Über Lissabon nach Jena – Ivonne Hartmann strebt nach Meisterschale und europäische Krone – Interview aus der Volkswagen-Arena

Nutzten nach dem Halbfinale der Champions-League die Ruhe abseits des Trubels für einen munteren Plausch auf der grün-weißen Ersatzbank der Volkswagen-Arena: Ivonne Hartmann (li.) und Viola Odebrecht. © Silke Winkler

Meisterschale und europäische Krone

Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale  des DFB-Pokals gegen den 1. FFC Frankfurt müssen die VfL-Frauen den Pott auf nationaler Ebene zwar aus der Trophäen-Vitrine räumen. Den Verbleib von Meisterschale und europäischer Krone in Wolfsburg können die Mannschaftskolleginnen von Ivonne Hartmann allerdings noch sichern. Wir trafen Ivonne Hartmann vor ein paar Tagen in der Volkswagen-Arena nach dem 4:2-Erfolg des VfL gegen Turbine Potsdam, der den Weg ebnete für das Finale in der Champions-League am 22. Mai in Lissabon.

Vor ein paar Tagen kam die offizielle Meldung Ihres Wechsels nach Jena. Was gab den Ausschlag?

Ivonne Hartmann: Ich fühle mich einfach wohl in Jena, wo ich vor meinem Wechsel nach Wolfsburg schon 10 Jahre gespielt habe. Seit längerem beobachte ich mit Freude, dass sich die Mannschaft um Trainer Daniel Kraus positiv entwickelt. Er baut mit allen Beteilgten etwas auf, das viel Hoffnung macht für die Zukunft, das für sich spricht. Die Verantwortlichen des Vereins haben sich um mich bemüht, und deswegen komme ich wieder nach Hause.

Was zeichnet die aktuelle Jenaer Mannschaft aus?

Hartmann: Zum einen natürlich der Teamgeist, der beim USV aber schon immer ein fester Bestandteil war. Und dann u.a. die Neuseeländerinnen, die trotz ihres jungen Alters schon viel internationale Klasse mitbringen, wie auch Iva Landeka übrigens. Ich denke, Jena ist mittlerweile in der Lage, die Großen in der Frauenbundesliga zu ärgern, egal ob Wolfsburg, Frankfurt oder Potsdam. Daniel versucht, durch verschiedene Systeme variabler zu sein, um auch den vermeintlich favorisierten Teams Paroli bieten und ab und an ein Bein stellen zu können.  Wenn es gelingt, grundsätzlich etwas mehr Konstanz in die Leistungen zu bringen, gerade auch gegen die „Kleinen“, kann Jena nächste Saison wieder vorne mitspielen wie aktuell auf Platz 5.

Was nehmen Sie mit nach Thüringen aus Ihrer Wolfsburger Zeit?

Hartmann: Eine ganze Menge. Ich habe intensiv erlebt, wie in Wolfsburg gearbeitet wird, sei es im Training oder aber das komplette Drumherum, das sich äußerst professionell darstellt. Vielleicht kann ich einige Ansätze davon mit nach Jena bringen, diverse Dinge, die man noch einbauen kann im unmittelbaren Umfeld. Es waren auf alle Fälle vier schöne Jahre hier.

Jena ist aber etatmäßig von Wolfsburg weit entfernt.

Hartmann: Das stimmt schon. Mit einem Sponsor wie VW im Rücken kannst du natürlich ganz anders wirtschaften. In der Frauenbundesliga gibt es nur drei oder vier Vereine, die diese Art Großsponsoren haben. Aber ich beobachte auch, dass die sportliche Leitung in Jena gut arbeitet. Der neue Geschäftsführer Kai-Uwe Hirsch ist sehr engagiert, was Sponsoren betrifft. Man merkt einfach: da tut sich was.

Wolfsburg ist in dieser Saison noch im Kampf um zwei Titel im Rennen. Wie schätzen Sie die Chancen für Ihren VfL ein?

Hartmann: Frankfurt ist in der Meisterschaft zwar aktuell Tabellenführer, kann aber von Potsdam nach den noch zu  absolvierenden Nachholspielen überholt werden. Wir können ebenso bis auf einen Punkt zu Frankfurt aufschließen. Dann muss Frankfurt noch gegen Potsdam ran und am letzten Spieltag zu uns, zudem empfangen wir am 16. Mai Turbine Potsdam zum Heimspiel. Es ist also noch alles drin. Wir haben die Möglichkeit, zwei Titel zu holen – Meisterschaft und Champions-League. Und wir werden mit Sicherheit alles daran setzen, am Ende der Saison möglichst in beiden Wettbewerben ganz vorne zu stehen.

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