Wie lange weht der Union Jack noch über Nordirland? – Steht das Karfreitagsabkommen vor der Kündigung? – Sinn Féin setzt auf Volksabstimmung und will Vereinigung Irlands

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Der Union Jack des (Zwangs-)Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland. Quelle: Pixabay

Belfast, Irland; Berlin, Deutschland (Weltexpress). Union Jach, Karfreitagsabkommen, Sinn Féin? Sinn Féin ist eine irisch-republikanische Partei und in Nordirland seit 2005 unter den katholischen Einwohnern sogar die stärkste Partei. Diese irische Partei, die für die irische Nation und die irische Republik kämpft, strebt die Vereinigung Irlands an. Ihre Mitglieder und Mandatsträger sehen in den Debatten und Verhandlungen über denr Brexit gute Chancen für eine Volksabstimmung über eine Vereinigung. Dann würden auch die Iren in Ulster, der der neben Connacht, Leinster und Munster eine Region und frühere Provinz im Norden Irlands ist, endlich zu Irland und weiterhin zur Europäischen Union (EU) gehören. In großen Teilen von Ulster, genauer in den Grafschaften Antrim, Armagh, Derry, Down, Fermanagh und Tyrone, weht der Union Jack, herrscht das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland (UK).

Die britischen Besatzer teilen die sechs Grafschaften 1972 in Distrikte. Die ersten Jahre gab es 26 davon, seit 2015 wurden sie zu elf Distrikten zusammengefasst. Nach der Niederlage der Iren gegen die Engländer im neunjährigen Krieg wurden vor allem im katholischen Ulster mit Beginn des 17. Jahrhunderts protestantische Engländer und Schotten angesiedelt. Zumindest die Schotten unter den Bewohnern haben längst die Schnauze voll vom UK und wünschen auch Schottland die Freiheit. Sie unterstützen den Kampf für die Unabhängigkeit der Schotten, die ebenfalls eine erneute und dieses Mal gerechtere Volksabstimmung nach ihren Regeln und nicht nach denen der Herren in London wollen.

In „Kleine Zeitung“ (2.2.2019) wird über den Kampf der Sinn Féin für die Vereinigung Nordirlands mit Irland, dass 1922 die Unabhängigkeit von London erhielt, die die Iren zwischen 1919 und 1921 in einem Guerillakrieg erkämpften, wie folgt unterrichtet: „Die Parteichefin May Lou McDonald sagte am Samstag auf einer Kundgebung in Dublin, nun gebe es erstmals seit Generationen eine historische Gelegenheit zu einer Vereinigung – ungeachtet des Brexits. Sie erinnerte daran, dass die nordirische Bevölkerung nicht für den Brexit gestimmt habe, und erst recht nicht für eine harte Grenze zu Irland. Dieses Votum sei aber von der britischen Regierung in London ignoriert worden, die sich um die Menschen vor Ort nicht kümmere.“

Im sogenannten Good Friday Agreement (Deutsch: Karfreitagsabkommen) verpflichtete sich die Regierung der Republik Irland, auf ihre Forderung nach einer Wiedervereinigung mit Nordirland zu verzichten. Mit dem bevorstehenden Brexit bröckelt offensichtlich die Zustimmung der Iren zum Karfreitagsabkommen. Wie lange sich der schwule Leo Varadkar als Parteivorsitzender von Fine Gael, einer Partei, deren Wurzeln auf den Kampf für die irische Unabhängigkeit, die den Anglo-Irischen Vertrag befürwortete, zurückgehen, und Premierminister von Irland noch gegen die Stimmung der Leute in der Partei und im Land stellen kann, bleibt abzuwarten. Die Chance auf eine Vereinigung Irlands scheint da, wer wird sie wann und wie ergreifen?

Wie lange weht die Union Jack genannte Nationalflagge des UK noch über Nordirland?

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