Ost gegen West, arm gegen reich, unten gegen oben – In Berlin steigt das Derby zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC

Ein kluger Kollege, Sportjournalist und WELTEXPRESS-Autor, formuliert das so: „Hertha spendiert seinen Spielern 13,3 Millionen Euro Gehalt. Unions schmales Füllhorn gibt zwei Drittel weniger her. Union hat knapp 7000 Mitglieder, Hertha fast 19000. Hertha kickt im Olympiastadion vor fast 50000 Zuschauern, Union An der Alten Försterei vor 15000 Zuschauern. Herthas Stadion baute der Berliner Senat anläßlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 um. Unions Stadion wurde zu großen Teilen von den eigenen Fans frisiert. Als Krösus Hertha staatlich subventioniert ein neues Stadion bekam, guckte der Bettelknabe Union in die Röhre. Da halfen keine Demos und kein Geschrei. Erst Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes brachten die Senatsverwaltung in Zugzwang. Es ist das uralte und doch immer junge Duell zwischen David und Go ­liath. Die reiche, gut riechende Tante aus dem Westen. Gegen die eisernen Schmuddelkinder aus dem armen Berliner Vorort.“

Auch sportlich ist die Frage nach dem Favoriten schnell beantwortet. Ein Blick auf die Tabelle spricht Bände. Nach drei Spieltagen stehen die Westberliner auf dem dritten Platz. Drei Siege brachten neun Punkte. Die Ostberliner hingegen spielten einmal unentschieden und verloren zwei Mal. Mit nur einem Punkt stehen sie sich auf dem 15. Platz. Mit anderen Worten: oben gegen unten.

Frank Willmann schreibt: „Rechtes Flußufer gegen linkes, Stadtteil gegen Stadtteil, Kulturkreis gegen Kulturkreis. Wer ist der Beste? Heute spielen Berlins erfolgreichste Fußballer gegeneinander. Und die sind so erfolgreich, daß sie zweitklassig sind.“

Das ein Aufstiegskandidat gegen einen Abstiegskandidaten kickt, das weiß auch Union-Trainer Uwe Neuhaus: "Hertha ist gut drauf, wir haben große Probleme." Doch seine Elf um Kapitän Mattuschka, der das Runde mitunter wie ein rohes Ei zu behandelt weiß, wird sicherlich alles versuchen, der "Alten Dame" wie die einen oder „Tante Hertha“ wie die anderen sagen, am heutigen Freitagabend (18 Uhr in Köpenick) ein Bein zu stellen. Hertha-Trainer Markus Babbel denkt noch über sein taktisches System nach, Perdedaj ist als zweiter Sechser eine Option.

Wie auch immer: Rasen und Ränge könnte „brennen“, denn „zwei völlig verschiedene Vereine, mit grundverschiedenen Welt- und Wahnvorstellungen in Fußballangelegenheiten“ prallen aufeinander. Die einen werden in Rotweiß für Union auflaufen für einen Klub, der Kult sein will „der seine Arbeitertradition immer wieder betont und ein Verein der kleinen Leute sein will“, die anderen werden in Blauweiß für Hertha, die sich „schon immer zu Höherem berufen fühlte und Hauptstadtclub als Marke wählt.

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