Mit Vorfreude und natürlich Euphorie startet Aufsteiger SC Sand in die „Allianz Frauenbundesliga“ – Hauptsponsor Hilzinger Fensterbau aus Willstätt, ein familiengeführtes Unternehmen, bleibt weiterhin im Boot der Sponsoren

Dieter Wendling (SC Sand) © Dietmar Tietzmann
Frühzeitig aufgestiegen ins Liga-Oberhaus Bundesliga
Die Frauenfußball-Abteilung des SC Sand wurde im Juli 1980 gegründet und nahm zwei Jahre später am Spielbetrieb teil. Der SC Sand wird neben dem Herforder SV in der kommenden Saison in der „Allianz Frauenbundesliga“ spielen. Dank beeindruckender souveräner Leistungen in den vergangenen Monaten haben die Frauen aus Südbaden den großen Erfolg frühzeitig perfekt gemacht.  „Wir freuen uns riesig auf das Abenteuer Bundesliga", erklärt der 59-jährige Cheftrainer Dieter Wendling, der durchblicken lässt, dass sein Verein vor einer großen Herausforderung steht. In den vergangenen Jahren hatten Aufsteiger meist große Probleme, den Klassenerhalt zu schaffen.
Wendling: Wir werden den Kader breiter aufstellen
Ganz Realist hierzu meint der Aufstiegtrainer: „Natürlich spielen wir gegen den Abstieg. Ich bin aber von unserem Potenzial überzeugt. Wir hatten sicher in dieser Saison das Glück, dass unsere  Leistungsträgerinnen kaum verletzt waren. Das kann sich ändern. Wenn wir allerdings unseren Kader entsprechend etwas breiter aufstellen, werden wir solche Situationen auffangen können." Als der jetzige Tabellenfünfte der 1. Frauenbundesliga FF USV Jena noch in der zweiten Bundesliga Süd spielte, waren Duelle gegen den SC Sand an der Tagesordnung. Unvergessen ist noch immer das Aufstiegsspiel 2008, das vom FF USV Jena mit 1:0 durch ein Tor von Lisa Seiler in der 70. Minute gewonnen wurde. Danach etablierte sich Jena in der Eliteliga des deutschen Frauenfußballs, und der SC Sand geriet aus dem Blickfeld.
Im Pokal-Viertelfinale 2009 gegen 1. FFC Turbine Potsdam nur knapp ausgeschieden
Nur einmal gab es noch ein Zusammentreffen: Im ersten Jahr des Aufstiegs, im Oktober 2009, traf der FF USV auf den SC Sand in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Damals konnte diese Aufgabe im Sinne der Thüringerinnen souverän gelöst werden. Der SC Sand verlor mit einer 0:5 Schlappe. Für den FF USV trafen damals Ivonne Hartmann, Julia Arnold und dreimal Genoveva Anonma.  Und wie auch Jena, so hat sich auch Sand seither verändert und ist durch Höhen und Tiefen gegangen. Nach 2009 drang der SC Sand noch einmal bis ins Viertelfinale des DFB-Pokals vor: der SC Sand sorgte für Furore und schied erst im Viertelfinale mit 0:1 gegen den 1. FFC Turbine Potsdam aus. Das Potsdamer Tor schoss die Afrikanerin Genoveva Anonma. Ansonsten kam der Sportclub nicht über die Hauptrunden hinaus.In der 2. Bundesliga Süd schloss der SC Sand die Tabelle in der Spielzeit 2008/09 noch im Mittelfeld ab, doch in der Saison darauf fand man sich mit 21 Punkten auf dem vorletzten Platz wieder.
Im DFB Pokal 2014 gegen 1. FFC Frankfurt im Halbfinale
Nach der Saison 2010/11 mussten die Sander Frauen als Vorletzter aus der 2. Bundesliga absteigen. Nach dem direkten Wiederaufstieg wurde der SC Sand  in der Saison 2012/13 zur torgefährlichen  Überraschungsmannschaft und belegte am Saisonende den dritten Platz. Bis zum vorletzten Spieltag war der Durchmarsch in die Bundesliga möglich gewesen.  Als einzige Mannschaft konnte der SC Sand damaligen Aufsteiger TSG 1899  Hoffenheim in beiden Spielen besiegen. Meister TSG 1899 Hoffenheim verlor ansonsten gegen keine andere Mannschaft.  Am 15. Dezember 2013 zogen die Südbadenerinnen nach einem 0:2 Auswärtssieg über den FF USV Jena erstmals in das Halbfinale des DFB-Pokal 2013/14 ein. Der SC Sand feierte mit dem Einzug ins Halbfinale den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Das Halbfinale verlor der SC Sand  mit 0:2 Toren gegen den späteren Deutschen Pokalmeister 2014  – 1. FFC Frankfurt  –  im Frankfurter Stadion am Brentanobad.  Es war die einzige Saisonniederlage. In der Meisterschaft blieb der Verein bisher ohne Niederlage.
Zwei Spieltage vor Saisonende ohne Niederlage aufgestiegen
Am 11. Mai 2014 stieg der Verein Sportclub Sand  nach 17 jähriger Abstinenz zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die 1. Frauen-Bundesliga auf, die nächstes Jahr unter dem neuen Namen „Allianz Frauenbundesliga“ ausgespielt werden wird. Die Mannschaft von Cheftrainer Dieter Wendling stand bereits zwei Spieltage vor Saisonende  als Aufsteiger in die 1. Bundesliga fest. Ob Cheftrainer Dieter Wendling in der nächsten Saison noch als Trainer tätig sein wird, ist noch nicht sicher. „Ob ich selbst in der neuen Saison dabei sein werde, ist noch nicht geklärt. Ich bin beruflich selbstständig. Ich muss mir überlegen, ob ich alle Dinge vereinen kann. Meine Zeit wird langsam knapp.“  Auf die Frage,  ob es denn sein könnte, dass er als Aufstiegstrainer den Klub verlässt, antwortete Wendling recht klar: „Nein, ich werde sicher nicht komplett aufhören. Ich werde möglicherweise eine andere Funktion übernehmen. Darüber werden wir in den nächsten Tagen  sprechen. Ganz Abschied zu nehmen kommt nicht in Frage. Dafür ist mir die Sache hier viel zu sehr ans Herz gewachsen.“
Schlüsselspielerinnen Mallory Lofton-Malachi (USA), Allison Scurich (USA/Kroatien), Rebekah Stott (Neuseeland)
Zu den Stützen seines Teams gehörte die Torfrau Mallory Lofton-Malachi. Die 26jährige US-Amerikanerin ließ in der Meisterschaft bisher nur zwölf Tore durch. Wichtige Schlüsselspielerinnen in der Sander Defensive sind Allison Scurich und Rebekah Stott. Erstere ist die groß gewachsene US-Amerikanerin mit dem sprichwörtlichen Zahnpastalächeln, die aus den Mannschaftsfotos der kroatischen Nationalmannschaft immer mit Frohsinn heraussticht. Kein Wunder, sie kommt aus Kalifornien. Bereits zwei Jahre spielte sie in Deutschland, bevor ihr Trainer sie auf die Idee brachte, bei Iva Landeka nachzufragen, ob ihre kroatischen Wurzeln sie zu einem Test bei der Nationalmannschaft befähigen. Seitdem ist sie dort eine Bank, wie auch in Sand. Hier spielt sie nicht nur konstant, sondern hat in dieser Saison auch schon zweimal das Tor getroffen. Die neuseeländische Verteidigerin Rebekah Stott ist die zweite sichere Kantonistin in der Abwehr. Die 20-jährige Neuseeländerin, die sicherlich ein Teil des Duisburger Alptraums wurde, als sie im Pokal traf, gehört zur neuseeländischen Nationalelf – den Ferns.
Punkto Willensstärke absolute Weltklasse
Zusammen mit den anderen Neuseeländerinnen in der 1. Bundesliga  – Abby Erceg, Ria Percival und Amber Hearn – ist Stott in punkto Einsatzfreude und Willensstärke absolute Weltklasse. Die drei erfahrenen Sander Französinnen aus dem benachbarten Elsaß-Lothringen – Stéphanie Wendlinger, Jeanne Haag und Noémie Freckhaus – zählen zum Abwehrteam. Im Mittelfeld verfügt der Aufsteiger über zwei herausragende Spielerinnen mit Erstligaerfahrung:  die Ex-Duisburgerin Anne van Bonn, die auf der 6 und in der Innenverteidigung spielen kann, und die Ex-Potsdamerin Patricia Hanebeck, die im offensiven Mittelfeld die Bälle verteilt. Beide haben schon vorher bei verschiedenen Vereinen gespielt und bringen Ruhe und Routine in jedes Spiel. Die Schweizerische Nationalspielerin Isabelle Meyer zeigte bereits im Spiel gegen Pokalspiel Duisburg ihre Qualitäten. Julia Zirnstein und Andrea Migliazza sind erfahrene Mittelfeldspielerinnen.

Haupt- und Trikotsponsor erhöhte Engagement für nächste Saison
In der Offensive ist mit Christine Veth ein Sandener  Urgestein unterwegs. Veth gilt in der Ortenau auf jeden Fall als eine routinierte Spielerin und Torjägerin. Die derzeitige Topstürmerin   ist momentan die italienische Nationalspielerin Ilaria Mauro mit bereits 23 Treffern in der laufenden Bundesligasaison ins Tor getroffen hat. Der SC Sand hat durchaus Geld in die Hand genommen, um langfristig den Aufstieg anzugehen und eine funktionierende Mannschaft zusammenzustellen, die einen potentiellen Aufstieg auch überleben kann. Hauptsponsor Fensterbau Hilzinger erhöhte sein Budget. Manager Jungmann kümmert sich um weitere Sponsoren aus der Region.
Wendling: Von der Punktausbeute her hätte der 1. FC Köln den Aufstieg verdient gehabt
Für Cheftrainer Dieter Wendling war  der Frauenfußball völliges Neuland. „Deshalb habe ich erst mal mit gar nichts gerechnet. Dass wir eine gute Mannschaft zusammenhaben, wussten wir natürlich. Mehr aber auch nicht. Denn der Start war tatsächlich kompliziert. Wir mussten einige Spielerinnen aus verschiedenen Nationen zusammenbringen. Deshalb hat es anfangs etwas gehakt. Aber wir haben das schnell hinbekommen. Und spätestens seit der Rückrunde sind wir total stabil und sind verdient aufgestiegen. Ich möchte aber auch ein großes Kompliment an unseren Konkurrenten 1. FC Köln schicken. Bis zum 19. Spieltag war das ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Dann hat Köln etwas geschwächelt, das haben wir ausgenutzt. Von der Punkteausbeute hätten beide Teams den Sprung in die Bundesliga verdient gehabt.“
Wendling: Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball sind enorm
Für Wendling war es die erste Station als Trainer im Frauenfußball: „Es war spannend, interessant und herausfordernd. Mir ist auch noch einmal ganz klar bewusst geworden, dass die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball enorm sind. Ich will damit nicht zwischen gut und schlecht differenzieren. Insgesamt ist es einfach etwas anderes. Frauen sind viel gewissenhafter, Männer lockerer. So kann man es vielleicht ganz gut pauschal sagen.“  Der SC Sand plant sich noch personell zu verstärken. „Uns ist bewusst, dass wir uns auf der einen oder anderen Position noch verstärken müssen. Aber dann bin ich zuversichtlich, dass die Mannschaft das Potenzial hat, um dort bestehen zu können. Wir haben einige erfahrene Spielerinnen im Kader, die werden das Kommando übernehmen.“
Wendling: Nur Köln, Saarbrücken und Bochum waren echte Gegner in der 2. Bundesliga
Dieter Wendling sieht es als Vorteil an, im Pokalhalbfinale 2014 von Tabellenführer 1. FFC Frankfurt besiegt worden zu sein: „Im Halbfinale gegen den 1. FFC Frankfurt, dem späteren Pokalsieger, haben wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen. Aber das kann nicht unser Gradmesser sein. Wir haben gegen den MSV Duisburg im DFB-Pokal mit 6:0 gewonnen und beim FF USV Jena mit 2:0. Daraus können wir wichtige Erkenntnis ziehen und viel Selbstvertrauen gewinnen. Das spielerische Niveau der 1. Bundesliga ist zur 2. Bundesliga nicht vergleichbar. Wir hatten mit Köln, Saarbrücken und noch Bochum drei Gegner, die uns vor Probleme gestellt haben. Ansonsten sahen die Spiele meistens so aus, dass wir viel Ballbesitz hatten und dass wir dann zwangsläufig die Tore gemacht haben. Das wird sich auf jeden Fall ändern. Darauf müssen wir uns einstellen. Wenn wir unseren Kader entsprechend etwas breiter aufstellen, werden wir solche Situationen auffangen können.“
Quellen: SC Sand, 1. FFC Frankfurt, FF USV Jena, 1. FC Köln, DFB, Wikipedia, Hilzinger Fensterbau
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