Maduro siegt, Capriles zweifelt

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Sicher ist auch, daß die Wahl "ein Warnschuß für die revolutionäre Bewegung" war, wie André Scheer in der jungen Welt (16.04.2013, Seite 8) kommentiert, denn der Abstand zwischen ihm und seinem Rivalen Henrique Capriles, dem Gouverneur des bedeutenden Bundesstaats Miranda, sei nach der Auszählung von 99,17 Prozent der Stimmen auf 1,77 Prozentpunkte gewachsen, wie russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti mitteilt. Der Drops ist gelutsch.

Wie ein RIA-Novosti-Korrespondent am Montag unter Berufung auf die Wahlleitung in Caracas berichtete, führt Maduro mit 50,75 Prozent der Stimmen, während Capriles bei 48,98 Prozent landete. Vor einigen Stunden lag die Konstellation zwischen den beiden bei 50,66 zu 49,07 Prozent. So knapp wie der Sieg, so klar ist er auch und die Gewissheit, daß nicht nur die 14,9 Millionen Wahlberechtigten sondern die Leute im Land in zwei große Lager gespalten sind. Und diese Lager bestehen nicht auf der einen Seite aus Rechten und auf der anderen aus Linken, auch wenn sie so genannt werden, sondern Proletarier und Profiteure der aktuellen venezuelanischen Gesellschaft finden sich verstreut in beiden Lagern.

Zwar sieht Jens Glüsing in Spiegel-Online (15.04.2013) Maduro "allein gegen gierige Generäle", wobei er meint, daß diese "die finanziellen Pfründe" nicht freiwillig hergeben würde und "versucht sein" könnten, während einer Krise einzugreifen", doch warum das Militär sich gegen Maduro, der doch auf den "ewigen Commandante" nachfolgt, wenden würde, notiert er nicht. Nichts deutet zudem darauf hin, daß der frisch gewählte Präsident seinen Soldaten und Offizieren an den Kragen oder Geldbeutet will. 

Im Gegenteil: "Nicolás Maduro hat in seiner ersten Rede nach Bekanntgabe der offiziellen Wahlergebnisse jeden Pakt mit der Rechten abgelehnt und betont, daß der Aufbau des Sozialismus in Venezuela fortgesetzt werden soll", hält Scheer in der jungen Welt fest wie die Worte, daß die Lehre aus dem Wahlergebnis sei, daß die Volksmacht ausgebaut und verstärkt werden müsse. Wenn das nicht nur leer Worte bleiben, dann ist das nicht nur richtig sondern wichtig bis zur nächsten Wahl.

Ob die erst in einem halben Dutzend Jahren stattfinden wird, das ist weniger sicher. Capriles nämlich will seine Niederlage nicht anerkennen und spricht laut RIA Novosti von "massiven Wahlfälschungen". Außerdem fordert die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) nach Worten ihres Generalsekretärs Jose Miguel Insulza eine Neuauszählung der Stimmen. Auch Barack Obama legt den Lateinamerikanern nahe, wie sein Sprecher Jay Carney am Montag in Washington verkündete: Wegen der "Knappheit des Ergebnisses" wäre die Überprüfung ein "wichtiger, weiser und notwendiger Schritt".

Unterdessen erklärte das Außenministerium Argentiniens, dass die Wahlen in Venezuela allen Normen gerecht waren. Das bekräftige die argentinische (Beobachter-)Delegation. "Das venezolanische Volk hat ein weiteres Mal seine Treue zu den Wahlen als einem Instrument friedlicher Veränderungen bekräftigt, die vom”¦ bolivarianischen Führer, Comandante Hugo Chavez Frias, eingeleitet worden waren", hieß es in Buenos Aires.

Zuvor hatte Argentiniens Präsidentin Cristina de Kirchner Maduro zum Wahlsieg gratuliert. Auch mehrere andere Staatschefs richteten Grußschreiben an Chavez‘ Nachfolger. Einer der ersten von ihnen war Russlands Präsident Wladimir Putin und Kubas Staatschef Raul Castro.

Mit Material von junge Welt, RIA Novosti und Spiegel-Online.

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