Prospero im Gehäuse – „The Tempest“ von Thomas Adès als deutsche Erstaufführung an der Frankfurter Oper

im Boot v.l.n.r Sungkon Kim (Sebastian), Simon Bailey (Gonzalo), Michael McCown (Antonio; stehend) und Richard Cox (Alonso) sowie Ensemble (im Schattenriss)

Frankfurt am Main (Weltexpress) – Regisseur Keith Warner hat kein Vertrauen zur Musik seines 1971 geborenen Komponisten von „Der Sturm“, der Shakespeares letztes Stück vertonte, wieder einmal dieses Spiel von Gedanken und Traum in Töne setzte. Das mag man glauben, wenn man das ungeheure, die Sinne verwirrende wie betäubende, bunte und hektische von Oben, von Unten und von der Seite kommende Durcheinander im zweiten Akt erlebt. Da hat der Regisseur des Guten – tolle Ideen, perfekte Ausführung – einfach zu viel und der zeitgenössischen Musik damit keinen Gefallen getan, denn sie kann sich doch durchaus hören lassen und wie in der Pause ein Zuhörer sagte: „Sie hat gar nicht wehgetan.“ Aber es gibt ja auch den Anfang dieser Oper, der leise und zischelnd und säuselnd daherkommt und uns mitnimmt auf eine Reise durch die Lüfte, wo nichts mehr bleibt wie es war. Und es gibt das Ende im dritten Akt, der bei aller Harmoniesüchtigkeit doch auch realistisch Unversöhnliches beläßt, mit einem hinreißend bärbeißigen Abgang des bösen Bruders Antonio (Michael McCown) als pubertierender Trotzkopf.

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