Schlagworte Berlin
Schlagwort: Berlin
Vom Verstummen – Berlinale Wettbewerb: Semih Kaplanoglu schmiert mit „Bal“ dem...
Berlin (Weltexpress) - Auf manche Filme freut man sich und ist dann doch ob des Gesehenen, nein, nicht enttäuscht, aber im gewissen Sinne unfähig, den gerade erlebten Film zu beurteilen, ihn gar zu bewerten. So geht es uns mit „Bal“, was im Türkischen Honig bedeutet. Denn Honig ist es, der diese dreiköpfige Familie erst ernährt und dann ins Unglück stürzt. Buchstäblich stürzt, denn die Alpträume der zurückgebliebenen Ehefrau lassen den Bienenzüchter, der in der eigenen Gegend keine Bienen mehr vorfindet, wo sie bisher an hoch in den Wipfeln hängenden Körben fleißig Honig gaben, weiter weg ins Gebirge wandern, wo sie, die Ehefrau, ihn nächtlich vom Baum fallen sieht. Was mit ihm wirklich geschieht, weiß man nicht, nur daß der sechsjährige Sohn erwachsen werden muß und für immer den Vater suchen wird, deutet sich an.
Anatomie einer Rache – Berlinale Wettbewerb: Der Iraner Rafi Pitts zeigt...
Berlin (Weltexpress) - Eigentlich sollen Filme für sich selbst sprechen und es wäre auch nicht so, als ob des iranischen Regisseurs Opus „Zeit des Zorns“ das nicht könnte. Wenn aber anschließend an die erste Filmvorführung ein Pressegespräch mit dem Filmemacher und den Mitwirkenden stattfindet und dabei wichtige Dinge gesagt werden, kann man im Nachhinein beim Schreiben nicht so tun, als ob man es nicht im Kopf hätte, schlimmer noch: als eigene Meinung ausgeben. Die entscheidende Aussage des Regisseurs ist dabei, daß er sich zuständig fühlt dafür, die Fragen, hoffentlich die richtigen Fragen, zu stellen und er die Antworten dann dem Zuschauer, der Kritik und sonstwem überläßt. Das gilt nicht nur für die Geschichte selbst, sondern für viele kleine Szenen, die man so oder so auslegen kann, wovon noch zu sprechen ist. Zuerst aber die Handlung.
Weltpremiere: Die Berliner Philharmoniker live auf der Kinoleinwand
Berlin (Weltexpress) - Wim Wenders als begeisterter Anhänger neuer Technik hatte bereits vor Jahren die Vision, mittels der digitalen Technik jeglichen Film aus dem Weltraum, sprich Internet, direkt auf die Kinoleinwand zu holen. Praktisch ein freier Zugriff auf ein universelles Programm. So weit ist es noch nicht, denn die Kinos müssten, wenn auch nicht völlig um-, so doch teilweise neu ausgerüstet werden. Nicht wenige Filmemacher und Kinofreunde geben zudem dem guten alten 35-mm-Film, der seine unverwechselbare Ästhetik hat, den Vorzug.
Ausreiseverbot für den iranischen Regisseur Jafar Panahi
Berlin (Weltexpress) - Jafar Panahi, einer der bedeutendsten iranischen Regisseure und Ehrengast der diesjährigen Berlinale, ist die Ausreise aus dem Iran verweigert worden. Mit seinem Film Der Kreis gewann Panahi 2000 den Goldenen Löwen und mit Offside 2006 einen Silbernen Bären.
Nomen est Omen: Die Gärten der Könige
Frankfurt am Main (Weltexpress) - Ein wahres Kaleidoskop alter preußischer Glorie und deren Gartenpracht haben die Autoren Marina Heilmeyer und Hans Bach in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg aufgefaltet. Wenn beim Blättern durch das im Februar 2010 im Prestel Verlag erschienene Buch unsere Augen durch die Parks und an deren Architekturen vorbeischlendern, dann kommt man der Idee des Gartens als Ort der Besinnung, der Wiederbelebung aber auch der Belehrung näher, wie im Klassizismus angedacht. Ebenso finden sich aber auch jene barocken Spolien der Gartenarchitektur, die nicht um 1800 nach englischem Vorbild umgepflügt worden waren. Die Gärten der preußischen Könige widerspiegeln also nicht nur die eine schöpferische Idee, sondern reflektieren eine Vielzahl sich verändernder Moden und geistiger Ideale. Sowohl die Watteauschen Romanzen, als auch die ad fontes Bewegungen des Humanismus haben in den königlichen Gärten der Hohenzollern ihre Spuren hinterlassen.
Tränen beim Frisör – A PERM bei den Berlinale Shorts 2010
Berlin (Weltexpress) - Was man sieht ist ein Mädchen beim Friseur. Der 19-Minüter der Koreanerin Lee handelt von nichts anderem. Sie sitzt vor dem Spiegel, während ihr eine Dauerwelle (A PERM) verpasst wird. Der Zuschauer ist beim chemischen Prozedere der Haarwellung in dem kleinen xxx Salon einer einfachen Wohngegend dabei und nichts ungewöhnliches passiert. Zwei Friseusen kommentieren kichernd das Fernsehprogramm, während sie nebenbei zum Nebenverdienst Kugelschreiber zusammen schrauben. Ihre Kundin blickt trostlos.
Gottesdienst – Berlinale Wettbewerb: Koji Wakamatsu legt mit „Caterpillar“ erschütternde menschliche...
Berlin (Weltexpress) - Gottesdienst, wie anders sollte man die Dienste bezeichnen, die Shigeko (Sinobu Terajima) an ihrem Mann, der aus Krüppel aus dem chinesisch-japanischen Krieg kommt, mildtätig, mit zusammengebissenen Zähnen und immer wieder mit Wutausbrüchen vollzieht? Denn ’war god“, Kriegsgott, werden in Japan diejenigen benannt, die als ehemalige gewesene Menschen, als Invaliden, eben menschliche Wracks nach Hause kommen. Wie Kyuzo Kurokawa (Shima Ohnishi), der frohgemut für Vaterland und Kaiser in den Krieg gegen China zog, und hochdekoriert ohne Arme, ohne Beine, ohne Sprachfähigkeit und mit verbranntem Gesicht noch mitten im Krieg heimkommt. Von der Ehefrau erwarten nun Vaterland, Kaiser, Familie und die ganze Dorfgemeinschaft, daß sie dem Krüppel das Leben lebenswert macht, ihn pflegt und hegt.
Eine Frau, ein Gewehr und eine Nudelküche auf Altchinesisch, aber ganz...
Berlin (Weltexpress) - Gehen Sie rein, wenn Sie diesen Film angekündigt sehen. Er macht Spaß auf vielen Ebenen und berührt viele Ihrer Organe, vielleicht am allermeisten aufgrund der wunderbarsten Farben der Natur und der Kostüme den Sehsinn, wenngleich auch die Lachmuskulatur gefordert wird, aber auch das Hirn bekommt Nahrung, wenn Sie eine ewiggültige Geschichte erleben, die ins alte China versetzt ist, und Sie nun das Geschichtliche von dem trennen, was war, was ist, was sein wird, nämlich daß es nicht gut ausgeht, wenn ein alter reicher Geizkragen, Besitzer einer Nudelküche auf dem Land, sich eine junge schöne Frau hält, die endlich mit dem ach so schüchternen Koch Liebe erlebt. Am Schluß sind alle beteiligten Männer tot, die Frauen überleben und das ist doch wirklich einmal etwas Neuen im Kino.
Ein Vater zu viel? – Ein junger Dokumentarfilmer auf Spurensuche bei...
Berlin (Weltexpress) - Seinen leiblichen Vater kennt Jan Raiber kaum. Nur ein paar vage Erinnerungen aus der frühen Kindheit sind ihm geblieben von dem Mann, über den seine Mutter nie sprechen wollte. In einer Reportage begibt sich der 28-jährige auf die Suche nach seinem leiblichen Vater. Von sich aus will seine Mutter das Thema nicht ansprechen. Da liegt etwas im Verborgenen. Schließlich gibt sie ihrem erwachsenen Sohn doch Auskunft. Jan findet seinen leiblichen Vater, es kommt zum persönlichen Gespräch, endlich hat man doch zueinander gefunden. Aber da liegt immer noch etwas im Verborgenen. Jan ist nichts der einzige, der davon nichts ahnt.
Preis der Heilung – Schlichte und wundersame Allegorie im Berlinale Panorama...
Berlin (Weltexpress) - Tierlaute. Winterland. Ein mittelalter Mann kommt aus der hügeligen Einöde in eine demolierte Kleinstadt und wirkt, als ängstige er sich vor Verfolgern. Er sieht ein Kind im Fluss treiben, fischt es heraus, schüttelt es wild. Der Junge lebt wieder und seine ältere Schwester dankt dem Retter. Der nennt sich Kosmos und sie wird Neptün, die fortan mit ihm fast nur in der Krähensprache kommuniziert. Unser schmuddeliger Held klettert begabt und sucht die Liebe, nachdem er ein Geldbündel unter einem Stein versteckt.