Ein Golf mit Elektroantrieb ist ein Golf Blue-e-motion

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Optisch ist der Golf Blue-E-Motion ein normaler Golf, in diesem Fall: ein weißer Golf mit der Aufschrift „blue-e-motion“.

Noch ist der Golf blue-e-motion ein Technologieträger. Doch in spätestens drei Jahren wird nach Angaben von VW die Elektroversion des meistverkauften Autos der Welt zu kaufen sein. Zu welchem Preis, liegt im Bereich der Spekulationen. Auch Neumann und seine Mannschaft wissen, dass selbst ökobewusste Kunden nicht bereit sein werden, astronomische Aufpreise für das emissionsfreie Autofahren zu zahlen. Die große Unbekannte bleibt der Energiespeicher, in diesem Fall ist es die Lithium-Ionen-Batterie. Im Golf wiegt der Akku, der die gesamte Bodengruppe ausfüllt, stolze 315 Kilogramm. Bei einer Kapazität von 26,5 kWh. Kosten: mindestens 20 000 Euro. Kritiker bezweifeln, dass die Batteriehersteller in der Lage sind, in den nächsten Jahren den Preis der Zellen massiv zu senken.

Doch unabhängig davon will VW mit dem E-Golf zunächst seine Kompetenz auf dem Gebiet der elektrischen Antriebstechnik demonstrieren. Und wer die Wolfsburger Autobauer kennt, respektive deren Chef Martin Winterkorn, weiß um dessen Anspruch an Qualität. Dies zeigte sich – einmal mehr – nach einigen Testkilometern, die wir mit dem blue-e-motion-Golf unterwegs sein konnten. Der Wolfsburger Stromer erreicht eine Perfektion, die schon fast beängstigend ist. 115 PS (85 kW) und 270 Newtonmeter Drehmoment beschleunigen den 1,5 Tonnen schweren Golf nicht nur in 11,8 Sekunden von Null auf 100 km/h, sondern erledigen dies auch mit einer unglaublichen Geschmeidigkeit. Das oft genannte Vorurteil, Elektroautos würden angeblich keinen Fahrspaß machen und frei von Emotionen sein, widerlegt dieser Golf par excellence. Auch das mitunter unschöne Surren und Singen anderer E-Mobile, das hauptsächlich beim Beschleunigen und im Schubbetrieb auftritt und ähnlich einer S-Bahn klingt, ist dem blue-e-motion-Golf fremd. Fast lautlos rauscht er über den Asphalt und gibt einem das Gefühl, zehn Jahre in der Zukunft zu fahren.

Im Cockpit hat VW nur wenig verändert. Wo sonst der Drehzahlmesser sitzt, zeigt nun ein Rundinstrument die Leistungsabgabe (0-85 kW) des E-Motors an. Fällt die Nadel unter Null, bedeutet dies, dass Strom gewonnen und dieser in die Batterie gespeist wird (Rekuperation). Das passiert immer dann, sobald der Fahrer vom „Gas“ geht oder bremst. Wie stark die Energierückgewinnung im Schubbetrieb ist, kann der Fahrer selbst bestimmen – über Schaltwippen am Lenkrad. In Stufe drei verzögert der Wagen ähnlich stark wie sein Pendant mit Verbrennungsmotor und eingelegtem Gang. So fließt am meisten Strom in den Akku. In Stufe null erfolgt keine Rekuperation. Der Golf „segelt“, wie Karl-Thomas Neuman sagt und verspricht eine Reichweite von insgesamt 150 Kilometern – unter Idealbedingungen. Sind Klimaanlage oder Heizung eingeschaltet, geht der Lithium-Ionen-Batterie schon nach knapp über 100 Kilometern der Saft aus. Doch selbst diese Strecke würde für den Großteil der Autofahrer locker den täglichen Mobilitätsbedarf decken. Die meisten legen pro Tag nicht einmal 50 Kilometer zurück.

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