Wie gewonnen, so zerronnen – Frauke Petry verlässt die AfD, Marcus Pretzell folgt

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Das Brandenburger Tor in Berlin.
Das Brandenburger Tor in Berlin. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Wer den Titel liest, der möge sich die Worte von Johann Wolfgang Goethe in Erinnerung rufen, der in „Reineke Fuchs“ formulierte: „Nun klagt Wackerlos, wie er ein Würstchen im Winter verloren / Hinter der Hecke; das sollt er nur lieber im stillen verschmerzen, / Denn wir hören es ja, sie war gestohlen; zerronnen / Wie gewonnen; und wer kann meinem Oheim verargen, / Daß er gestohlenes Gut dem Diebe genommen?“

Chapeau? Danke. Doch ein blaues Auge für die sich selbst Blaue nennenden Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD), die weniger Farbenblinde als vielmehr Faschismustheoriefremde geistlos als Braune beleidigen, ist nicht genug. Die Zugabe gebührt Karl Marx, der in „Der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon“ notierte: „So antwortet auf den coup de main vom Februar 1848 der coup de tete vom Dezember 1851. Wie gewonnen, so zerronnen.“

Hut ab vor dieser bravourösen Bemerkung.

Und eingedenk dessen hin zu Frauke Petry, der neuen Ex-Co-Parteivorsitzenden der AfD und bisherigen Vorsitzenden der AfD Sachsen, die gestern ihre Fraktionslosigkeit im Reichstag während einer zum Eklat inszenierten Verlautbarung in der Bundespressekonferenz in Berlin und heute in Dresden ihren Parteiaustritt, der „erfolgen wird“, verkündete. Zudem äußerte Petry, auch den Fraktionsvorsitz im Sächsischen Landtag aufgeben zu werden.

Ihr Mann und Mitstreiter Marcus Pretzell solle laut AfD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen (NRW), die ihn zum Vorsitzenden wählte, nachfolgen. Jedenfalls scheint die AfD-Fraktion in NRW Pretzells Parteiaustritt hinauszuposaunen. Ob die Petry oder die Partei den Pretzell wie in Goethes Fischer-Ballade „halb zog“ oder er „halb sank“, das ist egal. Das Ergebnis zählt und lautet für Erbsenzähler: zwei weniger.

Wer so denkt, der ist vom Ruf „Einer geht noch raus!“ nicht weit entfernt. Doch was wäre damit gewonnen, wenn noch eine Handvoll oder ein Dutzend weitere Abgeordnete der AfD den Rücken kehren, die Partei und die Fraktion im Handstreich verlassen würden? Wenig Wesentliches. Die Sache selbst – egal wie sie erscheint – wäre nicht erledigt.

Der Abgang von Petry und Pretzell ändert keinen Deut daran, dass die AfD nicht die NSDAP ist, auch wenn Auftritte so wirken, als würden sich Mitglieder in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die öffentlich am 24. Februar 1920 im Münchner Hofbräuhaus durch Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei aus dem Hut gezogen wurde, wohl fühlen.

Der Faschismusvorwurf gegenüber dieser AfD

Wer den Faschismusvorwurf gegenüber der AfD erhebt, der macht es sich nicht nur nicht zu leicht, der präsentiert sich vor allem als intellektuelles Leichtgewicht, dem die nicht auf den Begriff gebrachten Argumente für die bodenlose Behauptung entschweben wie die Spirits der parapsychologischen Versuchsanordnung.

Der Marktfundamentalismus der Bourgeoisie dieser Berliner Republik

Die auf der Stelle tretende Linke (sieht aus, als hätte sie Probleme mit der Prostata) sollte sich weniger an der AfD unter Gauland, Weidel und Meu­then abarbeiten als vielmehr die auf Lucke-AfD machende FDP angreifen. In keiner anderen Partei findet der Marktfundamentalismus der Bourgeoisie dieser Berliner Republik derzeit eine bessere parlamentarische Entsprechung. Wenn schon antikapitalistische Reden in den Quasselbuden des Kapitals schwingen, denn schon an die richtige Adresse richten, und nicht wie ein dummer Hund Faschismus wittern, wo keiner ist. Leider liegt die Linkspartei längst an der langen Leine der Antideutschen. Von alleine kommen die da nicht mehr los.

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