Union wieder einmal eisern – kein Dauerkarten-Besitzer fordert die Kohle zurück

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Keine Zuschauer auf den Rängen im Stadion An der Alten Försterei in Berlin. © Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Jetzt steht es fest! Am 17. Mai trifft der 1. FC Union Berlin in der „Alten Försterei“ auf Rekordmeister FC Bayern München. Damit wird der 26. Spieltag nachgeholt.

Die Fans müssen allerdings zu Hause bleiben. Die restlichen neun Spiele der laufenden Saison gehen vor leeren Tribünen über den Rasen. Im Gegensatz zum Lokalrivalen Hertha BSC, der fast jeden Tag den neuen Trainer Bruno Labbadia – vielleicht zu Recht – feierte und zum Schluss durch Stürmer Kalou in die Schlagzeilen gerieten, schienen die Unioner abgetaucht.

Einfach still ruht der See. Wuhlheider Bescheidenheit eben.

Doch denkste! Seit 6. April schmieden auch die Eisernen wieder an der Form. Die Fans verhalten sich dabei wie fast immer vorbildlich. Nun weiß jeder, die Unioner sind nicht auf Rosen gebettet. Die Belegschaft wurde deshalb entweder auf Heim- oder Kurzarbeit gesetzt. Um den Verein nicht in die Pleite schliddern zu lassen, verzichteten die Profis auf 20 bis 30 Prozent ihres Gehalts.

Von den 11.500 Dauerkarten-Besitzern forderte noch nicht ein einziger sein Geld zurück. Sicher werden sich die Fans nicht lumpen lassen und noch einmal Karten kaufen, ohne das Stadion betreten zu dürfen. Bratwürste kaufen die Fans schon seit Wochen, ohne jemals in eine hineingebissen zu haben. Ein rundes Milliönchen könnte da schon zusammenkommen. Die Fans unternehmen jedenfalls alles, um auch im nächsten Jahr Bundesliga-Fußball in der Wuhlheide bestaunen zu können.

Wie von der DFL gefordert, begeben sich die Köpenicker am 10. Mai nach Barsinghausen eine Woche mit einem Trainingslager in Quarantäne. Selbst verständlich lebte Union-Präsident Dirk Zingler nicht auf dem Mond, deshalb meinte er gestern gegenüber uns Journalisten: „Natürlich nehme ich die gesellschaftlichen Debatten bezüglich des Spielbetriebs der Bundesliga wahr und ernst. Sie kennen meine grundsätzliche Haltung, dass der Fußball vor allem für die Menschen im Stadion stattfindet – das ist der Kern des Ganzen. Die kommenden Wochen werden daher neben den wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Themen auch eine mentale Herausforderung beinhalten. Der Fußball ist über die Menschen in der Gesellschaft tief verankert, deshalb ist es für uns auch wichtig, die Zeit ohne Zuschauer im Stadion so klein wie möglich zu halten.“

Der Ur-Berliner Zingler versteht, wenn Menschen in anderen Lebensbereichen unzufrieden sind. Der Union-Boss weist aber gleichzeitig daraufhin: „Auch für uns gibt es keine Rückkehr in den regulären Spielbetrieb, sondern lediglich Lockerungen unter Extrembedingungen, in denen der Fußball eine Rolle eingenommen hat, in der er strenger und härter kontrolliert wird als andere Branchen. Das Konzept muss sich nun im Alltag beweisen.“

Die Geisterspiele der ersten beiden Wochenenden lässt sich übrigens Sky etwas kosten. Die Spiele werden im freizugänglichen Fernsehen zu sehen sein.

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