König Winterkorns Absturz in den Ruin

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Volkswagen. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Jahrelang war Martin Winterkorn der Herrscher aller VW-Reusen. Er strich bis zu 18 Millionen Jahresgehalt ein, regierte wie ein Alleinherrscher, galt als unantastbar, unfehlbar, unverzichtbar. Selbst die Politik kuschte, insbesondere Alexander Dobrindt (CSU) und Konsorten.

Bei Angela Merkel (CDU) ging er ein und aus gab die Richtung vor, wenn es um die Gestaltung unliebsamer Gesetze hinsichtlich fragwürdiger Technik ging. Winterkorn nutzte mit Verve, machtvollem Nachdruck und ohne Rücksicht auf Verwandte alle Privilegien, die ein Mann in seiner Position durchsetzen konnte. Knochenhart und rücksichtslos, wenngleich mit höflichem Umgangston.

Selbst Ferdinand Piech musste im Jahr 2015 wegen massiven Vertrauensbruch zwischen den beiden dran glauben. Doch wer dem alten Haudegen Piech ans Bein pinkelt, hat auf Sicht gesehen nichts zu lachen. Zwar sicherte sich Piech sein Vermögen, hat dem Vernehmen nach gekocht, als er ging. Dann wurde es ruhig um ihn, ein sicheres Zeichen, dass in Piechs Villa wahrscheinlich die Telefondrähte glühten. Kurz nach dem spektakulären Ausscheiden von Ferdinand, dem Unnachgiebigen, begannen in den USA die Ermittlungen in Sachen Diesel und der massenhafte Betrug flog auf. Ein Schelm, der etwas Böses denkt.

Geständige Zungen ehemaliger Manager, die in den USA zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, berichteten hinter vorgehaltener Hand, dass Ferdinand ein paar unschöne Details der amerikanischen Justiz hat zukommen lassen. Seine exzellenten Kontakte zu hochrangigen Politikern in den USA sprechen für sich. Ein Telefonat hier, ein Gespräch unter Freunden in einer Hotellobby dort, und schon beginnt das Räderwerk zu laufen. Jetzt macht die US-Justiz dem Allmächtigen Martin den Garaus. Sie beantragte Haftbefehl gegen Winterkorn.

Während sich alle Medien mit der Sensationsnachricht geradezu überschlagen, dass Winterkorn nur noch in Deutschland „urlauben“ darf, weil er ansonsten Gefahr läuft, am Strand von Waikiki oder auf den Seychellen verhaftet und ausgeliefert zu werden, ist der Blick auf Ursache und Wirkung weitaus interessanter. Piech ist ziemlich elegant seinen Todfeind losgeworden. Selbst seine eigene Familie muss nun bei Ferdinand Abbitte leisten. Ich sehe es kommen, Piech wird über kurz oder lang wieder die Strippen ziehen.

Für Winterkorn jedoch wird es eng. Deutschlands Vorzeigemanager wird in die Annalen der Gefängnisgeschichte eingehen. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft pflegt regen Austausch mit den Ermittlungsbehörden Detroit. Die amerikanische Staatsanwaltschaft wirft Winterkorn Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Diesel-Abgasmanipulationen vor. Eine Auslieferung muss der 70 Jahre alte Martin zwar nicht fürchten, aber deshalb wird die Lage für König Winterkorn nicht gerade angenehmer. Denn nun machen die deutsche Justiz und auch der VW-Konzern ernst. Was bislang als undenkbar galt, jetzt ist Martin zur heißen Kartoffel mutiert. Schadensersatzforderungen seitens des Konzerns dürften Winterkorn in den Ruin treiben und nicht nur das.

Winterkorn drohen in den USA bis zu 25 Jahre Haft. Das bekommt er in Deutschland günstiger. Dennoch dürfte der Knast unausweichlich für ihn und seine 30-Millionen-Rente futsch sein. Die amerikanischen Erkenntnisse sind ungefiltert in die Ermittlungen der Braunschweiger Staatsanwaltschaft eingeflossen. Die amerikanischen Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn bereits im Mai 2014 über Unregelmäßigkeiten bei Dieselabgaswerten informiert wurde.

Im Juli 2015 sei bei einem Treffen in der Wolfsburger Konzernzentrale im Beisein von Winterkorn und anderen VW-Managern über mögliche Konsequenzen beraten und schließlich vorgeschlagen worden, die Abschalteinrichtung in VW-Modellen nicht offenzulegen. Winterkorn habe diesem Vorgehen zugestimmt. Wer alles damals am Konferenztisch saß, ist öffentlich noch nicht bekannt. Mich allerdings würde es nicht wundern, wenn der damalige Ministerpräsident Niedersachsens und Mitglied des Aufsichtsrates bei VW Stephan Weil ebenfalls bestens informiert war.

Der Zeitpunkt des Elefantentreffens September 2015 markiert auch das Datum, zu dem Ferdinand Piech mit Mehrheitsbeschluss und vor allem auf Betreiben Martin Winterkorns aus dem Konzern gedrängt wurde. Tja, wie sagt der Volksmund so schön? Wer anderen eine Grube gräbt… Im Fall Winterkorn ist die Grube, in die er nun fällt, besonders tief. Auch deshalb, weil man dem Manager nachweisen kann, dass er kurz vor Bekanntwerden der US-Ermittlungen, große Teile seines Vermögens auf die Immobilienfirmen seiner Frau übertragen hatte.

Nicht nur mein Mitleid, sondern auch das, Hunderttausender beschissener Dieselfahrer dürfte sich in Grenzen halten. Das Einzige, was wirklich bedauerlich ist, dass die miesen Kummeleien, Absprachen und gegenseitigen Ablasshandel zwischen unserem ehemaligen Verkehrsminister und dem ehrenwerten Herrn Winterkorn keine Folgen haben werden. Selbst der Ex-Ministerpräsident von Niedersachsen dürfte ungeschoren davonkommen.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Claudio Michele Mancini wurde im Scharfblick am 6.5.2018 erstveröffentlicht.

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