Ein analoger Rechner vor 2000 Jahren, der auch noch die Olympiaden berechnet – Serie: „Ex Oriente Lux? Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft“ zeigt das Landesmuseum Natur und Wissenschaft Oldenburg (Teil 2/3)

Der Antikythera-Mechanismus

Frankfurt am Main (Weltexpress) – Richtig also, daß die Ausstellung mit den kleinen Keilschrifttäfelchen beginnt, denn die Verschriftlichung von Wissen, die voraussetzt, daß der andere dies lesen kann, ist das erste Mittel der Wissensfixierung und Weitergabe. „Der alles sah, bis an die Enden der Erde, Der alles erfuhr, alles kennenlernte, Der alle Geheimnisse durchschaute, Die Decke der Weisheit, die alles verhüllt.“, beginnt das Gilgamesch Epos in sumerischer Keilschrift fast 3000 Jahre vor Chr., eine der ältesten Schriftzeugnisse der Welt. In Oldenburg aber geht es um Wissensgeschichte und also haben all die Schriftzeugnisse in der Ausstellung einen naturwissenschaftlichen Inhalt. Das ist eine tolle Idee, die zeigt, wie sehr die Naturwissenschaften auf die Schrift angewiesen waren. Die Schrift allerdings wurde über Literatur an andere Völker weitervermittelt, das phönizische Alphabet ermöglichte das Griechische, das zum Römischen führte und zu all unseren heutigen europäischen Schriften, einschließlich der arabischen. Denn das ist letzten Endes das Hauptthema der Ausstellung, daß die Vermittlung alten Wissens über die Wissenschaftsgesellschaften Ägypten und Griechenland nur mittels der Araber – „als die Wissenschaft Arabisch sprach“ – auch Europa erreichten, bevor mit den Humanisten und den aus Byzanz nach Venedig gekommenen Kardinal Bessarion und seinen Kreis das Griechische und damit Originale und Übersetzungen durch Drucker Aldo Manutius wieder hoffähig wurden und eine genuin europäische Wissensentwicklung in Gang setzten.

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