Nachhaltigkeit zwischen Werbung und Erfolgsstrategie – Das Beispiel Volkswagen oder Wofsburger wollen bis 2018 der ökonomisch und ökologisch erfolgreichste Autobauer werden

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Doug Miller von der Unternehmensberatung Globe Scan schrieb den Anwesenden die Dringlichkeit einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung ins Stammbuch. Auf der Grundlage jahrelanger Befragungen in verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten stellte Miller fest, daß es „trotz der Wirtschaftskrise“ eine „tiefgreifende und anhaltende Besorgnis“ um die ökologischen und Klimaprobleme gibt. 70 Prozent der Befragten stimmten zu, daß die gegenwärtigen sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen die größte Krise der Menschheitsgeschichte darstellten, stellte Miller fest.

Dabei ist „die Unzufriedenheit mit der Rolle der Wirtschaft“ sehr hoch, so Miller weiter. Es klaffe eine „große Kluft“ zwischen den öffentlichen Erwartungen und dem realen Auftritt der Konzerne. 58 Prozent der Beschäftigten von Großbetrieben sehen eine Kluft zwischen den Konzernaussagen zu sozialer und Umweltverantwortung und dem tatsächlichen Verhalten, nur 35 Prozent sehen diese Kluft nicht. Sage und schreibe 88 Prozent der Befragten befürworteten Maßnahmen der Regierungen, um die Firmen „zu zwingen, Mensch und Umwelt verantwortungsvoller zu behandeln“.

Wolfram Thomas ist der VW-Konzernbeauftragte für Umwelt. Er zeichnete vor der versammelten internationalen VW-Mannschaft die Eckpunkte der Unternehmensstrategie nach: Bis 2018 will Volkswagen ökonomisch und ökologisch der weltweit führende Automobilkonzern sein. Nachhaltig wolle man sein, „weil unsere Wettbewerber es tun“, so Thomas, weil die Kunden es erwarteten, weil sogar die Investoren ihre Entscheidungen „zunehmend auf das Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens stützen“ und weil staatliche Initiativen entsprechende Maßnahmen erforderten.

Nachhaltigkeit, so Thomas weiter, bezieht VW ökologisch auf seine Umwelt- und CO2-Strategie, Ressourceneffizienz und Produktverantwortung. Sozial stehen Arbeitsplätze, die Gesundheit und Sicherheit der Belegschaft, Standards für Lieferanten und die Mitbestimmung im Vordergrund. Mit ökonomischer Nachhaltigkeit meint VW vor allem die Unternehmensführung, einen Verhaltenskodex und Innovationen.

An konkreten Zielen bedeutet das: Konzernweit soll jedes neue Automodell zehn bis 15 Prozent weniger verbrauchen als sein Vorgänger – beim neuen Golf sind es zwölf Prozent. Die durchschnittliche Flottenemission soll bis 2015 unter 120 g/km CO2 liegen – 2011 lag sie bei 137 g/km. Auf Produktionsseite will VW bis 2018 ein Viertel weniger an Energie, Wasser, Abfall, Lösemittel und Kohlendioxid verbrauchen als 2010. In allen diesen Bereichen liegt der VW-Konzern teilweise mit großem Abstand hinter den führenden Wettbewerbern, die jedoch anders als VW häufig keine verbrauchsintensiven Lkw im Angebot haben. Dabei will man den gesamten Lebenszyklus eines Autos in den Blick nehmen, von der Produktentwicklung über Beschaffung, Produktion und Vertrieb bis zur Nutzung und Verschrottung.
Nun sollen die Konzernaktivitäten markenübergreifend koordiniert werden, damit Erfahrungen wie im portugiesischen Werk in Palmela, wo die bislang ungenutzte Abluftwärme nun für den Lackofen verwendet wird, auch von anderen Werken übernommen werden können.

Der Wandel ist im vollen Gange. Die Öffentlichkeit verlangt angesichts drückender globaler Probleme relevante Veränderungen. Das äußert sich auch in einem rationaleren Kaufverhalten: Wo vorher PS und Spitzentempo galten, sind nun niedrige Verbrauchswerte gefragt; wo vorher freie Fahrt gefordert wurde, achtet man nun auf Sicherheit und Umwelt; wo einst mit maskuliner Sportlichkeit geprotzt wurde, hat eine neue Sachlichkeit Einzug gehalten.

Mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik muß also auf die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Verbraucher eingegangen werden, denen sich auch die Politik nicht verschließen kann. Das ist der Motor eines grundlegenden, überaus spannenden Wandels in der (Auto-)Mobilität, der auch die technologischen Innovationen antreibt. Das wird der Prüfstein für alle Ankündigungen und Maßnahmen der Unternehmen in punkto Nachhaltigkeit sein.

kb

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