Teile und herrsche? – Kommentar zum Konflikt bei Opel

Für Unmut sorgt der Abzug des wohl wichtigsten Modells aus dem Opel-Stammwerk, aber auch die Nachteile, mit denen die Kollegen in den anderen europäischen Werken zu rechnen haben, etwa „freiwillige“ Lohnsenkungen oder die Einführung einer zusätzlichen Schicht ohne Lohnausgleich. In der Belegschaft gibt es keine Zustimmung zu der rein auf Kostenersparnis gerichteten Strategie von Konzernmutter General Motors (GM).

Entsprechend eindeutig und verärgert sind die Reaktionen: Der Frankfurter IG-Metall-Bezirks ¬leiter Armin Schild sagte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, daß Opel kein Kostenproblem, sondern ein Führungsproblem habe – damit ist in erster Linie das Management von GM gemeint. Zudem habe Opel die Existenzangst der Kollegen in Gliwice und Ellesmere Port „eiskalt ausgenutzt“, kritisiert Schild mit Blick auf Lohnkürzungen in den ausländischen Opel-Stand ¬orten. Auch der Betriebsratsvorsitzende von Opel in Bochum, Rainer Einenkel, wirft dem Management vor, die Mitarbeiter der verschiedenen Produktionsstätten gegeneinander auszuspielen.

Wie ist das alles zu verstehen? General Motors wurde nach großen Schwierigkeiten im Zuge der besonders in den USA durchschlagenden Wirtschaftskrise Ende der 2000er Jahre durch eine geordnete Insolvenz und durch hohe staatliche Hilfen wieder auf die Beine gestellt. Statt aber aus dem Niedergang vom weltgrößten Automobilhersteller zum riesigen Pleitier, der nur durch staatliche Unterstützung gerettet werden konnte, zu lernen, werden alte Fehler fatalerweise fortgesetzt.

Statt in die Entwicklung neuer Technologien, in neue Modelle und Antriebsarten zu setzen und zu investieren und Opel den Export in interessante Absatzgebiete zu ermöglichen, wird hauptsächlich gespart: bei den Mitarbeitern, an den Investitionen und an der Entwicklung.

Zusätzlich wird konzerninterner Konkurrenzkampf geführt. Die Autos der südkoreanischen GM-Tochter Daewoo, die seit 2011 offiziell GM Korea heißt, werden unter dem Firmennamen Chevrolet im unteren Preissegment („Billigautos“) angeboten – und damit auch gegen Opel. Hinzu kommen altbackene Top-down-Strukturen intern und eine Unternehmenspolitik, welche die Belegschaft gegeneinander ausspielt und mit Erpressung arbeitet. Dieser autoritäre Leitungsstil spiegelt eine große strategische Hilflosigkeit, die konzeptionell keine Perspektive bietet und auch keine Zukunft hat.

Hier ist ein Punkt erreicht, wo nur die begründete Gegenwehr und Gegenstrategie aller Teile der Belegschaft sowie die Intervention von staatlicher Seite aus der Sackgasse führen können – als eine gemeinschaftliche Aktion. Die Welt und was an sinnvollen Produkten sie braucht, läßt sich nicht mit Zahlen und Geld erfassen. Eine zukunftsfähige Gestaltung, die sich an Gebrauchswerten und den Bedürfnissen und Interessen der Menschen, Produzierende wie Verbraucher, orientiert, sieht anders aus.

kb

Zur WELTEXPRESS-Newsletter-Anmeldung