Abwechslungsreicher Herbst im Ostallgäu

Abendstimmung bei Schwangau. © Foto: Rainer Hamberger

Das 460 Meter lange Gemeinschaftsprojekt Deutschlands/Österreichs misst eine Höhe von 21 Metern, eine Durchgangsweite von 1,80 Metern und ist weitgehend barrierefrei. Die interessante und elegante Konstruktion besteht hauptsächlich aus Holz und ist eine weitere Attraktivität des Walderlebniszentrum Ziegelwies am einstigen Grenzübergang Österreichs.

Kinderlachen ist von unten zu hören. Auf dem Auwaldpfad ist noch einiges los. Der führt entlang des Lechs. An einem Seitenarm können Kinder, natürlich auch Erwachsene, auf abenteuerliche Art den Fluss überqueren. Als Fährmann hangelt man sich per Floß über das Wasser. Das Ziehen am Seil erfordert schon gewisse Muskelkraft. Der Bergwaldpfad sorgt mit einem besonderen Spielplatz für Abwechslung.

In der ständigen Ausstellung des Wald Erlebnis Zentrums erfährt man alles über den Wald und den wertvollen Rohstoff Holz. Im Bienenhaus, sicher hinter Glas, herrscht emsiges Treiben. Wo kann man schon so gefahrlos Einblick in die Welt dieser fleißigen Tiere gewinnen? Zahlreiche Veranstaltungen sind genau auf Familien abgestimmt. Dazu gehören Barfußlaufen durch die Natur, eine Nachtwanderung für Frauen mit der Jägerin Frau Rodenkirchen oder Herstellen einer eigenen Sitzbank. Eine Bank aus dem selbst gefällten Baum und zu Brettern verarbeitetem Holz ist schon etwas Besonderes.

Schlösser, Lauten und viel Gemütlichkeit

Abendstimmung bei Schwangau. © Foto: Rainer HambergerFüssen, weltbekannt für seine Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, liegt nur wenige Kilometer von dem ehemaligen Grenzübergang Ziegelwies entfernt.

Noch stehen Busse aus verschiedenen Ländern auf dem Parkplatz. Mit dem Auto findet man jetzt im Herbst schneller eine Lücke als in der sommerlichen Hochsaison. Doch schon ein paar Schritte weiter wird es ganz ruhig. Unter uns schimmert der Alpsee blaugrün zwischen den sich inzwischen schon gelb färbenden Blättern. Ein schmaler Pfad führt am Ufer entlang. Mal hoch oben, mal fast auf gleicher Höhe mit dem Wasser. Enten jagen sich schnatternd über den See. Hin und wieder ein Schwan, der am Uferrand nach Nahrung taucht.

Die Bank auf der Landzunge lädt zur Rast ein. Von hier aus bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die beiden Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Ein Gedenkstein erinnert an Königinmutter Marie Sophie von Preußen. Sie war für die damalige Zeit eine außerordentliche Frau. Gemeinsam mit ihrem Sohn Ludwig reaktivierte sie den bayrischen Frauenverein, der sich der Pflege und Unterstützung im Felde verwundeter Soldaten annahm. Diese Einrichtung des Bayrischen Roten Kreuzes nahm ihren Anfang im Dezember 1869.

Schloss Hohenschwangau. © Foto: Rainer HambergerKronprinzessin Marie, eine begeisterte Bergsteigerin ließ sich eigens für ihr Freizeitvergnügen geeignete Kleidung anfertigen. Sie selbst bestieg nicht nur oft den Säuling bei Hohenschwangau, sondern unter anderem auch 1854 den 2713 Meter hohen Watzmann.

Ihr ehrgeiziges Ziel als erste Frau die Zugspitze zu erklimmen wurde durch ein Verbot ihres Ehegemahls Max gebremst. Er fand dies „unziemlich für eine Königin“. Erst viele Jahre nach seinem Tod verwirklichte sie sich ihren Traum.

Man erzählt sich, dass sie während des Baus der Brücke über die Marienschlucht, diese über ein provisorisches Brett überquerte, um sich von dem Baufortschritt ein Bild zu machen.

Marie starb 1889 auf Hohenschwangau und wurde in einer Seitenkapelle der Theatinerkirche gegenüber ihrem Gemahl König Maximilian II. beigesetzt. Ihr Herz befindet sich jedoch in der Gnadenkapelle von Altötting.

Angelvergnügen am Alpsee. © Foto: Rainer HambergerDer Alpsee ist nur einer von vielen kleinen Seen eingebettet in die Voralpenlandschaft rund um Füssen. Befindet man sich schon im Herzen dieser heimeligen Kleinstadt, sollte man zwei Treffpunkte Einheimischer und „Reingschneiter“ nicht auslassen. Am Schrannenplatz hat vor 10 Jahren die Markthalle eröffnet, die zu einem beliebten Treffpunkt für Jedermann wurde. Ob Spezialitäten aus aller Welt oder Bergkäse von der Alm, das Angebot ist äußerst vielseitig. Gekocht wird hier international. Gleich um die Ecke in der Schrannengasse findet man die Geigenbauerwerkstadt von Pierre Chaubert. Füssen war schon über Jahrhunderte Zentrum des Lauten- und Geigenbaus. Bereits 1562 wurde hier die erste Lautenmacherzunft Europas gegründet.

Warum gerade in Füssen? Die Stadt verfügte über den für diesen Instrumentenbau notwendigen Rohstoff. In den Bergwäldern Nordtirols wuchsen Fichten, Ahornbäume und Eiben in großer Zahl. Ausschlaggebend war auch die Verkehrslage an der einstigen Römerstraße Via Claudia Augusta, die bis in die Neuzeit die Handelszentren Augsburg und Venedig verband. Teile davon sind heute noch „begehbar“, wenn während des Winters das Wasser aus dem Forggensee abgelassen wird. Der Lech als Donauzufluss führte die Händler per Floß oder Schiff bis Wien und nach Budapest.

Stadtansicht von Füssen. © Füssen TourismusÜber ein Gebäude kann man einfach nicht hinwegsehen. Im „Lila Haus“, das nicht allein wegen seiner Farbe schon ins Auge sticht, gibt es Genuss mit Pfiff. Hier isst man nicht nur vorzüglich in der mit Antiquitäten ausgestatteten Gaststube, man findet gleichzeitig Anregungen für Souvenirs: vom Filzhut bis zum Hirschkuss, ein Likör hergestellt nach Spezialrezeptur.

Die Sonne steht schon tief am Horizont. Eingepackt in warme Decken lassen wir uns mit Pferdestärke durch die abendliche Landschaft kutschieren. Die Schlösser stehen schon im Scheinwerferlicht: grau und fast gespenstisch Neuschwanstein, in warmes gelbes Licht getaucht Hohenschwangau. Auch Füssens Stadtschloss erstrahlt in hellem Licht. Noch ist es warm genug für einen Stadtbummel, der mit Sicherheit in einem der gemütlichen Restaurants ein Ende findet.

Infos

Mehr zu erfahren über das Wald Erlebnis Zentrum, Tiroler Str. 10,  87629 Füssen/Ziegelwies, unter www.walderlebniszentrum.eu

Informationen zu den Schlössern und zur Stadt selbst unter www.fuessen.de.

Stadtnahe Unterkunft: Die historische Villa Toscana, im April 2012 wieder eröffnet,  ist inmitten einem wunderschönen Park nahe der Altstadt von Füssen gelegen und nur wenige Autominuten von den weltberühmten Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau entfernt. Zu buchen unter www.villa-toscana-fuessen.de

Literaturhinweis: soeben erschienen im Kunth Verlag ist „Das große Autowanderbuch Deutschland – Die schönsten Touren durch Deutschland. Mit Wander-, Radwander- und Freizeittipps“; ISBN 978-3-89944-970-9; 360 Seiten; (D) € 16,95; www.kunth-verlag.de

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