„Planet“ – geschichtsträchtige Forschung zur See – Serie: Ein Spannungsbogen zwischen Deutscher und Kaiserlicher Marine (Teil 1/2)

SMS Planet

Damals war das deutsche Reich noch Kolonialmacht. Um sicher in die Kolonien zu gelangen, das ging nur per Schiff, doch zuverlässige Seekarten für die Riesenseeräume waren Mangelware. Der Kaiser brauchte also Vermessungsschiffe und entsprechendes Fachpersonal. Mitte März 1908 wurde die gesamte Vermessungstätigkeit in das neu gegründete „Nautische Department“ unter einem Admiral verlegt, der über weitgehende Vollmachten verfügte.

Von 1896 bis 1904 nahm die SMS „Wolf“ das Seegebiet von Kamerun mit all seinen Flussmündungen topographisch neu auf, bis es von der „Planet“ abgelöst wurde, die außer Küstenvermessungen auch die Hochseevermessung bis zur 100-Meter-Tiefenlinie vornahm. Von den Stationskreuzern „Panther“ und „Sperber“ wurde sie dabei unterstützt.

Der Dauereinsatz stellte Schiff und Besatzung der kleinen „Planet“ vor höchste Anforderungen, die zu wiederholten Werftaufenthalten zwangen. Bis August 1914 war ein Seegebiet von 22.000 Seemeilen ausgelotet und auf hochwertige Admiralsstabskarten dokumentiert worden.

Der Admiralstab zog aus den personellen Engpässen mit kaiserlicher Zustimmung die Konsequenzen: Er erließ 1901 neue Richtlinien für das maritime Personalwesen. Laufbahnanwärter mit hoher Qualifikation stützten sich auf Empfehlungen durch das „Nautische Department“.

Anspruchsvolle Vermessungsaufgaben

Für die „Planet“ brachte der Dauereinsatz höchste Belastungen von Mensch und Material, die auf Dauer kaum zu verkraften waren. Der Kommandant beklagte in zahlreichen Eingaben die zu bescheidene Größe des Schiffskörpers: Die nur 59,50 m lange „Planet“ (Wasserverdrängung 826 Tonnen) litt unter akutem Platzmangel auch für die 103 Mann starke Besatzung. Wissenschaftliche Geräte mussten auf engstem Raum untergebracht werden.

Pläne, größere Vermessungsschiffe bauen zu lassen, gab es in der Admiralität schon seit längerer Zeit, doch fehlten die Mittel zu ihrer Realisierung. Laut kaiserlichem Dekret genossen Kampfschiffe absoluten Vorrang bei den Neubauplanungen.

Internationale Anerkennung erwarb sich die „Planet“ durch die Rückführung aller durch einen Taifun schwer verletzten Bewohner der Karolinen-Insel Uluthi nach Yap. In Fortsetzung ihrer Vermessungstätigkeit ortete sie westlich der Insel Bougainville ein 8.045 m tiefes Loch im Ozean-Keller.

Anfang 1908 lief das Schiff bei den Palau-Inseln an, in deren Seegebiet umfangreiche Phosphat-Vorkommen entdeckt worden waren und einen starken Schiffsverkehr erwarten ließen, so dass anspruchsvolle Vermessungsaufgaben erfüllt werden mussten.

Auf Yap in Quarantäne

SMS „Planet“ plagten erneut schwere Kesselschäden, die zu einem längeren Werftaufenthalt in Singapur zwangen. Da die eigene Kolbendampfmaschine zusammengebrochen war, musste gesegelt werden. Die Reparatur dauerte bis zum 25. September. An einen geregelten Dienstbetrieb war jedoch nicht zu denken. Über 80 Prozent der Besatzung litten an Typhus, so dass sich der Kommandant entschloss, das Schiff in die Blanchebucht zu führen und dort in Quarantäne zu legen.

Der frisch eingetroffene Hilfskreuzer „Cormoran“ übernahm die Besatzungen der „Planet“ und des „Peilbootes III“. Auf der Insel Yap hielten sich noch ein Zahlmeister und zwölf Kranke auf. Es gelang ihnen, die „Planet“ zu versenken und ihre Funkstelle gründlich zu zerstören.

Am 7. Oktober setzte das Linienschiff „Satsuma“ (19780 Tonnen) ein 300 Mann starkes Landungskorps ab, das die Deutschen gefangen nahm und nach Osaka brachte. Alle Versuche der Japaner, das Wrack der „Planet“ zu bergen, blieben bis Mitte Oktober erfolglos, erst am 8. Oktober konnten sie das Schiff nach Osaka schleppen.

Nach dem Kriegsende ruhte sie Seevermessungsaktivität zunächst. 1919 regten sich erste Anfänge. Die Spezialschiffe „Triton“ und „Panther“ nahmen Küstenvermessungsaufgaben unter den deutschen Küsten wahr.

Der damalige Chef der Marineleitung, Admiral Behncke, forderte schon 1920 die Wiederaufnahme der meereskundlichen Forschung.

Die militärische Frage

Seit 1861 der deutsch – chinesische Handelsvertrag die Aufmerksamkeit in Deutschland auf die Bedeutung eines Stützpunktes in Ostasien gelenkt hatte, gingen immer wieder dementsprechende Vorschläge in Berlin ein. Handelspolitische Gründe waren die eine, militärische Gründe (Kohlenstation) die andere Motivation dafür.

Erst der chinesisch – japanische Krieg 1894/95 und die damit in Zusammenhang stehenden neuen Gebietserwerbswünsche der europäischen Großmächte, zu denen nun auch Japan hinzukam, brachten eine Intensivierung des Gedankens.

Die militärische Stützpunktfrage hatte inzwischen eine größere Bedeutung dadurch bekommen, dass die modernen Schiffe der neu aufgestellten Ostasiatischen Kreuzerdivision mehr als früher auf Kohlenergänzung und auch auf ein regelmäßiges Eindocken angewiesen waren: Dafür standen bis dahin aber lediglich Nagasaki und Hongkong zur Verfügung, wo das Dock ein dreiviertel Jahr vorher bestellt werden musste.

Qingdao – Deutschland in Ostasien

1896 beschloss die Reichsregierung, den Erwerb eines Stützpunktes aktiv zu betreiben. Ein Übergriff auf deutsche Missionare, bei dem zwei von ihnen getötet wurden, bot den Anlass, ein Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine unter Konteradmiral Diederichs zu entsenden und China ein Ultimatum zur Überlassung eines Pachtgebietes zu stellen. Angesichts der militärischen Übermacht gab China nach. Ein Pachtvertrag auf 99 Jahre wurde am 6. März 1898 unterzeichnet.

Die Stadt wurde zu einem deutscher Kolonial – Handelsstützpunkt. Solche Bestrebungen lassen sind in Preussen bis in das Jahr 1859 zurückverfolgen, als dort erstmals ein Geschwader der preussischen Marine operierte. Handels- und Marinekreise waren seit der Öffnung Chinas in den Opiumkriegen daran interessiert, dem deutschen Chinahandel den notwendigen militärischen Rückhalt zu verschaffen, ohne den deutsche Kaufleute nur schwer hätten Fuß fassen können. Auch andere Staaten, darunter Großbritannien, Russland und Frankreich schufen sich zwischen 1842 und 1899 Handelsstützpunkte in China.

Persönlicher Beitrag

Von 1897 bis 1914 stand Qingdao als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebietes Kiautschou“ unter deutscher Herrschaft. Aus dieser Zeit sind viele Bauten erhalten, so z. B. eine Brauerei, ein Bahnhof, eine katholische und eine protestantische Kirche sowie das Gästehaus des Gouverneurs.

Das „Deutsche Schutzgebiet“ Qingdao war einer der Schauplätze des „Boxeraufstandes“ von 1900, in dem versucht wurde, die Kolonialherren auch China zu vertreiben. 1913 bestand die Stadtbevölkerung aus 53.312 Chinesen, 2.069 Europäern und Amerikanern, 2.400 Soldaten der Garnison, 205 Japanern und 25 anderen Asiaten.

Ehrgeiziges Projekt

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges, am 7. November 1914, wurde Qingdao nach drei Monaten Belagerung von Japan besetzt. 5.000 Deutsche leisteten Widerstand, der jedoch gegen die Übermacht von 30.000 Japanern nicht zu halten war. Das Ostasiengeschwader floh in den Pazifik. Daraufhin strömten japanische Kaufleute und Gewerbetreibende in die Stadt. Es entstand ein Japanerviertel, in dem 1920 bereits 17.597 Japaner lebten, die wie die Deutschen den Ehrgeiz hatten, eine Musterkolonie aufzubauen.

Die deutschen Verteidiger wurden nach Japan in Kriegsgefangenschaft verbracht. Sie lebten dort in mehreren Lagern und wurden teilweise erst 1920 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages blieb die Kolonie zunächst in japanischer Hand. Die Rückgabe an China erfolgte erst am 10. Dezember des Jahres 1922. In der Folgezeit führten die bürgerkriegsähnlichen Zustände der Kriegsherren-Epoche zu wirtschaftlicher Stagnation.

Unter nationalchinesischer Regierung und nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die USA Qingdao zeitweise als Flottenbasis. Dies fand 1949 ein Ende, nachdem die Stadt von den chinesischen Kommunisten eingenommen worden war.

In der Nähe des Hafens befand sich 1986 ein U-Boot-Stützpunkt der Volksbefreiungsarmee.

Die Stadt heute

Aus Qingdao ist inzwischen eine typische chinesische Millionenstadt geworden. Dem Bauboom mussten viele alte Kolonialbauten weichen. Bis in die 1990er Jahre wurden viele von ihnen abgerissen, denn für manche galten sie als Schandmal der Kolonialgeschichte.

Jedoch sind die bedeutendsten Gebäude von damals erhalten geblieben und von der Stadt geschützt.

Wirtschaftlich entwickelte sich Qingdao nach der Öffnung Chinas im Jahr 1978 sehr schnell. Als Tiefseehafen ist Qingdao bedeutend für die Öl verarbeitende Industrie und den Güterverkehr der gesamten Halbinsel Shangdong. Die Stadt besitzt den drittgrößten Hafen Chinas und den neuntgrößten der Welt.

Tourismus

Qingdao ist einer der wenigen bedeutenden Badeorte in China. Die Deutschen gaben der Stadt den Beinamen „Neapel am Gelben Meer“. In der Nähe der Stadt befindet sich der Lao Shan mit dem daoistischen Tempel „Taiqing gong“, ein beliebter Ausflugsort.

Von der deutschen Kolonialzeit sind noch die evangelische Kirche, die Gouverneursvilla, der Pier Zhan Qiao, Teile des deutschen Bunkersystems (das man besichtigen kann) und einige andere deutsche Kolonialbauten erhalten. Allerdings wurde das einzigartige Panorama der Stadt durch Hochhausbauten teilweise zerstört.