In einer Denkschrift der SPD-Grundwertekommission wurde dieser „wirtschaftlich und politische Großraum“ als Hinterhof bis nach Zentralasien im Osten und dem Nahen Osten im Süden bezeichnet, in dem die „großen westlichen Nationen“ wegkommen müssten von einer instabilen Ordnung unter US-Führung und statt dessen eigene Machtmittel zur Durchsetzung einer „globalen politischen Ordnung“ entwickeln müssten. Und zur Rolle Deutschlands nochmals zitiert, es habe „ein legitimes eigenes Interesse an seiner dauerhaften und festen Einbindung in einen wirtschaftlich und politisch leistungsfähigen Großraum, der anderen Weltregionen vergleichbar ist“. Deutschland müsse „als größter und wirtschaftlich stärkster Staat in Europa“ für ein Europa eintreten, das in der Lage sei, sich „gegen äußere wirtschaftliche, politische und gegebenenfalls auch militärische Pressionen zu wehren“.5 Der Politologe Dr. Uwe Halbach, wissenschaftlicher Experte des Institut für internationale Politik und Sicherheit und dessen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), einer der wichtigsten „Denkfabriken“ der deutschen Außenpolitik, betonte, man wolle schließlich selbst Einfluss auf die abtrünnigen Staaten nehmen und diese nicht Russland überlassen. Zumal man mit ihrer Hilfe Russland zugleich schwächen könne.6
Pistorius kann bilanzieren, dass das großdeutsche Expansionsprogramm erfolgreich verwirklicht wurde (u. a. mit der Teilnahme am NATO-Überfall auf Jugoslawien, der logistischen Unterstützung des USA-Überfalls auf Irak bis zum Einsatz in Afghanistan war die Bundeswehr in über 60 Ländern in Europa, Asien und Afrika im Einsatz.
Heute steht sie in Litauen an den Grenzen Russlands und will sich nach einem Ende des Krieges in der Ukraine dort an der „Sicherung“ der Ukraine beteiligen. Auch mit Auschwitz und Holcaust wurde Schluss gemacht. Davon zeugt, dass die BRD in der Ukraine an der Seite eines Regimes steht, das seit 2014 unter aktiver Teilnahme von Neofaschisten regiert, dort die 2. Panzerdivision der SS „Das Reich“, die schrecklichste Verbrecherorganisation der Nazis im Zweiten Weltkrieg, verehrt wird, das bekannte faschistische »Asow«-Regiment offen erklärte, sein Ziel sei „der Schutz der weißen Rasse“ durch die Schaffung eines Systems der „antidemokratischen und antikapitalistischen Nationalkratie“ und die Ausrottung des „internationalen zionistischen Spekulationskapitals “. Präsident Wolodimir Zelenskij persönlich ehrte den Asow-Kommandanten für „sein „Heldentum“ bei der Verteidigung von Mariupol.
Anmerkungen:
1 „Generalstab in Aktion“, „Junge Welt“ 12. Jan. 2002.
2 Ullrich Sander: Die Macht im Hintergrund. Papyrossa Verlag 2004, S. 114.
3 Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die Parteistiftung von Bündnis 90-Die Grünen. Der hier wiedergegebene Standpunkt beweist die feste Integrierung der Partei, in die Vertreter an der konterrevolutionären „Wende“ in der DDR eingingen, in die weltweite Expansionspolitik der BRD.
4 Anton Latzo: Die Anziehungskraft des Schwarzen Meeres. jW, 11. Febr. 2004.
5 Latzo, a. a. O.
6 Uwe Halbach: Der Kaukasus in neuem Licht, SWP-Studie, Berlin Nr. 11/2005.








