Alte Petze! – Eric Brevig lässt Zeichentrickheld „Yogi Bär“ im 3D-Kino los

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„Wir haben das oft genug durchgekaut: Bären sollten sich vom Menschen fernhalten.“ Der sprechende Braunbär Yogi kümmert sich allerdings wenig um die Ermahnungen des „Yellystone Park“-Rangers Smith (Tom Cavanagh). Mit Vorliebe kaut der mit Hut und Krawatte ausstaffierte Vierbeiner dafür den Inhalt der Picknickkörbe durch, die Besucher des Nationalparks mitbringen. Da dem bankrotten Naturpark die Schließung durch den raffgierigen Bürgermeister Brown (Andrew Daly) droht, haben Smith und sein Stellvertreter Jones (T. J. Miller) andere Sorgen als Yogi und seinen kleinen Bärenkumpan Boo Boo (Justin Timberlake). Als die Dokumentarfilmerin Rachel (Anna Faris) ein Fest zur Hundertjahrfeier im Yellystone Park vorschlägt, sieht Yogi Bär seine Chance für einen großen Auftritt vor Publikum gekommen.

Nicht nur zum Schrecken von Smith, sondern der Kinozuschauer, die seine dümmlichen Streiche erdulden müssen. Wenn ich eine Zeichentrickfigur, die früher nur den Kopf drehen und herum trippeln konnte wie verrückt über die Leinwand toben lassen, werden die Zuschauer schon ausflippen vor Begeisterung, dachte sich Regisseur Brevig offenbar. „Wenn wir kein Geld mit dem machen können, was wir verkaufen können, können wir vielleicht welches mit dem machen, was wir nicht verkaufen können.“, sinniert Bürgermeister Brown. Ähnlich absurd dachten augenscheinlich die Produzenten. Physisch ist der dreidimensionale Yogi zwar agiler als sein Zeichentrickpendant, komödiantisch hingegen ist er der spießige Biederbär aus den Fünfzigern geblieben.

Gegenüber dem ermüdend harmlosen Yogi wirkt Micky Maus wie ein Anarchist. Seinen Mangel an Komik versucht Yogi durch Hyperaktivität auszugleichen. Außerdem sei so ein pausenlos plappernder Bär etwas wirklich Besonderes, erinnert Rachel. Da kennt die Naturfilmerin die Zeichentrickwelt schlecht. Winnie the Pooh, Paddington, die Bärenbrüder sind nur einige von Yogis sprechenden Artgenossen. “Es gab eine Beschwerde. Ein Bär hat ein Familienpicknick gestört.“ Vermutlich wird der Satz demnächst öfter im Kino zu hören sein. Nicht nur in dem Kinderfilm, wo sie der Ranger Freund von „Yogi Bär“ äußert, sondern an der Kinokasse. Das Multiplex-Kino hat den öffentlichen Park als Picknickort abgelöst. Stadtparks gleichen heute im Sommer eher Großküchen, wo auf unzähligen Mini-Grillen Sis Kebap und Köfte brutzeln während Gemüseplatten arrangiert werden. Womöglich genierten sich weniger versierte Picknicker daneben für Klappbrote und hart gekochten Eier. Dafür speist man im Kinosaal in Käsesoße ertränkte Nachos, Popcorn und Donuts oder wartet auf den Eisverkäufer. Dass „Yogi Bär“ heute im Massenkino auf Beutefang geht, hat somit eine gewisse Logik.

Traditionell wurde das Picknick übrigens als Rast im Freien nach erfolgreicher Jagd abgehalten. Die albernen Slapstick-Einlagen wecken zwar kein Lachen, dafür die Lust die gute, alte Sitte wieder aufleben zu lassen und sich endlich einen kuscheligen Vorleger vor den Kamin zu legen. Besonders erfolgreich scheinen Smith und sein Stellvertreter Jones im – so Ranger Jones – „Bewahren und Beschützen“ der Natur nicht zu sein. Außer Yogi und Boo Boo lässt sich kaum ein Tier in „Yellystone“ blicken. Nicht verwunderlich in einem Naturschutzgebiet, dessen Ranger Besucheraktivitäten wie „Eichhörnchen fangen“ vorschlägt („Schnappt euch die Nager, Leute!“). Die dicken Brummer lassen sich dafür umso öfter sehen. Vermutlich haben ihre geistlosen Blödeleien die tierischen Parkgenossen die Flucht ergreifen lassen. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das gilt auch für (Meister) Petze.

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Titel: Yogi Bär 3D

Land/ Jahr: USA 2010

Genre: Animationsfilm

Kinostart: 23. Dezember 2010

Regie: Eric Brevig

Drehbuch: Jeffrey Ventimillia, Brad Copeland, Joshua Sternin

Darsteller: Dan Achroyd, Justin Timberlake, Anna Faris, Tom Cavanagh, T. J. Miller, Andrew Daly, Nate Corddry

Kamera: Peter James

Musik: John Debney

Schnitt: Kent Beyda

Laufzeit: 80 Minuten

Verleih: Warner Bros.

www.warnerbros.de

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