Wintersport und Lebensfeuer – Kontraste im Kleinwalsertal

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© Foto: Rainer Hamberger
Immer wieder kommen Skifahrer entgegen, die auf dem Rückweg von Hochtouren zum Talparkplatz sind. Sie fahren vorsichtig am Wegrand entlang. Es ist ohnehin nicht steil. Man kann sich gegenseitig Platz machen, auch für Familien, die mit jauchzenden Kindern auf dem Schlitten die Talabfahrt genießen. Schon nach etwa 45 Minuten gelangt man auf eine Lichtung und nähert sich der Berghütte. Winterwanderer, Tourengeher, Familien, Senioren, die meisten Tische und Bänke im Schnee sind besetzt. Es ist Februar und die Nachmittagstemperatur erlaubt schon einen gemütlichen Plausch in der milden Wintersonne. Wir sind hier am oberen Talende angelangt. Die Spuren weiter bergauf verlieren sich im Tiefschnee. Über uns thront der 2533 Meter hohe Widderstein, höchste Erhebung rund um das Kleinwalsertal. Während Kaffee und Kuchen munden, beobachten einige Gäste Felswände und Schneewächten weit oben. Jemand hat mit seinem Fernglas dort Gämsen entdeckt.
Österreichische Enklave

Das Kleinwalsertales, verläuft quasi als Sackgasse von Oberstdorf nach Südwesten. Die Walser kamen 1270 aus dem schweizerischen Wallis und gründeten hier die ersten Siedlungen. Es ging ihnen um das Täglichbrot und das Überleben in der rauen Bergwelt. Tourismus, oder wie man früher sagte „Fremdenverkehr“, begann erst viele Jahrhunderte später mit der Erschließung der Alpen zur Erholung von Städtern und Flachlandbewohnern. Die besondere Lage des zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehörenden Tales ermöglichte dabei schon immer Personen- und Warenverkehr nur vom Illertal bei Oberstdorf aus. Am Söllereck vorbei über die sogenannte Walserschanze gelangt man in diese österreichische Enklave. Schon seit 1891 war aus diesen Gründen der Handel zwischen dem kleinen Walsertal und Deutschland vom Zoll befreit. Die schneesichere Lage des Tales führte schon 1940 zum Bau des Parsennliftes bei Riezlern für den Skisport. Jahrzehnte später wurden Kabinen- bzw. Gondelbahnen auf das Walmendinger Horn und die Kanzelwand gebaut. 

© Foto: Rainer HambergerWie Perlen an einer Kette reihen sich Dorf um Dorf dem Talboden entlang. Von Riezlern über Hirschegg, Mittelberg und Baad verkehrt auf der Hauptverbindungsstrecke der Walserbus und bedient mit Umwegen auch Abzweigungen und Seitentäler. So führt eine Linie zur Auenhütte. Als Talstation der Ifenbahn ist sie gleichzeitig Endstation des Autoverkehrs im Schwarzwassertal. Auf geräumten Winterwanderwegen oder auf Schneeschuhen neue Spuren ziehend gelangt man relativ eben weit ins Tal hinein. An einigen Stellen wird der Blick wird frei auf den 2228 Meter hohen Ifen. Von hier unten aus ein ganz anderer Eindruck auf die senkrechten Kalkfelsenabbrüche als auf dem Hochplateau, das man entweder zu Fuß oder jetzt bequem mit dem Sessellift von der Auenhütte aus erreichen kann. Für geologisch und botanisch interessierte Naturfreunde lohnt sich die Wanderung auf den Ifen zu allen Jahreszeiten. Östlich des schräg heraufragenden Gipfelgrates liegt das sogenannte Gottesackerplateau. Die flach wellige Kalksteinhochebene auf rund 2000 Metern Höhe ist einerseits stark verkarstet, bietet aber Nährboden für eine große Vielfalt sonst seltener Alpenblumen. Jetzt im Winter sind die vielen Spalten und Löcher auf dem Kalkplateau durch Windverfrachtungen des Pulverschnees sanft überdeckt und für das Auge nicht mehr wahrnehmbar. Daher empfiehlt es sich auch für Winterwanderungen den gespurten Weg zu benützen. Vom höchsten Punkt des Plateaus aus lässt sich bei klarer Sicht der Bodensee erkennen und darin die Insel Lindau. Im Süden umranden die Gipfel der Österreichischen und Allgäuer Alpen wie ein Kranz das Kleinwalsertal. 
Konkurrenz und hohe Anforderungen kennzeichnen heute den Wettbewerb der Skigebiete. Wenn vor Jahrzehnten noch gut präparierte Hängen Wintersportler zufrieden stellten, erwartet man heute Funparks für Snowboarder, Kidsparks für Kinder, lawinensichere Hänge für Freerider und es ist gerade ein Wunder, dass die Gipfel für alle Freaks noch nicht in Summits umbenannt werden mussten.  Die Internationalität zeigt sich nicht nur im Sprachgebrauch, wenngleich grenzüberschreitende Skifahrer die zwischen Deutschland und Österreich pendeln im gleichen Sprachgebiet verbleiben. Von der Allgäuer Seite des Fellhorn südlich Oberstdorf sind die Pisten über eine kurze und sichere Strecke am Grat entlang zur Kanzelwandabfahrt auf die Vorarlberger Seite verbunden. Diese führt hinab nach Riezlern und mit einem nur kurzen Fußweg über die Breitachbrücke gelangt man zum Parsennlift, der wieder Anschluss an die anderen Aufstiegshilfen bis hinauf zum Walmendingerhorn bietet. Somit stehen im deutsch-österreichischen Skigebiet insgesamt 128 Pistenkilometer mit 47 Liften und Bahnen zur Verfügung. Und damit Eltern mal einen Skitag für sich genießen können, dürfen von Montag bis Freitag im Kinderprogramm Burmi die Jüngeren bei speziell ausgebildeten Wildnispädagogen und Bergführern abgegeben werden. Sie kümmern sich an Wildnistagen, bei Kletterkursen oder Bergabenteuern fachgerecht um den Nachwuchs.
Lebensfeuer Walseromgang

© Foto: Rainer HambergerBreit gefächerte Sportangebote sind eine Seite, aber die Anpassung des Organismus an Höhenlage und körperliche Herausforderungen eine andere. Dies zeigt sich an Herzschlag  und Atemfrequenz. In einem wissenschaftlich abgesicherten Verfahren, der sogenannten Lebensfeuermessung, erhält man Gelegenheit anhand einer 24-stündigen Messung von Pulsschlag und Atmung über ein nur 16 Gramm schweres Gerät am Körper in einem feuerähnlichen Diagramm dies zu visualisieren. Einige Hotels bieten dieses Programm an. Der „Walseromgang“ ist das dazugehörige jahreszeitlich unabhängige Bewegungsprogramm, das Regeneration, Balance und Aktivierung koordiniert. Diese Angebote richten sich bevorzugt an Gäste, die sich in erster Linie einfach erholen und regenerieren möchten., wie bei Schneeschuhwanderungen im Schwarzwassertal, auf dem Panoramaweg am Ifen oder beim Erlebnis der Stille im Bärgunttal.

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Informationen: Auskünfte über die jeweiligen Angebote gibt es bei der Kleinwalsertal Tourismus eGen; www.kleinwalsertal.com, die Lebensfeuermessung ist z. B. direkt am  Hotel Gemma oberhalb Riezlern möglich, es liegt direkt an der Piste www.gemma.at.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von der Kleinwalsertal Tourismus eGen.

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