Zur jüngeren Geschichte und garstigen Gegenwart der Leute im „Land des Lächelns“ – Annotation zum Buch „Thailand. Ein Länderporträt“ von Nicola Glass

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Nicola Glass: Thailand. Ein Länderporträt. © Ch. Links Verlag

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Mit dem Bumsbomber nach Bangkok, das war ein geflügelter Satz, den Sextouristen aus aller Welt, angefangen bei den Franzosen und US-Amerikanern bis hin zu Deutschen vor allem aus der Bundesrepublik Deutschland, der Schweizer Eidgenossenschaft und der Republik Österreich in trauter Runde raushauten. Dass Thailand sehr viel mehr bietet als nur „Ficki-Ficki schön lang“, das wissen selbst die Sextouristen, die vom Dritten Geschlecht der anderen schwärmen wie von den dritten Zähnen, die sie ihr Eigen nennen.

Dass Thailand mehr zu bieten hat als billigen Beischlaf, Sonne satt, beeindruckende Strände und besondere Kulturschätze, darauf weist Nicola Glass in ihrem Länderporträt „Thailand“ hin, das heute im von Christoph Links am 1. Dezember 1989 in Ost-Berlin gegründeten und im Januar 1990 notariell eingetragenen Ch. Links Verlag erschienen ist.

Glass soll laut Pressemitteilung des Verlages, der heute in der Kulturbrauerei seinen Sitz hat, von 2002 bis 20015 in Bangkok gelebt haben, um „als freie Südostasien-Korrespondentin für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Printmedien“ zu berichten. Südostasien sei immer noch der Schwerpunkt der 1967 geborenen und studierten Publizistin, Politologin und Indologin.

Kein Wunder, dass ihr Buch im Oktober 2015 beginnt, als sie nach „mehr als 13 Jahren Thailand“ Abschied nehmen muss, wo sie erstmals als „Rucksacktouristin“ landete. (S. 9) Dass Glass in der Zeit auch die dunklen Seiten im „Land des Lächelns“ kennenlernte, das glaubt man unbenommen, und auch, dass es bei den Leuten immer noch „gärt“, weil „die Ursachen der Krise“, die zu Straßenschlachten zwischen Rot- und Gelbhemden sowie zu Militärputschen führten, „ungelöst seien“. (S. 11)

Erstaunlich offen berichtet Glass darüber, dass sie es „nicht mehr länger akzeptieren“ mochte: „die Selbstzensur. Als politische Journalistin hätte ich mir weiterhin verkneifen müssen, zwei Dinge kritisch zu hinterfragen: die Rolle der konstitutionellen Monarchie sowie den Einfluss derer, die behaupten, das Königshaus zu lieben, doch daraus nur ihren Anspruch auf Pfründe und Privilegien ableiten.“ (S. 11)

Wohl wahr, aber warum sie „den größten Respekt gegenüber allen … Kollegen“ hegt, „die in Thailand geblieben sind und dort versuchen, dass bisschen, was an Meinungsfreiheit übrig geblieben ist, jeden Tag aufs Neue zu verteidigen“, das erschließt sich mir nicht. Zensur ist Zensur ist Zensur. Allerdings ist dieses Vorwort Grund genug, das ganze Buch zu lesen.

Bibliographische Angaben

Nicola Glass, Thailand, Ein Länderporträt, 192 Seiten, eine Karte, Klappenbroschur, Format: 12,5 x 20,5 cm, Ch. Links Verlag, Berlin, September 2018, ISBN: 978-3-96289-019-3, Preis: 18 EUR (D), 18,50 EUR (A)

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