WM-Qualifikation: Sportives Powerplay ohne Wert – DFB-Frauen feiern 13:0-Rekordsieg gegen Slowenien

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© DFB

Keine Spur von Chance

Mit einem auffallend hohem Spaßfaktor hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft auch ihr zweites Qualifikationsspiel für die WM 2015 in Kanada gewonnen. Im slowenischen Koper ließen die DFB-Frauen den Gastgeberinnen keine Spur von Chance und siegten in der Höhe verdient 13:0 (7:0). Celia Sasic (4., Foulelfmeter, 32., 66.), Anja Mittag (16., 20., 65), Leonie Maier (10.), Annike Krahn (19.), Simone Laudehr (43.), Fatmire Bajramaj (62.), Lena Goeßling (85., 87.) und Alexandra Popp (90.+3) trafen für den Europameister.

Bekenntnis zur Spitzenleistung

Bemüht waren auch die Gastgeberinnen, doch wie in jedem glaubwürdigen Arbeitszeugnis war das kritisches Plazet der Beobachter in Schulnoten: leider ungenügend. Der sichtbare Klassenunterschied zwischen beiden Teams wird wohl bei manchen TV-Zuschauern ein gewisses Stirnrunzeln ausgelöst haben, auf manchen Konsumenten maskulin geprägter TV-Sport Unterhaltung wird das Schützenfest eher als Anti-Werbung für Frauenfußball gewirkt haben. Es waren gerade zwei Tage vergangen, als der wiedergewählte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seiner Rede auf der DFB-Plenarsitzung in Nürnberg den Gewinn der Frauen-Europameisterschaft in Schweden in höchsten Tönen als ein Bekenntnis zur absoluten Spitzenleistung lobte.

Spielerisches Schützenfest

Niersbach fügte mit Recht hinzu, dass im Liga-Alltag noch viel zu tun bleibt auf dem Weg zu einer größeren Akzeptanz und besserer Resonanz. Wir meinen, dass solche "Spielereien" wie jetzt im Pflichtspiel der WM-Qualifikation kontraproduktiv für das Image des Frauenfußballs als Kampf- und Mannschaftssportart gewesen sind. Ein solches Schützenfest hat weder der deutschen noch der slowenischen Seite einen Nutzen gebracht. Der festgelegte Qualifikationsmodus sollte in Zukunft dringend reformiert werden. Vielleicht könnten UEFA und FIFA gemeinsam wieder leistungsgerechtere Kategorien A und B einführen, wobei sich die Top-Teams der Leistungsklasse A für das Turnier qualifizieren können und die schwächeren Nationalmannschaften in der Kategorie B um den Aufstieg in die Kategorie A spielen.

Kreativitätsbegriff

Bundestrainerin Silvia Neid versuchte das Rekordergebnis ihrer Dienstreise zu relativieren: "Uns bringen natürlich Spiele gegen Schweden und England mehr als gegen Slowenien und die Slowakei. Es ist klar, dass das für die Zuschauer nicht spannend ist. Aber wir können das nicht ändern und nur versuchen, das Spiel kreativ zu gestalten." Über den Begriff Kreativität lässt sich sicher im Expertenkreis diskutieren. Zur Zeit produziert die sehr erfolgreiche Arbeit der deutschen Frauenfußballvereine ein riesiges Potential an Talenten für die Nationalmannschaft. Bildhaft gesprochen: sie stehen Schlange, innerhalb des Kaders stehen Erbhöfe von erfahrenen, teilweise verletzten Nationalspielerinnen auf dem Spiel. DFB-Präsident Niersbach lobte in Nürnberg nicht umsonst ein "junges, völlig neu besetztes Team als Beweis für die exzellente Arbeit" der Bundestrainerin.

Vollstreckerqualitäten

Wäre es deshalb nicht besser gewesen, anstatt des mediterranen "Schiessbuden Events" mit der vom Papier her nominell stärksten Formatiom gegen die überforderten Sloweninnen, einen ernsthaften Test mit wichtigen neuen Ergänzungsspielerinnen zu wagen und systematisch zu organisieren. FC Bayern Top Spielerin Katharina Baunach hätte eine Einsatzchance verdient gehabt, so meinen wir. Rein sportlich gesehen stand das überragende Start-Elf-Comeback der Frankfurterin Fatmire Bajramaj nach 13 Monaten Pause auf der Plus-Seite der Neid ´schen Kreativität. Bajramaj war beste Spielerin auf dem Platz, die im ersten Durchgang an jeder Möglichkeit beteiligt war und auch selbst Vollstreckerqualitäten aufwies, nach der Pause aber wie das gesamte Team etwas zu viel Tempo aus dem Spiel nahm. Die Leistung von Bajramaj entsprach diesmal ihrem exorbitanten Kultstatus, der auch in den Staaten von Ex-Jugoslawien nicht unbekannt ist. Die Aufstellung der Jet-Lag belasteten, aber unterbeschäftigten Neu-Australierin Nadine "Natze" Angerer war wohl eher eine Referenz an die Adresse der Marketing Strategen, die von Angerers natürlicher Beliebtheit bei den weiblichen Teenies profitieren. Anderseits wartet eine hochmotivierte Laura Benkrath immer noch auf ihr erstes Länderspiel.

So spielten sie

Slowenien: Sonja ÄŒevnik ( ŽNK Radomlje) – Lucija Grad (ŽNK Jevnica), Anisa Rola (ŽNK Maribor), Manja Benak (Ferencvarosi Torna Budapest), TjaÅ¡a Tibaut (ŽNK Teleing Pomurje) – Ines Å pelič (ŽNK Jevnica) 73. Barbara Kralj (ŽNK Radomlje), Anja Milenkovič (Sturm Graz) – Andreja Nikl (ŽNK Teleing Pomurje) 68. Kristina Erman (ŽNK Teleing Pomurje), Mateja Zver (Thor K/A, Island) 79. Manja Rogan (ŽNK Pomurje), UrÅ¡ka Žganec (Sturm Graz) – Kaja Eržen (ŽNK Teleing Pomurje)

Deutschland: Nadine Angerer – Bianca Schmidt (61.Melanie Behringer), Annike Krahn, Saskia Bartusiak, Leonie Maier – Dzsennifer Marozsán, Lena Goeßling – Fatmire Bajramaj, Anja Mittag (67. Sara Däbritz), Simone Laudehr – Celia Sasic (67. Alexandra Popp)

Tore: 0:1 Sasic (4. Foulelfmeter), 0:2 Maier (10.), 0:3 Mittag (16.), 0:4 Krahn (19.), 0:5 Mittag (20.), 0:6 Sasic (32.), 0:7 Laudehr (42.), 0:8 Bajramaj (62.), 0:9 Mittag (65.), 0:10 Sasic (66.), 0:11 Goeßling (85.), 0:12 Goeßling (87.), 0:13 Popp (90.+3)

Schiedsrichterin: Amy Rayner (England), Zuschauer: 500

Vorschau auf das Kroatien-Spiel

Mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel macht Deutschland einen großen Schritt in Richtung WM 2015 in Kanada. Am Mittwoch nächster Woche steht schon das dritte Qualifikationsmatch auf dem Programm, wenn Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid um 18.00 Uhr in der Frankfurter Volksbank Arena auf Kroatien trifft. Die ARD mit Expertin Nia Künzer wird wieder dabei sein – Nia Künzer, die fast genau vor 10 Jahren mit ihrem Golden Goal im WM-Finale die deutsche Sportöffentlichkeit in den Bann zog.

Alle Sitzplatztickets sind inzwischen abgesetzt, kein Wunder, schließlich präsentieren sich die Europameisterinnen im Stadion des FSV Frankfurt zum letzten Mal in diesem Jahr dem heimischen Publikum. Stehplatzkarten sind noch erhältlich. Ein Termin, den die Fans nicht verpassen sollten.

Sitzplätze kosten zwischen 20 und 15 Euro, Stehplätze 7 oder 9 Euro, Gruppenkarten sind beim Hessischen Fußballverband für 5 Euro erhältlich. E-Mail: info@hfv-online.de

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