Mia bella Napoli – Serie: Neapel und die Inseln Capri, Ischia und Procida (Teil 1/4)

© WELTEXPRESS, Fotos: Elke Backert

Wie dem auch sei, Neapel, um 750 v. Chr. von den Griechen als Kolonie gegründet, galt seit jeher als magischer Ort. Der Italiener sieht Neapel als ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel, während die Stadt in Deutschland und Frankreich bis ins 19. Jahrhundert als Sitz der Zauberei und der Nekromantie betrachtet wurde.

Doch romantischer ist Goethes Übersetzung, um die unvergleichlich schöne Lage der süditalienischen Stadt zu preisen.

„Mia bella Napoli“ sang Peter Kraus 1961. Napoli – allein der Name klingt nach Sonne, Meer und südländischer Lebensfreude, wie man sie aus den frühen Filmen mit Sophia Loren und Gina Lollobridgida kennt. Auch Goethe konnte sich der Faszination nicht entziehen: „Neapel in seiner Herrlichkeit, die meilenlange Reihe von Häusern am flachen Ufer des Golfs hin, die Vorgebirge, Erdzungen, Felswände, dann die Inseln und dahinter das Meer war ein entzückender Anblick.“

Noch immer schmiegt sich die mit vier Millionen Einwohnern und 31 Stadtteilen nach Rom und Mailand drittgrößte Stadt Italiens und Hauptstadt der Region Kampanien sowie der Provinz Neapel malerisch an der Küste des Golfs von Neapel entlang. Doch in den engen Gassen geht es chaotisch zu, Vespas, Motorroller, Pkws, Laster, Busse, Straßenhändler, Fußgänger, alle behaupten sich im Verkehr und entpuppen sich als wahre Verkehrskünstler. Wie sie das schaffen, bleibt wohl ein Rätsel, kein Unfall – außer geklebten Seitenspiegeln. Als Insasse eines der Fahrzeuge hält man den Atem an. Wer glaubte, in Kairo herrsche auf den Straßen die Anarchie, wird hier eines Besseren belehrt.
Der Lärm der Straße, an den Fassaden bröckelt der Putz, Wäsche hängt zum Trocknen vor kleinen Balkonen oder auf Leinen von Haus zu Haus, doch immer schmückt man sein Heim mit einer Vielfalt an blühenden Pflanzen. Dächer, Terrassen, Balkone, Hinterhöfe verwandeln sich in prächtige Gärten.   

Beliebte Treffpunkte sind die großen Plätze, die Piazza Dante im Nordwesten der Altstadt, die Piazza Garibaldi am Hauptbahnhof, die Piazza Cavour nördlich der Altstadt, die Piazza Mercato am Frachthafen, die Piazza Municipio, die Piazza del GesuÌ€ und Santa Chiara mit der Kirche Gesí¹ Nuovo und ihrer wie mit Diamantenspitzen besetzten ungewöhnlichen Fassade, dem barocken Portal und dem barocken Innenraum, die Piazza San Domenico Maggiore, die Piazza Plebiscito mit dem Königspalast und der Kirche San Francesco di Paola, dem Römischen Pantheon sehr ähnlich.

Gleich um die Ecke das älteste Café von 1860, „Caffè Gambrinus“, in dem, reich dekoriert im neoklassizistischen Stil, so prominente Schriftsteller wie Oscar Wilde, Ernest Hemingway und Jean Paul Sartre saßen und wo man die neapolitanischen Gebäckstücke „sfogliatelle“ und „babí “, eine in Rum getränkte Köstlichkeit, probieren sollte.

Vier Burgen bewachen Neapel vom Meer her. Schon allein des Ausblicks wegen, den man von oben genießen kann, sollte man sich eine genauer ansehen. Im Castel dell`Ovo stehen die Kanonen noch, also auch ein Spaß für Kinder. Die sogenannte Porta Aragonese, ein reich mit Figuren besetztes Renaissance-Portal aus weißem Marmor, macht die Burg Maschio Angioino bedeutsam.  
Außer auf der Via Toledo, der Haupteinkaufsstraße, muss man durch die schmale Via San Gregorio Armeno schlendern, die Straße der Krippenbauer. Nicht nur fantasievolle Krippen sind das ganze Jahr über zu sehen, auch originelle Miniaturfiguren aus dem gesellschaftlichen und politischen Geschehen der letzten Jahre, etwa das Hochzeitspaar Fürst Albert von Monaco und Charlène.

Sehenswert ist die Galleria Umberto, eine gewaltige Glaspassage, die zum Kaufen einlädt, aber auch zum Gucken. Die zwölf Sternzeichen auf dem Boden fordern auf, sich auf dem zu einem passenden zweimal um die eigene Achse zu drehen und sich dabei etwas zu wünschen. Ob der Wunsch in Erfüllung geht – wer weiß?

Bereits 1830 eröffnete im Ortsteil Port’Alba die heute älteste Pizzeria Italiens, die Antica Pizzeria, nur wenige Meter von der Piazza Dante Alighieri entfernt. Neapel gilt als die Wiege der Pizza, wobei sich Römer und Neapolitaner seit Jahrzehnten streiten. Denn auch die Römer behaupten, die Pizza sei in ihrer Stadt erfunden worden.

Jedenfalls steht fest, dass man zum Beispiel bei „Il Pizzaiolo del Presidente“ (www.ilpizzaiolodelpresidente.it) – sie wurde nach dem Besuch des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton umbenannt – die Pizza Margherita für ab 3,50 Euro bekommt. Enrico Caruso (1873–1921) soll einmal gesagt haben, dass er eines Tages in seine geliebte Heimat Neapel zurückkehren werde, nicht um zu singen, sondern um Pizza zu essen.

Es gibt so viel zu sehen, etwa das unterirdische Neapel – Napoli Sotteranea -, das vor 5000 Jahren entstand, doch die Inseln in der Bucht von Neapel wollen ebenfalls  entdeckt werden. Also ciao, bella Napoli!

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