Vom Lausitzer Bäckerladen zum Radstar – Glückwünsche zum 60. Geburtstag an Lutz Heßlich

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Lutz Heßlich mit Sohn Nico. © Nico Budert Photography

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Party-Time in der Lausitz. Im Cottbuser Zweirad-Salon „Fahrräder aus Weltmeister-Hand“ schäumt heute der Sekt. Chef Lutz Heßlich feiert den 60. Geburtstag. Ehefrau Simone, Tochter Nadja und Sohn Nico bereiteten die Party vor.

Lutz Heßlich © Fahrradcenter Hesslich GmbH

Der Jubilar ist in der Radwelt und zumindest im deutschen Osten eine Berühmtheit. Bei Lutz Heßlich, 1980 und 1988 zweimaliger Olympiasieger und dazu noch vierfacher Weltmeister im Radsprint, steht ab heute eine 6 vor der Altersangabe. Im Wendejahr 1989 wurde er unter die 40 populärsten DDR-Sportler aller Zeiten gewählt. Vom Rad kann er auch mit 60 nicht lassen.

An Sonntagen können Spaziergänger den Oldie auf dem Mountainbike, dem Rennrad und neuerdings auf dem E-Bike durch die Mark Brandenburg hecheln sehen. Wenn beim Berliner Sechstage-Rennen zu Nostalgie-Sprints geladen wurde, zeigte der einstige Radstar seinen Enkeln, was Opa noch immer auf dem Kasten hat. „Aber damit habe ich jetzt mit 60 Schluss gemacht“, gibt der Cottbuser zu.

Lutz Heßlich © Fahrradcenter Hesslich GmbH

Seit 1990 betreibt der Diplom-Sportlehrer das Radgeschäft. „Es ist nicht einfach, aber der Laden läuft. Wir erfüllen jeden Kundenwunsch“, verrät Heßlich. Das Rechnen und die Geschäftsführung bekam der Lausitzer schon als Junge mit, wenn er bei Muttern über die Schulter guckte. Mutter hatte die Hand in der Bäckerei Heßlich in Ortrand (Lausitz) auf der Kasse, während Vater für das bis weit nach Sachsen hinein beliebte Heßlich-Brot sorgte.

Mit neun Jahren hievte sich Lutz zum ersten Mal bei Aktivist Lauchhammer auf ein Rennrad. Übungsleiter Winfried Schulze erkannte das Talent und schickte Lutz mit 13 Jahren auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Cottbus. Schon 1977 brachte der damals 18-Jährige aus Kolumbien eine WM-Bronzemedaille mit. Natürlich spornte der Erfolg den Radsprinter genauso wie dessen Trainer Gerd Müller an. Heute werden sie gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, zu denen neben Goldmedaillen auch zehn DDR-Meister-Titel und sieben Siege beim „Grand Prix“ von Paris zählten.

Lutz Heßlich © Fahrradcenter Hesslich GmbH

Die Weltmeisterschaften 1981 im tschechischen Brünn spielen bei Familienfeiern des inzwischen 38 Jahre verheirateten Paares immer wieder eine Rolle. Der „Lausitz- Express“ kam damals mit Verspätung durchs Ziel. Der Russe Sergej Kopylow gewann das Regenbogentrikot. Diese Tatsache wäre nur bedingt einer tieferen Erinnerung wert, wenn es nicht im Nachhinein noch Turbulenzen gegeben hätte. Ärger fing sich der Sprinter damals ein, weil er seine jungen Frau Simone mit in die mährische Metropole genommen hatte. Eigentlich nicht schlimm. Nichts Illegales, weil es sich um ein sogenanntes sozialistisches Bruderland handelte. In einigen damaligen DDR-Zeitungen erschienen aber Fotos mit Lutz und seiner Frau. Das wunderte die Chefs von Simone, denn die war krankgeschrieben. „Wir haben nachträglich den Urlaub eingereicht“, erinnert sich Lutz. So kann Prominenz zur Falle werden.

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