Vom Marburger zum Weltbürger – Ein begabter Student wird zum Rebell – Serie: Auf den Spuren des jungen Schiller zum 250. Geburtstag (Teil 3/3)

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Das Schloss Solitude oberhalb von Stuttgart, Außenansicht.

Das Schloss lag einsam auf der Höhe über Stuttgart, es war vor allem im Winter sehr kalt, und darum war Friedrich Schiller, das „von“ kam später, sehr häufig krank. Das sollte sich im Laufe der Jahre immer weiter verschlimmern. Trotzdem arbeitete Schiller an seinen Stücken, Dramen und Gedichten, die bis heute an Aktualität nichts verloren haben: Schiller als Kämpfer für die Freiheit, Monsieur Schiller als Bürger der französischen Republik, Schiller, der an den langwierigen Freiheitskampf der Niederlande gegen Spanien erinnerte. So stand er der französischen Revolution anfangs wohlwollend gegenüber, doch als diese Revolution in eine freiheits- und menschenverachtende Schreckensherrschaft umschlug, verachtete er die Massenhinrichtungen des Terrors im sich „revolutionär“ nennenden Frankreich.

Bei allen historischen Stoffen ging es Schiller um das Schicksal des Menschen, des einzelnen Menschen, in dem sich die Existenz der Menschheit spiegelt. Sein Glaube an die moralische Kraft des Menschen und an die Einheit des Wahren und Schönen machten ihn zur klassischen Figur des Idealismus. Wenn jetzt in diesem Jahr in Baden-Württemberg den Spuren des jungen Schiller nachgegangen wird, wenn in diesem Jahr seines 250. Geburtstages gedacht wird, so ist das Ziel, den großen Dichter und Denker Schiller einer breiten Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Da hat sich dieses Bundesland und da haben sich die Orte, in den Schiller gelebt hat, viel Interessantes und Neues ausgedacht, bis hin zum „Schillerwein“. Denn im Schillerjahr 2005, das seines 200sten Todestages gedachte, wurden die Organisatoren bitter enttäuscht, dass die Medien dieses Schillerjahr meist nur biografisch aufgearbeitet hatten, Informationen, die ohnehin in vielen Lexika nachzulesen sind und heute auch im Internet. Dabei wurde auch deutlich, dass nicht zuletzt auch aufgrund mangelnder Schulbildung die Originale, – seine Stücke „Kabale und Liebe“, „Die Jungfrau von Orléans“, „Die Verschwörung des Fiesco von Genua“, „Don Carlos“ und so viele mehr, die heute auch als Opernlibretti bekannt sind, seine philosophischen Schriften wie „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ oder „Über naive und sentimentalische Dichtung“, aber auch die geschichtlichen Werke wie die „Geschichte des dreißigjährigen Krieges“ nicht mehr bekannt genug waren und auch nicht seine Lyrik oder die Balladen, von denen viele Passagen in den deutschen Sprachschatz eingegangen sind. Da hieß es, dass der Typus des Bildungsbürgers, der seinen Schiller intus hat, beim Theaterpublikum und der Leserschaft heutzutage nicht mehr vorausgesetzt werden kann.

Darum will man gerade die Spuren des jungen Schiller in Baden-Württemberg fühlbar machen für die Besucher und die interessierten Bürger, die mit allen Sinnen in das Jahrhundert des Friedrich Schiller und seine Lebenswelt eintauchen sollen. Denn die Zeit der Aufklärung brachte revolutionäre Umbrüche und Erneuerungen mit sich, wofür auch Schiller mit seinen Werken steht. Die Abkehr vom Absolutismus und der Aufstieg des Bürgertums veränderten das Leben in den Jahren zwischen 1700 und 1800 radikal. Die Unterschiede zwischen Prunk und Elend, zwischen harter und oft unmenschlicher Arbeitsverhältnisse und rauschenden Festen der höheren Gesellschaft, zwischen Hütten und Palästen, prägten die Gesellschaft und auch die Werke von Friedrich von Schiller, was bei der Spurensuche des jungen Schiller in Baden-Württemberg beginnt und dann in Weimar mit Goethe seinen Höhepunkt findet.

Die Spurensuche mit ihren zahlreichen und wechselhaften Veranstaltungen macht den Dichter zum „Mitmenschen“ und holt ihn quasi in die Gegenwart her, weil er nur einem Teil der deutschen Bildungseliten als historische Figur immer noch sehr nahe geblieben ist. Doch er soll für alle nicht vergessen werden, denn die menschlichen Geschehen in seinen „alten“ Texten decken sich mit unseren Erfahrungen heute. Die Aktualität dieser Stücke beinhalten Fragen, deren Antworten uns immer noch beschäftigen, und Träume, die bis heute auf ihre Erfüllung warten. Es geht es um Gewalt und Frieden, um Macht und Ohnmacht, Mensch und Gott, um die Frau, um Liebe und Hass, um Staat und Individuum und um die Fragen um Leben und Tod.

Und noch einmal zurück zu Marbach, wo Schiller geboren wurde: Hier heißt es im Schillerjahr 2009 „Schillerjahr verpflichtet“. Mit der Vorbereitung auf dieses Schillerjahr war eine bemerkenswerte Schillerbegeisterung zu spüren: Stadtverwaltung, Bürger und Institutionen haben ein großartiges Jubiläumsprogramm geschaffen mit hochkarätigen Gastspielen. Kirchen, Schulen, Vereine und Bürger organisierten und koordinierten Veranstaltungen. Eine Stadt feiert ihren großen Sohn!

Internet:

www.schiller-bw.de

www.schillerjahr2009.de

www.marbach.de

www.tourismus-bw.de

www.schillertage.de

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