Chelsea Manning aus Haft entlassen, weitere Whistleblower warten auf Freilassung

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Manning-Protest in Frankfurt am Main am 21. Januar 2012. © Copyright: Bradley Manning Support Network

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Am Mittwoch kam Chelsea Manning, die früher Bradley Manning hieß, aus dem Militärgefängnis in Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas frei. Manning war politische Gefangene der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Sie befand sich fast sieben Jahren US-amerikanischer Militärhaft.

Trotz der frühzeitigen Haftentlassung bleibt das Urteil, das 35 Jahre Gefängnis vorsieht, bestehen. Obama erließ die Reststrafe am Ende seiner Amtszeit. Das basierte auf einem „Spionagesetz aus dem Jahr 1917“, worauf Reporter ohne Grenzen (ROG) in einer Pressemitteilung vom 16.05.2017 hinweist. ROG spricht davon, dass „die Regierung unter Barack Obama einen Feldzug gegen Whistleblower wie Manning geführt“ habe, und befürchten, dass sich der Trend, Whistblower als Verräter in Gefängnisse zu stecken, aufgrund „medienfeindlichen Äußerungen seines Nachfolgers Donald Trump … verstärken könnte“. Trump soll Manning im Januar 2017 als „Verräterin“ bezeichnet haben, „die im Gefängnis bleiben sollte“.

Sevim Dagdelen (Die Linke) erklärte: „Nicht die Whistleblowerin gehörte ins Gefängnis, weil sie Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak und in Afghanistan enthüllt hat, sondern diejenigen, die diese Kriegsverbrechen begangen oder verantwortet haben.

Manning legte rund 700.000 Geheimdokumenten über Kriegsverbrechen der USA offen und schärfte laut Jürgen Heiser in „Junge Welt“ (18.05.2017) „den Blick der Weltöffentlichkeit auf die verheerenden Kriege in Irak und Afghanistan“.

Dagdelen teilte in einer Pressemitteilung vom 17.05.2017 weiter mit: „„Es ist ein Skandal, dass der Internationale Strafgerichtshof bis heute keine Ermittlungen gegen den früheren US-Präsidenten George W. Bush und den früheren britischen Premierminister Tony Blair aufgenommen und angesichts Hunderttausender Toter keine Anklage erhoben hat. Basierend auf dreisten Lügen über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak wurde eine völkerrechtswidrige Aggression gestartet und ein ganzes Land zerstört. Aus den Trümmern ist die Terrorgruppe ‚Islamischer Staat‘ erwachsen. Die Achtung vor dem Recht gebietet es, dass die dafür Verantwortlichen endlich einer gerechten Strafe zugeführt werden.“

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