Spritpreise, ein Ärgernis für die Verbraucher – Über die Ursachen der dauerhaften Preissteigerungen

Erdöl ist ein endlicher Rohstoff, der mit immer höherem technischem und finanziellem Aufwand in großen Mengen gefördert werden muß. Die Förderung, aber auch alle weiteren Glieder der Wertschöpfungskette liegen hauptsächlich in der Hand von großen Oligopolen, welche die Preisgestaltung wesentlich bestimmen können.

Kriege und unsichere politische Verhältnisse in den Förderregionen destabilisieren die Sicherheit von Förderung und Transport. Ebenso ist Erdöl ein Handelsgut von Spekulanten.

Hinzu kommen besondere Gründe, wie die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem jüngsten Monatsbericht feststellt, welche die Treibstoffpreise im Zeitraum von 2008 (Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise) bis jetzt, 2012, in die Höhe getrieben haben. Die EZB-Analysten machen spezifisch drei Gründe für den enormen Preisanstieg während der genannten vier Jahre aus:

1. Der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar, der die Zahlungs- und Leitwährung für den Handel mit Erdöl darstellt, ist relativ ungünstig. War 2008 der Euro noch 1,58 Dollar wert, so liegt das Verhältnis aktuell bei 1,28 Dollar pro Euro. Auch wenn der Rohölpreis 2008 bei 134 Dollar je Barrel (159 Liter) lag und heute bei knapp 110 Dollar, ist die Wertrelation der Währungen zueinander für den Euro wesentlich ungünstiger geworden. (Damals lag der Literpreis für Benzin bei 1,46 Euro, heute liegt er rund neun Prozent höher.) Als Ursache wird seitens der EZB die Schuldenkrise angegeben, die den Euro geschwächt habe.

2. Als zweiter besonderer Grund für die Explosion der Tankstellenpreise wird der Anstieg der Raffineriekosten genannt. Die werden dem Endverbraucher aufgelastet und machen für den besagten Zeitraum von 2008 bis heute ein Mehr von gut zwölf Cent je Liter aus und damit die Hälfte der Preiserhöhung.

3. Zum dritten wird für den enormen Preisanstieg die Erhöhung von Steuern konstatiert. Mit Beginn des Jahres 2008 wurden diverse Steuern erhöht, um die Haushaltskonsolidierung zu betreiben. Insbesondere die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die bei Erhöhung des Erdölpreises für die Mineralölkonzerne relevant wird, wurde auf die Endverbraucher von Benzin und Diesel abgewälzt.

Was bleibt? Durch sparsames Fahren und den Vergleich der Preise an den Zapfsäulen können die Autofahrer den Verbrauch drosseln und die Nachfrage von teuren Tankstellen reduzieren; eine öffentliche Preiskontrolle kann Ausreißer nach oben einfangen; die Vermeidung von Kriegen und zivile Konfliktregulierung stabilisiert die Erdölförderung; die Entwicklung schonender Energiegewinnung und alternativer Antriebe löst die Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“; und die Eindämmung der Spekulation verhindert stetige Preissprünge.

Eine Wende lohnt sich – für Alle.

kb

Vorheriger ArtikelDer Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost Titanium oder Drei Zylinder für die Kompaktklasse
Nächster ArtikelEisflitzer nehmen Kurs auf Sotschi – Und Erfolgstrainer Stephan Gneupel vertraut weiter auf manuelle Zeittafeln