Bachhaus Eisenach: „Luther und [Bachs] Musik“ – Einmalige Sonderausstellung noch bis zum 11. November 2012

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Der Chef des Bachhauses Dr. Jí¶rg Hansen. © WELTEXPRESS, Foto: HS
Eisenach (Weltexpress) - Luthers Beitrag zur Musikgeschichte: Kein anderer Reformer setzte so konsequent auf die Macht der Musik zur Propagierung seiner Lehre und zur Erneuerung des Gottesdienstes. Diese wohl einmalige Sonderausstellung widmet sich den musikalischen Leistungen Martin Luthers, den sein katholischer Intimfeind Johann Cochlaeus einst als „Orpheus im Mönchsgewand“ verspottete.

Hörbar gemacht werden im Eisenacher Bachhaus Luthers Liederfindungen in der Gestalt, die ihnen Johann Sebastian Bach gab.

Gemälde von Jost Heyder: „Der junge Luther als Mönch“ und „Bach ohne Perücke“

Die Sonderausstellung im Bachhaus „Luther und [Bachs] Musik“ zeigt zwei neue Bilder des Erfurter Malers Jost Heyder. Das Gemälde „Der junge Luther als Mönch“ malte der Künstler im Auftrag der Wartburg-Sparkasse Ende 2011. Das andere, „Die Inspiration des Johann Sebastian“, wurde jetzt, pünktlich zur Eröffnung der Sonderausstellung fertig.

Der Erfurter Maler Jost Heyder zählt zu den jüngeren Vertretern der sog. Leipziger Schule. Neben mythologischen Szenen und abstrakten Landschaften gehören – heute selten – auch Portraits zu seinen Sujets. 2011 begann er mit einem Zyklus von Thüringen besonders verbundenen Persönlichkeiten: So entstanden „Der junge Luther als Mönch“, ein Gemälde von Franz Liszt, und auch ein Portrait der Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.

Das neue Luther-Gemälde des Künstlers ist in der Sonderausstellung erstmals
öffentlich zu sehen. Von dem neuen Gemälde war man im Bachhaus begeistert: „Der Künstler lehnt sich an die frühen Luther-Portraits von Lucas Cranach und
Hans Baldung an, zeigt den jungen Reformator aber nachdenklich, versunken in ein Buch, vielleicht ist es die Bibel oder ein Psalm-Kommentar von Erasmus. Luther ist hier ganz befreit von der üblichen Patina aus nationalem Pathos und volkstümlicher Bärbeißigkeit. Das Gemälde passt perfekt zu unserer Ausstellung“, meint Bachhaus-Direktor Jörg Hansen.

Der Chef des Bachhauses Dr. Jörg Hansen. © WELTEXPRESS, Foto: HSDa sich die neue Ausstellung im Bachhaus nicht nur mit Luther, sondern auch mit Bach beschäftigt, beauftragte das Museum den Künstler zusätzlich mit einem Gemälde des Musikers. „Wir wollten Luther und Bach in der Ausstellung in eine auch visuelle künstlerische Beziehung setzen“, so Hansen, „Bach ist in einem privaten Moment der Inspiration eingefangen. Und er trägt keine Perücke.“

Im Mittelpunkt: Luthers Kirchenlieder

„Luthers Lieder haben mehr Seelen verdorben als seine Schriften und Reden“, konstatierte 1620 der Jesuit Adam Contzen. Einen zentralen Platz in der Ausstellung nehmen Luthers Kirchenlieder ein, die zunächst in Form von Flugblättern die Ideen der Reformation in alle Welt trugen. Luthers Verhältnis zur hergebrachten lateinischen Kirchenmusik wird ebenso beleuchtet wie die Frage, welche der Liedmelodien tatsächlich von Luther selbst stammen.

„Ich liebe die Musik!“ Das ist nicht nur ein ganz persönliches Bekenntnis Luthers, sondern auch seine Überschrift für ein geplantes Traktat zur Theologie der Musik, das Luther leider nur skizzierte und nicht vollendete.

Johann Sebastian Bach. Denkmal. © WELTEXPRESS, Foto: HSFür Luther war die Musik ein Gottesgeschenk, ja „nach Gottes Wort der höchste Schatz auf Erden“. Der Grund für Luthers Wertschätzung war die enge Verbindung, in der für ihn Wort und Musik standen: „Die Noten machen den Text lebendig“. Das Wort versteht der Verstand, das Lied verbindet das Wort mit dem Gefühl und lässt es so die Herzen erreichen. Die persönliche Musikliebe des Lautenspielers, begeisterten Sängers und gelegentlichen Motetten-Komponisten Luther ist natürlich ebenfalls ein Thema.

Das Gesangbuch ist die vielleicht schönste Erfindung der Reformation. Ausgestellt wird das erste deutsche Gesangbuch überhaupt, das Anfang 1524 gedruckte „Achtliederbuch“ (Leihgabe Landesbibliothek Coburg). Ihm schließt sich das „Erfurter Enchiridion“ an, das erste Thüringische Gesangbuch, das erst in einer Auflage von 1527 zu sehen sein wird (Staats- u. Universitätsbibliothek Dresden).

Bachmuseum Eisenach
Frauenplan 21, 99817 Eisenach
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: 7,50 Euro, erm. 6 Euro, Schüler/Studenten 4 Euro
Email: info@bachhaus.de, Website: www.bachhaus.de

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