Dienstag, 30. Juni 2026
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Bericht der Caritas Italia zur Verarmung zeichnet ein deutliches Bild von der zunehmenden Zahl derer, die in Armut geraten, selbst wenn sie erwerbstätig sind

Italien.
Flaggen Italiens hängen aus Fenstern. Quelle: Pixabay

Berlin, BRD (Weltexpress). Nach einem Bericht der Caritas Italia steigt die „reelle Armut“ in Italien 2026 explosionsartig  weiter an. Die wirtschaftliche Notlage in unserem Land ist kein vorübergehendes oder akutes Phänomen mehr, sondern hat sich zu einer echten, langfristigen Krise entwickelt, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Armut in Italien“ des  Caritas-Netzwerks“. 2025 unterstützte das von Caritas eingerichtete Netzwerk 282.539 Menschen , eine Zahl, die der gleichen Anzahl von Haushalten entspricht, da sie auf häusliche Betreuung ausgerichtet ist. Dies ist der höchste Wert, der jemals in der Geschichte der Caritas verzeichnet wurde, mit einem Anstieg von 1,7 % im Vergleich zu 2024. 2015–2025  stieg die Zahl der Hilfesuchenden insgesamt um 48 %. Norditalien stand mit einem Rekordanstieg von 61,8 %  an der Spitze. Die Hilfsangebote von Caritas wurden von rund 12 % der italienischen Familien, die in absoluter Armut leben, in Anspruch genommen. Am stärksten betroffen waren Familien mit Minderjährigen, ältere Menschen und Alleinstehende. Die Armut in Italien verändert sich und verfestigt sich. Mehr als jeder vierte Leistungsempfänger (28,1 %) bezieht bereits seit mindestens fünf Jahren Unterstützung . Am stärksten betroffen sind die schutzbedürftigsten Bevölkerungsgruppen: Familien mit minderjährigen Kindern machen 52 % aller Leistungsempfänger aus (rund 147.000 Haushalte).

Der Bericht hebt die fortschreitende Alterung der Bevölkerung hervor: Mittlerweile machen die über 65-Jährigen 15,4 % der Pflegebedürftigen aus; vor zehn Jahren waren es noch die Hälfte (7,7 %). Hinzu kommt die Einsamkeit. Fast jeder dritte Pflegebedürftige lebt allein, ein Faktor, der laut Caritas die soziale Isolation noch verstärkt. Auch die prekäre Beschäftigungslage explodiert: Nur noch 24 % haben einen Job. Betrachtet man die Altersgruppen, wird die Lage noch dramatischer: Bei den 35- bis 44-Jährigen steigt der Anteil der Erwerbstätigen mit niedrigem Einkommen auf 31,7 %, in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen liegt er bei 31 %. Selbst ein Arbeitsvertrag allein garantiert kein menschenwürdiges Leben mehr. 55,6 % der Unterstützten leiden unter mindestens zwei Bedarfsbereichen, wie z. B. Wohnen und Gesundheit, während 30,6 % drei oder mehr haben. Wohnraum ist zu einem zentralen Risikofaktor geworden. 34,9 % der Leistungsempfänger leiden unter Wohnungsnot, gegenüber 33 % im Jahr 2024. 23,1 % leben unter Bedingungen akuter Wohnungsbenachteiligung, d. h. sie sind obdachlos oder in Notunterkünften untergebracht, während 11,8 % sich Miete, Nebenkosten und Haushaltsausgaben nicht leisten können. Hinzu kommt die gesundheitliche Anfälligkeit, von der 16,1 % der Menschen betroffen sind. Caritas-Direktor Don Marco Pagniello kommentierte den Bericht: „Es ist an der Zeit, das Thema Mindestlohn anzugehen. Die Niedriglohnarbeit – so seine Ansicht – zerstört die Träume junger Menschen.“ Hinzu komme „dass das  größte Elend unseres Landes die niedrige Geburtenrate“ sei.

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