Mein erster durchgestandener Quadrathlon in Arendsee – Serie: Bis an die Grenzen gehen: Die härtesten Wettkämpfe Deutschlands hautnah miterlebt (Teil 2/3)

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Der Autor als zweiter Sieger.

Vor 11 Jahren hatte ich schon mal einen Quadrathlon, eine längere Distanz in Wiesbaden im Schiersteiner Hafen, ausprobiert, war aber nach 7,5 km Paddeln aus dem Rennen genommen worden. Damals musste ich während des Wettkampfes zweimal aussteigen, das Boot, die Stemmbretter und Seile einstellen, konnte aber 5 km gut paddeln. Den Rest hatte ich dann noch außer Konkurrenz absolviert. Im nächsten Jahr war ich mit Martin wieder da, aber die Schrauben der Zugseile waren so eingerostet, dass das Boot für mich nicht benutzbar war, ich mich erst gar nicht anmeldete und die übrige Strecke ohne Paddeln trainingshalber durchmachte. Vor dem Paddeln im Kajak hatte ich einen Heidenrespekt, da ich einige Jahre zuvor bei einem Paddelversuch in der Weser mit dem Boot meines Bruders nach kurzem Ausprobieren einfach umgekippt war, alle Kleidung nass und das Paddeln zu Ende war.

Peter hatte nach der Absage von Suhl und nach Durchschau des DTU-Kalenders diesen Triathlonveranstalter für Quadrathlon und die deutschen Meisterschaften kurzfristig gewonnen. Die Arendseer nahmen uns willkommen auf und integrierten uns in ihre Triathlonveranstaltung. Auf der Anmeldeliste waren 17 Starter angekündigt, einer in meiner Altersklasse 65. Auch Peter war auf der Starterliste, obwohl er meiner Vorstellung nach wegen eines Handbruches gar nicht in der Lage sein sollte.

Wir fuhren von Gießen aus mit zwei Kajaks auf dem Dach. Hinter uns fuhr im eigenen Wagen die Quadratlonweltmeisterin 2008, Helen, eine Britin, die anschließend noch nach Tschechien zu den Weltmeisterschaften fahren wollte. Sein altes schwereres, auch seegängiges Boot, das Martin Schytil schon am letzten Wochenende in Bad Ems benutzt hatte, waren für mich, einen Paddelanfänger, und sein neues leichtes und schnittiges Karbonboot für ihn vorgesehen. Erstaunlicherweise merkte ich 4 Tage nach Bad Ems in meinen Muskeln nichts mehr. So schnell habe ich bisher einen Ironman noch nie verkraftet, vielleicht, weil ich vorher nicht allzu viel und locker trainiert und den Wettkampf überwiegend locker gestaltet hatte. Wir übernachteten in einer renovierten und zum Hotel umgebauten Kaserne im Nachbarort. Das Besitzerehepaar, sie Physikerin, er Betriebswirt aus Regensburg, hatten die Kaserne vor 7 Jahren erworben und bewirteten uns neben anderen Angestellten, die alle sehr nett und umgänglich waren.

Am Vortag probierten wir die Boote aus und stellten sie ein. Anfangs fand ich mein Boot bei Wind und Wellengang etwas kippelig. Dann kam ich aber ganz gut zurecht. Peter lag mit seinem Rennboot nach wenigen Metern im Wasser. Seine Platte am Handgelenk war erst vor 3 Wochen entfernt und die Daumensehne geflickt worden. Sein Operateur hätte entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Sein Boot war ihm zu recht für den Daumen und seine Sehne zu gefährlich. Wir besprachen anschließend, hintereinander das Boot zu benutzen und einfach die Zeit dran zu hängen. Ich probierte sein Boot dann doch mal aus und zu seinem und meinem Erstaunen paddelte ich einfach damit herum, ohne gleich umzukippen. Bei einem 2. Versuch lag ich am Ende dann doch im Wasser und war angesichts meines eigenen Mutes verunsichert. Diese Verunsicherung wirkte sich negativ aus. Trotzdem wollte ich das Karbonboot benutzen.

Der Nachmittag gestaltete sich mit Besprechungen zwischen Peter und den Veranstaltern. Pit, Kersten und Bernd, und ich war immer dabei, für mich etwas langweilig. Ich hätte mir lieber die Umgebung angeschaut oder in einem Cafe‘ gesessen. Am späten Nachmittag machten wir noch auf dem Ausflugsschiff, von dem aus am nächsten Morgen der Wasserstart erfolgen sollte, der Queen Arendsee, einem romantischen Pseudoschaufeldampfer, eine Seerundtour. Der See hat einen Durchmesser von 3 bis 4 km. Wir wurden über die Geschichte wie die versunkene Mühle aufgeklärt und konnten u. a. einen Blick vom See aus auf eine schöne alte Backsteinklosteranlage werfen.

Am nächsten Tag war der Start wegen eines Anmeldechaos verzögert. Inzwischen waren wir doch 24 Quadrathleten geworden. Wir fuhren mit Bussen vom Marktplatz aus zum Schiff und wurden 750 m vom Ufer entfernt gemeinsam mit den Jedermännern und Sprintdistanzlern ins Wasser gelassen. In knapp 20 Minuten kam ich aus dem Wasser, Peter hinter mir, er hatte ja auch wochenlang nicht trainiert. Auch auf dem Rad, 20 km, war ich noch vor ihm. Von einigen Männern wurde ich überholt, einige langsamere Teilnehmerinnen überholte ich.

Aber dann kam das Paddeln, 4,5 km, 3 Runden. Wie gesagt, verunsichert kippte ich nach 200 m um, obwohl das Wasser ruhiger war als am Vortag. Es dauerte etwas, bis die Wasserwacht ankam und mich und das Boot aus dem Wasser hob. Peter paddelte vorbei und schrie uns zu, wir sollten das Boot nach hinten auskippen. Ich stieg wieder ein und paddelte erfrischt wieder los. Andere paddelten, schon in der 2. oder 3. Runde, munter an mir vorbei. Ich merkte, wenn ich kräftig durchzog, wurde das Boot instabil. Teilweise war ich mehr mit der Stabilisierung des Bootes als mit zügigem Paddeln beschäftigt. Teils fühlte ich mich wohl und kam gut vorwärts. Dann machte das Paddeln richtig Spaß. Aber in der 3. Runde ließ die Konzentration nach, ich kippte noch zweimal um und musste mich erneut ins Boot setzen. Jedesmal paddelte ich erfrischt weiter und kam nach einer guten Stunde Paddeln im Ziel an. Ohne diese Erfrischungen wäre ich ganz schön erhitzt und kaputt gewesen.

Auf der Laufstrecke mit Wendepunkt am Ufer entlang und gottseidank im Schatten kamen mir nur noch die einzige Frau in meiner AK und Peter entgegen. Ich konnte richtig gut rennen und brauchte für die wohl nur 4,5 km etwa 23 min. Natürlich wurde ich letzter und gleichzeitig deutscher Quadrathlon-Vizemeister. Der andere konnte halt als ehemaliger Wasserballer schneller schwimmen und vor allem paddeln.

Die Siegerehrung gestaltete Peter sehr umfangreich. Fast jeder wurde neben T-Shirt mit Medaille und Blumen geehrt. Die arme Helen war nur 4. Frau geworden – sie meinte "schlecht gepaddelt, aber hervorragend gelaufen" – und wäre fast leer ausgegangen, wenn sie nicht zusätzlich als am weitesten Angereiste bedacht worden wäre. Am nächsten Tag fuhren wir nach einem reichhaltigen Frühstück wieder nach Hause. In Köln soll Anfang September wieder ein Quadrathlon statt finden eingebettet in Triathlonveranstaltungen wie der 226, bei dem ich letztes Jahr ausgestiegen war, an dem Martin, vielleicht auch ich starten wollen.

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