Nach dem Dreiergipfel von Erdogan, Putin und Rohani in Teheran, während des Mega-Manövers „Wostok 2018“ und vor der Rückeroberung der Dschihadistenhochburg Idlib

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Putin, Rohani und Erdogan in Teheran Anfang September 2018.
Putin, Rohani und Erdogan Anfang September 2018 in Teheran. © Iranian Presidency office

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan teilte via „The Wall Street Journal“, dass er versucht habe, Wladimir Putin und Hassan Rohani zu einer Waffenruhe in Syrien zu bewegen.

Mit dem Versuch ist Erdogan offensichtlich gescheitert. Die Streitkräfte der Arabischen Republik Syrien wollen die Dschihadistenhochburg Idlib zurückerobern. Schon vor Wochen hieß es im WELTEXPRESS: Idlib vor der Bodenoffensive oder den „Terroristen in Idlib den letzten Todesstoß“ verpassen. Die Monate zuvor gab es nur Vergeltungsschläge (vgl. Krieg in Syrien: Russisches Kampfflugzeug abgeschossen, Pilot tot – Vergeltungsschläge gegen Dschihadisten in Idlib, mehrere Tote).

Laut dem US-amerikanischen Info-Unternehmen „Bloomberg“ habe sich Putin „geweigert“, den Vormarsch abzusagen. Die Luftangriffe auf gegnerische Stellungen werden fortgesetzt. Die Offensive am Boden steht kurz bevor. Ist deswegen der Dreiergipfel Anfang September 2018 in Teheran gescheitert?

Erdogan lässt weitere Soldaten und Kriegsgerät an der Grenze zu Syrien auffahren und stockt seine Truppen in Syrien mit Mann und Munition auf. Die ein Dutzend Forts im Feindesland werden verstärkt.

Die Türkei betrachte, so heißt es in Ankara, die verstärkte Präsenz ihrer Truppen in Idlib als Abschreckungsmittel gegen eine Bodenoffensive auf die Dschihadistenhochburg durch Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen Verbündeten, also Russen und Syrer.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur „Anadolu“ am Montag seien Haubitzen und Panzerfahrzeuge auf dem Weg nach Idlib gesichtet worden.

Will Erdogan seine Truppen allen Ernstes gegen Syrer, Russen und Iraner, die ihre Truppen ebenfalls verstärken und vorrücken lassen, in den Kampf schicken?

Spielt Erdogan mit dem Feuer?

Verstärkt haben auch die USA ihre Truppen in und um Syrien wie vor einem Showdown.

Wer das alles für Theaterdonner und ungefährlich hält, der darf als Naiv bezeichnet werden. Zwar müssen Stellvertreterkriege nicht ausarten, sie waren allerdings oft genug in der Geschichte Vorboten für Großkriege.

Angesichts dieses drohenden Unheils schickten Moskau und Peking ihre Truppen zu einem Mega-Manöver nach Sibirien. Wladimir Putin und Xi Jinping stießen in Wladiwostok auf ihr Wohlergehen an. An der Übung „Wostok 2018“ („Osten 2018“) nehmen alle rund 300 000 Soldaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit 3600 Panzern, zwei Flottenverbänden und 1000 Flugzeugen und Hubschrauber teil.

Nicht nur die Türken sollten gewarnt sein, sondern vor allem die US-Amerikaner, aber auch ihre europäischen Vasallen, allen voran die Deutschen. Syrien gehört den Syrern und die Assad-Regierung in Damaskus hat Iraner und Russen um Hilfe gebeten – und sie sind ihnen zur Hilfe gekommen -, nicht Türken, US-Amerikaner und Deutsche.

Diesen Stellvertreterkrieg werden die Russen gewinnen. Der Regime-Change-Versuch der US-Amerikaner ist gescheitert. Sie sollten ihre Positionen in Syrien aufgeben, ihre Provokationen unterlassen und ihren Plan ad acta legen. Die Frage ist: Begreift US-Präsident Donald Trump das und ist er noch Herr im Weißen Haus oder will er seinen Präsidentenkrieg wie so viele Präsidenten vor ihm? Wenn ja, dann riskiert er, dass aus einem Stellvertreterkrieg ein Weltkrieg wird.

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