Eine neue Liga ist wie ein neues Leben… – Berlin siegt im Viktoria-Duell

erste Drittligapressekonferenz der Berliner Viktoria© Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Eine neue Liga ist wie ein neues Leben meinen die Anhänger von auf- oder abgestiegenen Vereinen. Zum ersten Heimspiel empfing Aufsteiger Viktoria Berlin die Viktoria aus Köln. Dem Vereinsnamen die Ehre erwiesen die Berliner. In einem insgesamt ansehnlichen Fußballspiel siegte der Liganeuling mit 2:1.

Für die 3. Liga wurde der Jahnsportpark im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg wieder fit gemacht. Das dafür nötige Geld spendierte der Investor SEH Sports & Entertainment Holding. Noch fehlt das Flutlicht. Neben der Haupttribüne wurden Container aufgestellt, hier werden die Pressekonferenzen abgehalten und ein Arbeitsraum für die Medienvertreter bereitgestellt.

Ein spannendes Projekt, noch fehlt es an Fans im Revier. Laut eigenen Angaben hat der Verein etwa 1.600 eingeschriebene Mitglieder. Zur Premiere in der 3. Liga kamen 1.112 Zahlende, insgesamt hätten 1.800 Tickets verkauft werden können. Die Reise aus Köln hatten nach Angaben des Stadionsprechers 66 Gästefans auf sich genommen.

Wer ins Stadion gekommen war, konnte ein sehr anständiges Spiel bei schwül-heißem Sommerwetter genießen. Die himmelblaue Viktoria aus Berlin agierte nur in der Anfangsphase etwas nervös. Zweimal musste tief durchgeatmet werden, Albert Bunjaku, der Ex-Bundesligaspieler, trotz seiner inzwischen 37 Jahre, ein Aktivposten traf aus Abseitspositionen. In dieser Liga gibt es keinen Videobeweis, es zählt nur die erhobene Fahne des Assistenten.

Die Führung gelang den Gästen in der 33. Minute durch einen Treffer von Youssef Amyn. Geschockt zeigte sich der Liganeuling davon erstaunlicherweise nicht im geringsten. Die 37. Spielminute wird in die Annalen des Vereins Viktoria Berlin in besonderer Weise eingehen. Es fiel der Treffer 1:1 und was für einer. Der Drittliga-Premierentreffer durch Yannis Becker darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel „Tor des Monats“ machen. Der 30-jährige Mittelfeldspieler, einst ausgebildet beim SV Werder Bremen, steht seit 2019 in Diensten der Himmelblauen. Er nahm die Vorlage von Tolcay Cigerci volley und schickte den Ball in Richtung Tor. Es war der Fußballklassiker, entweder triffst du den Flutlichtmast ganz weit oben oder es wird das direkte Gegenteil eines Kacktores, ein Zaubertor. Der Fußballgott trug himmelblau, erst sorgte er für das besondere Premierentor und eine Minute später legte Becker für Falcao auf und es stand 2:1. Das Spiel war gedreht.

Die Gäste hatten daran gewaltig zu knabbern. Sie versuchten einiges in Halbzeit zwei, hatten deutliche Feldvorteile, richtig gefährlich wurde es nicht. Eher im Gegenteil, der Neuling blieb mit seinem Konterspiel gefährlich. Einen kleinen Aufreger gab es in der 67. Minute als Viktorias Keeper Philip Sprint einen unglücklichen Zusammenprall mit einem Kölner Spieler hatte. Er musste ausgewechselt werden. Ernsthaft verletzt soll er sich nicht haben. Bedingt durch eine Trinkpause und Verletzungsunterbrechungen ließ Schiedsrichter Florian Exner sechs Minuten nachspielen. Dann durfte endlich gejubelt werden. Die Liga-Premiere war geglückt.

Die Kölner Viktoria nimmt ihre vierte Drittligasaison in Angriff. In der vergangenen Saison lief einiges nicht optimal. Olaf Janßen löste am 23. Spieltag den glücklosen Pavel Dotchev ab und die Klasse konnte gehalten werden. Er konnte seinem Berliner Kollegen zu dem knappen, insgesamt verdienten Sieg nur gratulieren. Verwies dabei auf den großen Umbruch im Kader seiner Mannschaft. Insgesamt 14 Spieler, darunter einige Leistungsträger, haben den Verein verlassen. Die Integration der Neuzugänge wird einige Zeit brauchen.

„Heute dürfen wir uns freuen. Morgen geht es weiter und mit Eintracht Braunschweig wartet der nächste interessante Gegner.“ so äußerte sich Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato.

Wie kann das Interesse der Berliner an ihrem Drittligisten geweckt werden? Die Tradition liegt in grauer Vorzeit und der Aufstieg kam wie Kai aus der Kiste. Die Sportstadt Berlin schien in keiner Weise vorbereitet zu sein. Es ist momentan alles eine Wundertüte, keiner weiß so recht, was am Ende rauskommen wird.