Wieder Krawall in Kiew – Tote und viele Verletzte bei Straßenschlachten – Radikale erstürmen Zentrale der Regierungspartei – Regierung stellt Demonstranten Ultimatum

Straßenschlachten in Kiew mit Pfeil und Bogen. Screenshot von Twitter.com vom 2014-02-19, 17:30 Uhr © WELTEXPRESS

Wie ein Korrespondent der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti vor Ort berichtet, wurde die Parteizentrale mit Molotow-Cocktails angegriffen. Anschließend traten maskierte und mit Knüppeln bewaffnete Männer die Eingangstür des Gebäudes ein und warfen eine Rauchgranate hinein. Mitarbeiter der Parteizentrale sprangen aus Fenstern, um sich vor den Randalierern zu retten. Die Zahl der Demonstranten wird mit rund 20.000 von verschiedenen Agenturen und Medien angegeben.

"Auch vor dem Parlamentsgebäude bewarfen Radikale am Dienstag die Ordnungskräfte mit Steinen", meldet RIA Novosti.

Berichten von Agenturen und Medien zufolgte habe die Polizei mit Rauch- Blendgranaten geantwortet. Tränengas und Gummigeschossen seien ebenfalls zum Einsatz gekommen.. Mindestens acht Polizisten wurden verletzt.

Spiegel-Online teilt mit, dass "Oppositionsärzte … von drei getöteten Demonstranten" berichtet hätten. Desweiteren heißt es in dem Artikel mit der ersten Überschrift "Mehrere Tote bei Krawallen in Kiew": "Die Regierungsgegner seien durch Schüsse ums Leben gekommen, sagte Oleg Mussiji, Chef des Ärzteteams der Opposition. Außerdem wurden demnach mindestens 150 Demonstranten verletzt. Einem Demonstranten habe eine Hand amputiert werden müssen. Die meisten Verletzungen gingen auf den Einsatz von Blendgranaten durch die Bereitschaftspolizei zurück, sagten die Ärzte." Im Laufe des Nachmittags wurde die Überschrift auf "Tote bei Krawallen in Kiew – Regierung stellt Ultimatum" geändert.

Laut RIA Novosti würden die Regierungsgegner eine Rückkehr zur Verfassung von 2004, die dem Parlament und der Regierung mehr Vollmachten eingeräumt hatte, fordern. "Nachdem sich Parlamentschef Wladimir Rybak am Dienstag geweigert hatte, eine entsprechende Vorlage auf die Tagesordnung zu setzen, blockierten Dutzende Oppositionsabgeordnete das Präsidium der Obersten Rada."

Nach Informationen von Interax stehen die U-Bahnen still. Informationen in Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken zufolge breche der Nahverkehr in Kiew zusammen.

Spiegel-Online berichtet unter Bezugnahme auf das Innenministerium, dass bei den Krawallen in Kiew heute auch "fünf Sicherheitsbeamte durch Schüsse schwer verletzt worden" seien. "37 weitere Polizisten wurden demnach von Demonstranten attackiert" und verletzt.

In Stern-Online heisst es unter dem Titel "Regierung droht mit "schwerwiegenden Maßnahmen", dass die "Oppositionellen … zwei Stunden Zeit" hätten, "um ihre gewaltsamen Proteste zu beenden". Der Stern bezieht sich auf das Innenministerium. "Ansonsten würden die Sicherheitskräfte ab 18 Uhr (17 MEZ) zu "schwerwiegenden" Maßnahmen greifen, um die Gewalt zu stoppen."

In der Ukraine dauern seit dem 21. November Anti-Regierungs-Proteste an. Auslöser war die Entscheidung des Kabinetts, den Assoziierungsprozess mit der Europäischen Union auszusetzen und stattdessen den Handel mit Russland auszubauen. Im Januar arteten die Proteste in der ukrainischen Hauptstadt in schwere Zusammenstöße zwischen prowestlichen Demonstranten und Sicherheitskräften aus. Es gab drei Tote unter den Demonstranten und mehr als eintausend Verletzte auf beiden Seiten.

Präsident Janukowitsch machte bei Krisengesprächen mit der Opposition Zugeständnisse. Unter anderem wurde die Regierung entlassen und eine Amnestie für Demonstranten beschlossen, die am gestrigen Montag in Kraft trat.

Mit Material von Facebook Interfax, RIA Novosti, Spiegel-Online, Stern-Online, Twitter.

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