Zu Fuß zurück zur Natur – Waldbaden in Bad Harzburg

Perspektiven des Baumwipfelpfades. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Bad Harzburg, Deutschland (Weltexpress). Der Nationalpark Harz eröffnet Naturfreunden eine Vielzahl neu zu entdeckender Betätigungsfelder.

Mit Geistern und Fabelwesen erschafft sich die Natur zuweilen ihre eigene Wirklichkeit. Ein Zusammentreffen mit diesen illustren Gestalten ist daher nicht von vornherein auszuschließen. Auch dort nicht, wo sie sich in unüberschaubarem Gelände der Entdeckung durch neugierige Blicke entziehen. Eine jener Landschaften, in denen man stets mit Überraschungen rechnen muss, ist der Harz. Seinen geheimnisvoll raunenden Wäldern und den von Nebelfetzen umhüllten Felskuppen gelingt es auch heute noch, dem unbefangenen Wanderer einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Den jährlichen Höhepunkt dieses schauerlichen Treibens bildet die Walpurgisnacht. Wenn der Teufel höchstpersönlich auf dem Brocken Hof hält und ihm eine Schar ausgelassener Hexen dabei in wildem Ritual zu Diensten ist. Jene wendigen Luftakrobatinnen, deren beschwerliche Anreise auf einem Besenstiel ihrer Begeisterung jedoch keinerlei Abbruch tut. Davon konnte sich einst Doktor Faust überzeugen, der sich in dubioser Begleitung zu diesem mitternächtlichen Spektakel hinauf wagte und dabei ungeahnt auch die höchsten Stufen der klassischen Literatur erklomm.

Sagen, Mythen und Legenden

Gott Krodo als Symbolträger. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Den großen Schatz Harzer Erzähltradition pflegt seit Jahrzehnten eine Ausstellungshalle auf dem Bad Harzburger Burgberg. Detailverliebt gelingt es hier in anschaulich gestalteten Schaukästen, die Welt der Harzer Sagen, Mythen und Legenden erneut ans Tageslicht zu befördern und dabei nicht zuletzt ein Stück der Harzer Volksseele freizulegen. So in der Geschichte vom Wilden Reiter, der in seiner Gier nach Jagdbeute alle Warnungen trotzig in den Wind schlug und den scharfen Hauern eines Keilers zum Opfer fiel. Nicht besser erging es all jenen, die der schönen Prinzessin Ilse lustvoll beim Bad im Freien zuschauten und zur Strafe in klobige Baumstümpfe verwandelt wurden.

Auch die Burgruine selbst birgt ihre Geheimnisse, die sie bis in die Gegenwart hinein offenbart. Seinerzeit erbaut von König Heinrich IV. als prächtige Trutzburg gegenüber den aufbegehrenden Sachsen, wurde sie bereits kurze Zeit später fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Erst vor wenigen Jahren, so Heimatforscher Horst Woick, fand man im Burgbrunnen den Zugang zu einem Fluchtstollen hinaus ins Freie. Nur einen Steinwurf entfernt findet sich heute das neu errichtete Standbild des antiken Gottes Krodo. Heute nahezu unbekannt, wurde er jedoch um die Zeitenwende von den römisch-germanischen Legionen verehrt als ein Sinnbild tiefer Naturverbundenheit.

Naturbetrachtung der anderen Art

Rabenklippe mit Blick auf Brocken. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Ausgestattet mit den Symbolen der vier Elemente, ist diese Statue daher nicht zufällig der Beginn eines „Besinnungsweges“ rund um den Gipfel des angrenzenden Sachenberges. Dieser Pfad gleicht einer Perlenkette mit acht Stationen, die zur meditativen Auseinandersetzung mit der Umwelt einladen. Dabei darf natürlich das „Himmelsloch“ nicht fehlen, eine von Baumwipfeln frei gehaltene Öffnung nach oben, die zur Auseinandersetzung mit einer oftmals verloren gegangenen Dimension einlädt.

Dagegen lenkt die Station „Brockenblick“ das Interesse zurück auf den Boden der Tatsachen, wie sie sich aus dem Klimawandel ergeben. Dabei zeigt sich in aller Klarheit, wie unbedacht es einst war, die einstige Natürlichkeit des Harzwaldes allein aus wirtschaftlichen Gründen in die Monotonie von Fichtenplantagen zu verwandeln. So gerät eine ehemals einträgliche Einnahmequelle offensichtlich in eine zerstörerische Sackgasse. Denn gegen anhaltende Dürre und vermehrungswütige Borkenkäfern ist offenbar noch kein Kraut gewachsen.

Umbau des Waldes

Harzburger Baumwipfelpfad. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Oder doch? Ein Hauch von Hoffnung liegt in dem Lösungsvorschlag von Wanderführer Horst, der mit den natürlichen Zusammenhängen des Harzwaldes bestens vertraut ist. Eine mögliche Lösung des Problems sieht er nicht bei einer hektischen Wiederaufforstung im alten Stil. Vielmehr schwebt ihm ein Umbau des Waldes vor, der auf resistentere Baumarten setzt. Ein Umbau, der dem Waldboden einen größeren Spielraum zugesteht, um sich ungestört in einen natürlichen Urwald zurück zu entwickeln.

Als Fantasie anregend erweist sich dabei der „Baumwipfelpfad“ am Fuß des Bugberges. Am Gebirgsrand des Nordharzes stellt er eine kleine Sensation dar. Denn sein Holzsteg führt in luftiger Höhe mitten durch die Baumwipfel eines Mischwaldes. So wird schnell deutlich, welchen natürlichen Reichtum ein Wald der anderen Art darstellt.

Harzer Kiepenfrau

Kiepenfrau auf dem Baumwipfelpfad. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

An einzelnen Haltepunkten macht Begleiterin Eva Ronkainen zudem deutlich, wie Natur und Kultur bei diesem Projekt zusammenwirken. An einer der Stationen erscheint eine grob geschnitzte Holzfigur. Sie erweist sich als die legendäre Harzer „Kiepenfrau“, wie sie einst die Rückseite der 50-Pfennig-Münze schmückte. Auf Knopfdruck berichtet sie aus ihrem anstrengenden Leben in hoher Armut, bei dem es oftmals kaum zum Überleben reichte.

So zeichnen ihre Ausführungen eine kurze Kulturgeschichte der Harzer Frauenarbeit. Diese bestand in ihrem Arbeitsalltag darin, mit Waren aus ihrer schwer bepackten Kiepe abgelegene Regionen im Harz-Hinterland zu versorgen und von dort handwerklich gefertigte Gegenstände in der Stadt zum Verkauf anzubieten. Oftmals stellte sie auf ihren langen Wegen sogar noch Strickwaren her, um die kalten Harzer Winter besser zu überstehen.

Welt der Luchse

Junger Luchs während der Fütterung. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Auch an den Rabenklippen kann die Stadt mit ihren Pfunden wuchern. Gleichen diese doch einem Abenteuer-Spielplatz ungestümer Riesen. Doch ist es nicht allein das mächtige Felsengewirr, das die Besucher anlockt. Vielmehr sind es die Luchse, von denen als neuem Wappentier der Stadt eine ungeahnte Anziehungskraft ausgeht. Dies zeigt sich besonders während der offiziellen Fütterungszeiten zweimal in der Woche.

Ohne Scheu nähern sich die eleganten Tiere der Fütterungsstelle, wo ihnen handliche Portionen von Wildfleisch durch eine Öffnung im Zaun des Geheges zugeworfen werden. Dabei fällt auf, wie umsichtig sich die Tiere dabei verhalten, wie auch Ole Anders als der Koordinator des Bad Harzburger Luchs-Projekts bestätigt. Noch vermag er sich kaum vorzustellen, was wohl geschehen würde, wenn eines Tages auch Wölfe Gefallen fänden an dieser geheimnisvollen Felslandschaft.

Galopprennen und Jungbrunnen

Konzentrierter Jockey vor dem Start. © 2019, Foto: Dr. Bernd Kregel

Wer es lebhafter mag als auf den zahlreichen Wanderpfaden, findet auf dem Rennplatz der Stadt spannende Unterhaltung. Denn alljährlich veranstaltet hier der Harzburger Rennverein ein Galopprennen, das manchen Besucher in ein wahres Renn- und Wettfieber versetzt. Immer neu bewundernswert ist es, wie die schlanken Jockeys ihre auf Höchstleistung getrimmten Pferde elegant zur Ziellinie leiten. Rennvereinspräsident Stephan Ahrens teilt natürlich diese Begeisterung. So verwundert es ihn nicht einen Augenblick, dass unter allen Sportarten der Rennsport in Deutschland zahlenmäßig schon an zweiter Stelle nach dem Fußball rangiert.

Bei allen Angeboten, gesund und fit zu bleiben, setzt die Stadt noch eins obendrauf. Sie bietet neben ihrem bewährten Sole-Thermalbad neuerdings einen Jungbrunnen, der allein durch die Freude an dem originellen Figurenensemble sogleich zu verjüngen scheint. Betörend zeigt sich beispielsweise eine Dame, die ihren Gesichtsspiegel fest in ihrer Hand hält, als wolle sie die Zeit daran hindern, zu schnell an ihr vorbei zu eilen. Und selbst Gott Krodo lässt es sich nicht nehmen, sich hier einer Verjüngungskur zu unterziehen, die ihm bei seinem Alter auch sicherlich gut zu Gesicht stünde. Oder wäre er nicht vielleicht besser beraten, es doch lieber mit dem Waldbaden zu versuchen?

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Waldbaden in Bad Harzburg von Dr. Bernd Kregel.

Reiseinformationen „Bad Harzburg“

Anreise: Gelegen am Nordrand des Harzes im Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, ist Bad Harzburg mit Bahn und PKW bequem zu erreichen.

Reisezeit: Bei grundsätzlich ganzjähriger Reisezeit lassen die Sommermonate jedoch die meisten Aktivitäten zu.

Attraktionen: Baumwipfelpfad Harz, Luchsprojekt Harz, Harzburger Rennverein.

Wohnen: Sonnenresort EttershausBraunschweiger HofSolehotel Tannenhof.

Essen und Trinken: Café Winuwuk, Waldgaststätte Rabenklippe, Restaurant und Café Sagenhaft Harz.

Auskunft: Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg GmbH, Nordhäuser Straße 4, 38667 Bad Harzburg, Telefon: 05322-75330, Fax: -23, E-Mail: info@bad-harzburg.de, Web: www.bad-harzburg.de

Unterstützungshinweis

Die Recherche wurde unterstützt von der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg GmbH und dem Sonnenresort Ettershaus.

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