Mit dem Nachtzug von Berlin nach München – Serie: Von Berlin bis Venedig oder Einmal Lagune und leider zurück (Teil 1/5)

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© WELTEXPRESS, Foto: Stefan Pribnow

Doch der Reihe nach. Zurück auf Anfang. Berlin im Hochsommer 2012. Die Deutsche Bahn, ein Staatsunternehmen der Bundesrepubik Deutschland, wirbt wenn`s um ihre Nachtzüge geht, gerne damit, dass man mehr vom Tage hätte. Lustig. Weniger witzig sind die vielen Anglizismen bei der Deutschen Bahn, denn der Nachtzug, der auf mich wartet, ist ein City Night Line (CNL). Wahnsinn. Damit in nachtschlafenden Zeit Reisende wie ich lange Strecken zurückzulegen können und wir mehr als ein Auge zudrücken dürfen, ist der Nachtreisezug wie geschaffen. Und das ist wirklich gut so.

Denn wer am nächsten Tag mit dem Auto oder Motorrad weiter und vor allem selber fahren will, der ist wahrlich willkommen, vor allem abends in Berlin am Wannsee. Dort befindet sich nämlich das östlichste Terminal, wieder ein Anglizismus der Bahn, der in Häfen für Flugzeuge und Schiffe auch Einzug gehalten hat, der Berliner Republik, doch statt in die weite Welt geht es dieser Tage nur noch nach München-Ost und das nur vielleicht, denn die einstige Stammstrecke befinde sich laut Auskunft der Bahn „noch in Planung“ bzw. werde eventuell „ab April 2014“ wieder angeboten. Ein Glück, dass das Angebot im Juli 2012 noch besser war und ich gern gesehener Gast. Keine Frage: Ein Nachtzug fährt noch von Berlin und zwar über Potsdam, Brandenburg, Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim und Augsburg bis München. Er nimmt aber nur Personen und keine Autos oder Motorräder mit.

© WELTEXPRESS, Foto: Stefan PribnowZwar reiste ich weder mit vier noch mit zwei bereiften Rädern, dafür jedoch mit einem Koffer auf zwei Rollen. Mit dem Ungetüm näherte ich mich in der S-Bahn sitzend der Startrampe. Als die Berliner S-Bahn in den Bahnhof Wannsee einfuhr könnte ich bereits den weißen Nachtzug mit dem roten Fensterband sehen. Schnell rüber auf den anderen Bahnsteig und rein in die Unterführung.

Kaum angekommen wurde ich in dieser warmen Sommernacht mit sternenklarem Himmel freundlich begrüßt. Hilfsbereit beim Einstieg und beim Auffinden meiner Kabine im Schlafwagen war der beflissentliche Schaffner und das schaffte Vertrauen. Schließlich sollte der aufmerksame Mann eine Nacht über mich wachen. Viel zu schnell fand ich Schlaf im komplett klimatisierten Doppelstock-Schlafwagen der Deutschen Bahn (DB) und eine Ablage für mein Reisebuch über Venedig.

„Eco als Single mit Waschgelegenheit“ (sic!) zu einem „fairen Preis“ – leider nicht Delux – rollte ich Richtung Süden. „Laufruhig“, wie die DB verspricht, und bahnweise gut gebettet.

Wie man sich bettet, so liegt man - auch in dieser Koje. © WELTEXPRESS, Foto: Stefan PribnowAm nächsten Morgen, gerädert wachte ich wirklich nicht auf, reichte wie abends das Waschbecken im Abteil. Dusche und WC befinden sich am Gang. Ein Besuch am Abend, nachdem das Büchsenbier geleert ist, und einer am Morgen, das muss reichen.

„Was einst eigenständig als CNL lief wurde ab 1. Januar 2010 AutoZug. Der ist seit 1. September 2013 aufgelöst und im Fernverkehr eingegangen“, erklärte mir Mitte Januar 2014 eine Website der Bahn. Zurück zum Zug. Am Abend zuvor, bei der Kontrolle meines Tickets, fragte der Schafner nach meinen Frühstückswünschen. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen nrachte er mir mein Stück früh in einem Karton, goss großzügig Kaffee ein und reichte mir den Pappbecher. Das Heißgetrank genoss ich umgehend und in Gedanken versunken an die versinkende Lagunenstadt hinaus blickend. Bayern huschte bei Bohnenkaffee an mir vorbei. Wenn das kein gutes Zeichen ist.

Was die Delux-Gäste bekommen, hat mein redseliger Schaffner verschwiegen, aber für mich als Economy-Gast ging die an eine Schulbrotschachtel erinnernde Gabe gerade noch durch. Das war durchaus ausreichend.

Formal gesprochen beinhaltet die „Frühstücksbox“ genannte Pappschachtel zwei Scheiben Vollkornbrot, einen Milkana-Streichkäse, einen Muffin, Orangensaft und ein Heißgetränk nach Wahl (Kaffee oder Tee). Immerhin ist das Frühstück im Reisepreis inbegriffen. Der bei der Bahn Muffin genannten Backpulverweichkleinstkuchen in kreisrunder Papierform mit Blaubeerbehauptungen rundete mein Kaffeemahl ab. Beim Anblick der Papierform drängt sich die Frage auf, ob deren Fasern noch pflanzlicher Herkunft sind. Doch mich oder den Zug kann hier und heute nichts aus den Gleisen bringen. Gut gelaunt erreichten wir München.

Was noch zu erwähnen wäre: Fahrgäste können im Zug-Restaurant „aus einem großen Speisen- und Getränkeangebot wählen“, sagt der Schaffner und wir uns zum Abschied Tschüß.

Infos:

Deutsche Bahn: www.bahn.de, Nachtzug: http://www.citynightline.de

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