Dienstag, 04. August 2026
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Welche Lehren vermitteln die Klassiker des Marxismus-Leninismus zum einheitlichen Handeln der Partei der Arbeiterklasse

Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz. © Münzenberg Medien, Foto/ BU: Stefan Pribnow, Ort und Datum der Aufnahme: Chemnitz, 25.10.2024

Berlin, BRD (Weltexpress). Erfreulicher Weise stößt mein Beitrag im „Weltexpress“ am 1. August 2026 1 auf reges Interesse von Lesern. So wird u. a. gefragt, worin die erwähnten Lehren der Klassiker bestehen.

Sie beziehen sich auf die Beachtung bzw, Nichtbeachtung der Haltung von Marx, Engels und Lenin im für das einheitliche Handeln nach der Bildung der Partei 1875 in Eisenach und ihren reformistischen Mängeln bzw. Lenins Kampf gegen die opportunistischen Erscheinungen in den Parteien der II. Internationale bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Nach der Niederlage des Sozialismus 1989/90 ging es angesichts der revisionistischen Erscheinungen in der DKP eben nicht um die Schaffung einer neuen Kommunistischen Partei, sondern darum, die marxistisch-leninistischen Kräfte in ihr zu unterstützen, die sich dann mit der Wahl von Patrick Köbele 2013 durchsetzten.

Marx und Engels stellten zum Beispiel nicht die Aufgabe, die in Gotha 1875 entstandene Partei aufzugeben und eine neue, von revisionistischen Einflüssen freie revolutionäre Arbeiterpartei zu schaffen, sondern sie kämpften darum, „die richtige politische Linie in der deutschen sozialdemokratischen Partei“ durchzusetzen. Trotz der opportunistischen Auswüchse des Gothaer Programms stellten sie in den Vordergrund ihrer Wertung die Bedeutung der Herstellung einer einheitlichen Arbeiterpartei. Durch ihr energisches Auftreten gelang es in dieser Periode, die Opportunisten in der Partei zurückzudrängen und zu erreichen, dass das praktische Auftreten der Partei durch revolutionäre Aktionen bestimmt wurde. Sie kämpfte erfolgreich gegen das Sozialistengesetz und fand den richtigen Weg zu den Massen. 2

Man hätte damals auch nachlesen sollen, wie Lenin prinzipiell aber der Situation entsprechend sowohl unter strategischen als auch taktischen Gesichtspunkten klug im Kampf gegen den mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges offen ausgebrochenen Opportunismus, darunter seiner schlimmsten Erscheinung, dem Sozialchauvinismus, auf der Zimmerwalder Konferenz im September 1915 und der im April 1916 in Kienthal vorging. Unter den teilnehmenden Sozialisten formierte er aus Internationalisten und revolutionären Marxisten (so seine Formulierung) die revolutionäre Zimmerwalder Linke. ,,Der Zusammenschluss der genannten Gruppe ist eine der wichtigsten Tatsachen und einer der größten Erfolge der Konferenz“, schätzte er ein. 3

Die Linke scheute sich auch nicht, in eine Tagung zu gehen, auf der die Gruppe der „schwankenden beinahe Kautzkyaner“ vertreten war und setzte sich mit ihnen entschieden auseinander. Dem Manifest der Tagung, das unter dem Einfluss der Kautzkyaner an „Inkonsequenz und Halbheit“ litt, stimmte die Zimmerwalder Linke, Lenin folgend, dennoch zu, weil es „faktisch einen Schritt vorwärts zum ideologischen und praktischen Bruch mit dem Opportunismus und Sozialchauvinismus“ darstellte. Erst als die Parteien der II. Internationale sich in den revolutionären Nachkriegskämpfen offen für den Erhalt der Herrschaft des Imperialismus einsetzten, brach Lenin 1919 mit den Opportunisten und initiierte die Bildung kommunistischer Parteien und ihren Zusammenschluss in der Kommunistischen Internationale. 4

Zur Haltung der Klassiker wäre auch zu sehen gewesen, dass bei aller Schärfe, mit der Marx die politisch-ideologische Auseinandersetzung beispielsweise mit dem Begründer des Anarchismus, Michael Bakunin führte, er „dem alten Revolutionär seine freundschaftliche Gesinnung“ bewahrte und sich Angriffen, „die aus seiner näheren Umgebung gegen Bakunin gerichtet worden waren oder werden sollten“ widersetzte. 5

Ferdinand Lassalles reformistische Orientierung und sein Paktieren mit Bismarck und dem preußischen Staat verurteilten und bekämpften Marx und Engels ebenfalls entschieden, vergaßen aber nicht, dass er mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeiterbildungsvereins einen historischen Beitrag zur selbständigen politischen Organisation des Proletariats leistete. Engels hielt nach seinem Tod fest, dass er sich stets als ihr Schüler bekannte und als solcher „auf dem Boden des ‚Manifest‘“ stand. 6 Aus dieser Sicht hätte der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr, der zwar schwankende Positionen bezog , aber entscheidend mit dazu beigetragen hatte, nach 1989/90 die Liquidierung der DKP durch die Revisionisten zu verhindern, unterstützt werden müssen. Und diese Lehren der Klassiker dürften auch heute noch von Bedeutung sein. Hervorzuheben ist, dass die KPF in der heutigen Partei die Linke sich gegen deren reformistische Politik wendet und für die Bewahrung bzw. Verteidigung marxistischer Grundsätze eintritt.

Auch für „offen-siv“ schreiben ?

In diesem Zusammenhang fragte eine Leserin, warum ich nicht mehr für „offen-siv“ schreibe, um dort die marxistisch-leninistischen Kräfte zu unterstützen. Ich habe bei „offen-siv“ seit 2001 als Autor mitgewirkt, u. a. auch zwei Vorträge im damals von „offen-siv“-KPD organisierten Fernstudium gehalten. Anlass war, dass „Offen-siv“ engagiert für die Wahrung des revolutionären Erbes der DDR, für die Verbreitung marxistisch-leninistischen Gedankengutes wirkte und (unter aufgezeigten sektiererischen Abweichungen) auch noch wirkt und sich mit in der DKP nach der Niederlage des Sozialismus 1989/90 einsetzenden opportunistischen Erscheinungen auseinandersetzte. „offen-siv“ ist, wie ich schon in dem Beitrag darlegte, für einen breiten Kreis von Autoren eine Tribüne zur Veröffentlichung ihrer informativen Beiträge, für die sie sonst anderweitig wohl wenig Gelegenheit hätten. Nicht wenige dieser Autoren geben sich damit zufrieden und enthalten sich der Teilnahme an einer Erörterung des Inhalts der Zeitschrift. Bei „offen-siv“ zeigten sich sektiererische Tendenzen und eine enge Sicht auf die Lehren der Klassiker des Marxismus-Leninismus. Deutlich war das 2008 bei der Gründung der „Kommunistischen Initiative“ (KI) an der „offen-siv“ initiierend und aktiv mitwirkte, zu erkennen. Mit dieser, da sektiererisch angelegten (die DKP ausschließenden) und den Orientierungen von Marx und Engels zuwiderlaufenden Initiative, habe ich mich in mehreren Beiträgen in der Zeitschrift auseinandergesetzt (u. a. in: „Wie zur Einheit der Kommunisten kommen? Rat bei den Klassikern suchen“, 10/2008). Aus dem Scheitern der KI wurden keine grundsätzlichen Schlussfolgerungen gezogen. „offen-siv“ nahm nicht zur Kenntnis, dass sich in der DKP 2013 mit der Wahl Patrik Köbeles zum DKP-Vorsitzenden eine marxistisch-leninistische Führungsgruppe durchsetzte, die, wenn auch mit großen Schwierigkeiten kämpfend, eine Wende zur Durchsetzung einer marxistisch-leninistischen Strategie einleitete. Ab Heft 2/2017) und in einem intensiven Gedankenaustausch, darunter einem persönlichem Gespräch mit Frank Flegel, habe ich mich mit seinen Einschätzungen zur Haltung gegenüber der Leitung der DKP, die er als zentristisch einschätzte, auseinandergesetzt. Ich wollte ihn insbesondere dazu bringen, die Initiative zu ergreifen, um führende Vertreter der DKP oder wenigstens der „UZ“ zu einem Dialog einzuladen. Frank Flegel ist nicht darauf eingegangen. Seine Reaktion in Heft 1/2018 war, „Ende der Debatte“, die sein abschließendes Urteil einschloss, die Führung der DKP sei „zentristisch mit all den negativen Auswirkungen, die der Zentrismus mit sich bringt“. In einem Beitrag „Einige Gedanken zur Einheitskonferenz der Kommunisten…“ in Heft 3/2017, nannte Frank Flegel die DKP, RotFuchs und SDAJ „Antistalinisten, Zentristen und Revisionisten“ und erklärte: „Die DKP, der RotFuchs und die Kommunistische Plattform der Partei Die Linke bilden inzwischen so etwas „wie ein revisionistisch/zentristisches Kartell, leider mit nicht unwesentlichem Einfluss auf die ‚junge Welt‘.“ In Heft 4/2017 habe ich das entschieden zurückgewiesen und bemerkt, dass wir mit dem Begriff Kartell „imperialistische Gruppierungen“ charakterisieren, was die genannten Kräfte „nicht sind“ und sie „auch nicht unsere politischen Gegner sind“. Zur „jungen Welt“, deren ständiger Autor ich bin, habe ich diese Diffamierung ebenfalls zurückgewiesen und klargestellt, dass in ihr „standhafte Kommunisten, die ich sehr schätze und zu meinen Freunden zähle, darum ringen, marxistische Positionen zu wahren bzw. durchzusetzen. Und diese kommen in der Mehrheit der Beiträge täglich zum Ausdruck.“ Zu Stehr habe ich festgehalten, dass man nicht vergessen sollte, „dass er entscheidend mit dazu beigetragen hat, nach 1989/90 die Liquidierung der DKP durch die Revisionisten zu verhindern.“ Nachdem „offen-siv“ der Kapitulantengruppe in der DKP um Philipp Kissel, der ultralinke Positionen vertrat, ein Sonderheft, womit ich mich in Heft 9/2017 auseinandersetzte, gewidmet hatte, habe ich 2018 meine publizistische Arbeit bei „offen-siv“ eingestellt und dazu eine Presseerklärung abgegeben. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die DKP in den Untersuchungen, die der marxistische Arbeitskreis zu den „revisionistischen Erscheinungen“ in den kommunistischen Parteien und Organisationen vornehmen will, eingeordnet werden wird. Wie gesagt, scheint es so, dass die offenen Angriffe auf die DKP (wie zur Zeit der Kissel-Affäre) wohl eingestellt worden sind. Bliebe es dabei, schließe ich nicht aus, dass ich wieder in „offen-siv“ schreiben könnte, aber dazu gehören natürlich zwei Seiten.

Anmerkungen:

1 Ein Signal zur Einheit: DKP tritt zur Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin an – Mit Unterstützung der KPD von Gerhard Feldbauer

2 Marx‘ Kritik am Gothaer Programm, eingeschlossen Engels Vorwort vom 6. Januar 1891 (MEW Bd. 19, Berlin/DDR, S. 15 bis 32)

3 Werke, Bd. 21, Berlin/DDR, 1962, S. 389 ff.

4 Die Kommunistische Internationale, Berlin/DDR 1970.

5 nachzulesen in: Franz Mehring: Gesammelte Schriften, Bd. 3 „KaMarx, ,,Geschichte, seines Lebens, Berlin/DDR, 1969, S. 416).

6 MEW, Bd. 21, Berlin/DDR S. 353.

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