Wannsee im Winter

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Die Glienicker Brücke vom Sonnendeck eines Fahrgastschiffes aus im Sommer 2012 fotografiert. © WELTEXPRESS, Foto: Stefan Pribnow

Die Insel

Zurück zur Insel, die heute über fünf Brücken zu erreichen ist. Die Wannseebrücke, die Alsenbrücke, die Hubertusbrücke, die Parkbrücke und die spätestens aus Spionagebüchern und Agentenfilmen berühmt gewordene Glienicker Brücke. Über diese und zu Wasser gelangen Gäste und Einheimische, die selten Eingeborene sind, zur „Wannsee-Insel“. Die Siedlung Klein Glienicke gehört zu Potsdam. Die Ortsteile Heckeshorn, Krughorn, Albrechts Teerofen, Kohlhasenbrück und Steinstücken, eine echte Enklave zu DDR-Zeiten, gehören zu Berlin.

Kleines Stück und große Politik

Was das Wendland oder Ostfriesland für Westdeutsche Aussteiger war, die sich weder die Toskana noch die Provence leisten konnten, war Steinstücken für Westberliner: Der Arsch der Welt, um den sich keiner kümmerte. Das geografisch auf dem Babelsberg gelegene Häufchen Häuser wurde im Kalten Krieg US-Zone und der „Rest“ von Babelsberg Sowjet-Zone. Nach dem Mauerbau 1961 fuhren die meisten Abhauer nach Steinstücken und flohen dort in den „Westen“. Rund zwei Dutzend Grenzer der DDR flohen mit, bis der Arbeiter- und Bauernstaat hier seine Supermauer baute, worauf die US-Truppen ihre Soldaten mit Sack und Pack per Hubschrauber einflogen. Da war was los. Jahre später trat die DDR in zähen Verhandlungen und zähneknirschend ein Stück Volkseigentum ab an Westberlin. Der Korridor war geschaffen. Über einen 20 Meter breiten und rund ein Kilometer langen Streifen fuhren die einen raus, die anderen, die mit den langen Haaren, rein und ließen Hanf um die Häuser gedeihen unter strengster Überwachung der DDR-Grenzer, bis 1972 die Straße asphaltiert und eine Buslinie eingerichtet wurde. Damals die 18er auf der Bernhard-Beyer-Straße war so berühmt wie es heute die 100er zwischen Alex und Zoo ist. Sie brachte Tagesausflügler, Touristen, Tuchnichtgute, die durch Steinstücken schlenderten und schlurften wie manche Reisende durch die Hippie-Kolonie Christiania in Kopenhagen.

Stolpeken und Stölpchensee

Zum Stadtteil Wannsee gehört selbstverständlich das historische Zentrum. Stolpe, Stolpeken oder Wendisch-Stolpe wurden 1299 erstmals urkundlich als Slauicum stolp erwähnt. Stolp heißt Pfahl oder Pfosten und bedeutet eine auf Pfählen befestigte Siedlung, die nach Theodor Fontane das älteste heute noch existierende Dorf auf dem Teltow sei. Doch als die Wenden von den Askaniern erobert und christianisiert wurden, kamen immer mehr Deutsche, siedelten, bestellten das Land und bauten. Berühmtester Bau ist und bleibt die Kirche, für die Friedrich Wilhelm IV. 1859 gut und gerne 15 0000 Taler locker machte und für deren neue Orgel Elisabeth, Königen von Preußen, die Patenschaft übernahm. Deren Klang ist heute noch bis zur Pfaueninsel zu hören, sagen Seemänner.

Wie der 30jährige Krieg hinterließ auch der zweite Weltkrieg Spuren. Die Gebeine Hunderter Soldaten liegen um die Kirche am Stölpchensee, an der auch heute noch manche Einschußlöcher zu sehen sind. Doch wer mit der Taxe kommt, der interessiert sich mehr für den berühmtesten Droschken-Kutscher der Welt, den Eisernen Gustav. Der gute Mann zählt zu einer der Persönlichkeiten des Ortes. Eine Gedenktafel an Gustav Hartmann hängt am Haus in der Alsenstraße 11, Berlin-Wannsee, und sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof Wannsee. Beide Plätze sollten Sie besuchen. Lesenswert ist noch immer der in viele Sprachen übersetze Schmöcker „Der Eiserne Gustav“ von Hans Fallada, sehenswert der Film von 1958 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, um den Geist der Zeit zu schnuppern.

Fraueninsel mit P davor und ohne r

Die Pfaueninsel war früher ein Frau- und Freiluftgehege. Heue ist sie ein Landschaftspark. Die 88 Hektar große Insel inmitten der Havel ist seit 1924 Naturschutzgebiet und gehört, wie unter Wikipedia nachzulesen ist „zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und steht seit 1990 zusammen mit den Schlössern und Parks von Sanssouci in Potsdam und Glienicke in Berlin als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO".

Im 17. Jahrhundert ließ der Große Kurfürst auf der Pfaueninsel, die bis dato nie ein Pfau gesehen hatte, Kaninchen züchten. Dann wurde dort Glas und anderes geblasen, manches Feuer der Liebe und anderes brannte. Später züchtete Friedrich Wilhelm II. dort Mätressen. Das Schloß Pfaueninsel wurde gebaut und eine Meierei „als Ruine eines gotischen Klosters“. Vor allem unter Friedrich Wilhelm III. wurde geklotzt. Schinkel erweiterte das seit 1804 vorhandene „Kavaliershaus“ im Stile eines englischen Landhauses und eine Menagerie wurde errichtet. Auf den Palmen saßen Papageien. Die plapperten wie der alte Adel und die neue Bourgeoisie. Lenné gestaltete die Insel zu einem Garten und als Königin Luise kam, kamen mit ihr Tiere aus fremden Ländern. Auf die Kaninchen folgten Kängurus, Lamas und Löwen. Die Pfaueninsel war fortan nicht nur eine Fraueninsel für die vornehmen Herren Preußens sondern auch deren exotisches Plätzchen.

Friedrich Wilhelm IV. hatte andere Pläne. Frauen und Tiere mußten weichen, die Vierbeiner zogen in den Zoo am Tiergarten. Nur die Pfauen blieben. 1936 wurden übrigens die Olympischen Spiel zu Berlin auf der Pfaueninsel mit einem spendablen Spektakel und einem faschistischen Feuerwerk beendet, daß die Bombennächte vorwegnahm.

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden auf der Pfaueninsel Außenaufnahmen für mehrere Edgar-Wallace-Filme produziert. Heute wird zwischen auf dieser wunderschönen Havelinsel zwischen Dutzenden Pfauen wieder mehr jeküsst als jeschossen. Abgedreht ist die Insel aber allemal.

„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nischt wie raus an’ Wannsee“

sang Conny Froboess 1951 und seit dem wird das Lied immer wieder im Radio rund um Berlin angespielt, wenn bei einer Durchsage die Wassertemperaturen mit einer 2 beginnen. Richtig, Wannsee ist andererseits der Große Wannsee. Alte Leute sagen nur Wannsee, womit nicht der Kleine Wannsee gemeint ist. Doch es blieb wenigstens dabei, daß diese Bucht der Havel Berlins beste Badewanne ist (die große Badewanne der Berliner ist die Ostsee), denn das allseits bekannte wie beleibte Strandbad Wannsee mit seinem langgestreckten, denkmalgeschützten Gebäude liegt am nördlichen Abschnitt des Ostufers.

Ein Schiff wird kommen

Nicht-Berliner nehmen besser eine sichere Distanz zu Sand, Strand, Sonnenanbetern und Badenden ein: am Besten auf einem Boot. Schiffe der Weißen Flotte fahren Ausflügler über den Wannsee (Großer Wannsee) und um den Wannsee (den Stadtteil). Diese kaiserlichen Wannsee-Schiffstouren kann König Kunde beispielsweise an der Anlegestelle Schildhorn beginnen. Vorbei am Grundewald mit dem Grunewaldturm, an der Insel Lindwerder, an der Pfaueninsel, über Kladow bis zur Anlegestelle Wannsee fährt das Schiff. Dort können Sie umsteigen auf ein Kreisschiff zur 7-Seen-Rundfahrt mit Villen, Gartenlokalen und maritimem Ambiente über die Anlegestellen Stölpchensee und Kohlhasenbrück, Griebnitzsee, Glienicker Brücke, Moorlake und Pfaueninsel zurück nach Wannsee. Bei dieser Boots-Tour mit Kaffee und Kuchen oder Bier und Bulette (Berliner schreiben das ohne o) können die Besucher Berlins aussteigen, wo immer sie wollen.

Steigen Sie also aus, wo immer Sie Lust haben. Ob an der Glienicker Brücke oder auf der Pfaueninsel. Genießen Sie Wannsee! Steigen Sie wieder ein ins nächste Schiff, das kommt bestimmt. Und abends fahren Sie zurück zum Ausgangspunkt Schildhorn, einem guten wie gastlichen Ort, wo Sie im GEW-Ferienhotel "Haus Schildhorn", direkt an der Havel gelegen, gerne Gast sein dürfen, um bis zur Bettruhe aufs Wasser zu schauen, wie einst der Kaiser oder der Eiserne Gustav.

Wannsee im Winter

Schön ist`s in und am Wannsee, wenn die Sonne scheint, doch nicht nur, wenn`s warm ist. Auch im Winter ist Wannsee eine Wonne. Wenn Schnee liegt und dieser den Schall schluckt, dann ist der Stadtteil eine Stille Oase, die ihre Seele freilegt. Auch der Wannsee zeigt im Winter wunderbare Seiten. Still und klar liegt er da. Dazu ein Buch von Fontane bei zwei Buletten mit drei Bier auf einem gut geheizten Fahrgastschiff. Das sind gleichsam Glück und Gloria. Will Mensch mehr wenn es kalt wird im alten Preußen?

GEW-Ferienhotel, Hotel "Schildhorn", Straße Am Schildhorn 5, 14193 Berlin, Tel:efon 030 / 300 970 0, Fax: 030 / 300 970 299, Email: hotel@hotel-schildhorn.de, Website: www.hotel-schildhorn.de

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