Kanada, wir kommen – Serie: Direktberichterstattung von einer Recherchereise zu den Eisbären an die Hudson Bay (Teil 3)

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Rückblende: Wir schweben nieder. Stetig fällt der Flieger dem Flughafen entgegen. Eine Zwischenlandung in Toronto, Kanadas größter Stadt, steht auf dem Plan. „Downtown wohnen 2,5 Millionen Menschen und mit der Greater Metropolitan Area kommen noch einmal 5,3 Millionen Einwohner hinzu“, erklärt Rainer, der schräg hinter mir sitzt und zu unserer Pressereisegruppe gehört. „8 von insgesamt 33 Millionen Kanadiern wohnen in diesem dicht besiedelten Golden Horseshoe am Westufer des Lake Ontario“, ergänze ich genüßlich. Offensichtlich lesen wir beide die gleichen Reiseführer. Daß wir beim Blick aus dem Bullauge ein Lichtermeer ohne erkennbares Ende sehe, wundert uns daher wenig.

Auch der Lester B. Pearson International Airport ist derart gigantisch, daß die Flugzeuge von einem Ende zum anderen so lange brauchen wie eine Ewigkeit. Dann dockt das Ding an. Nichts wie raus. Wir strecken unsere müden Glieder und bewegen erstmals die Beine, die uns wieder tragen. Unser Gepäck wird, während wir durch lange Gänge gehen, von einem ins andere Flugzeug umgeladen. Endlich, eine Toilette. Massen müssen mal. Kurz hinter dem Klo kommen die ersten Uniformierten in Sicht. Erleichtert schlendern wir auf diese Kostümierten zu: Heute ist Halloween. Doch bevor wir den beiden Komikern Drops aus Old Germany andrehen hält uns Adda, unsere charmante wie blonde Reisebegleiterin aus Düsseldorf am Rhein, davon ab und auf Spur. Das sei ein Transitbereich mit US-Zoll- und -Einwanderungskontrolle und kein Partystand Verkleideter. Im Vorbeigehen erhaschen wir noch einen Blick auf das Schild „Border Preclearance“. Ach so, wer in die Vereinigten Staaten von Amerika weiterfliegen will, kann offensichtlich hier schon an die gut gesicherten Pforten der USA klopfen, sich abtasten, kontrollieren und nach kommunistischem Vorleben fragen lassen. Weiter geht`s, vorwärts immer.

An der ersten Kontrolle zeigen sich die Uniformierten des kanadischen Staates von ihrer besten Seite, wie mir scheint. Alle sind freundlich, erkundigen sich nach unserem Handgepäck und wenn wir nach dem Röntgencheck unsere Kameras herausholen, vorzeigen und die Geschichte vom Weltexpress TV from Germany aufsagen, dann zaubern wir Lächeln in die Gesichter der Leute, die uns gute Wünsche mit auf den weiteren Weg geben.

Vom Drehkreuz der Air Canada in Toronto fliegen wir nun weiter nach Winnipeg. Diese Maschine für den Inlandflug ist kleiner, doch sie bringt uns ebenso sanft wie sicher nach Manitoba, wie zuvor die mittlere Boeing über den großen Teich. „Die Prärieprovinz Manitoba bietet aufgrund verschiedener Klimaeinflüsse erstaunlich unterschiedliche Landschaften“, lese ich auf Seite 298 meiner DuMont-Reisefibel und weiter, daß sich hier derzeit 1,2 Millionen Menschen breitmachen, von denen über 650 000 in der Provinzhauptstadt am Red River leben. Die Bürotürme in Downtown erheben sich hoch zum Himmel und seien, wenn man mit dem Auto käme, schon viele Kilometer vorher zu sehen, meint Rainer, der die schnurgeraden Routen, die das Land überwiegend in Ost-West-Richtung zerschneiden, schon gefahren ist. Von oben sieht das Gras- und Farmland wie eine Steppe im Schachbrettmuster aus. Nur der aus North Dakota kommende Red River schlängelt sich durch die baumlosen Quadrate, um in Winnipeg auf den aus Saskatchewan heranfließenden Assiniboine River zu stoßen. Am Zusammenfluß dieser beiden nordamerikanischen Ströme siedelten schon vor 6000 Jahren Ureinwohner. In Zelten. Die ersten Europäer kamen 1738 und bauten sofort ein Fort. Doch darüber erzähle ich morgen mehr.

Jetzt will ich nur noch ins Bett. Das steht gleich gegenüber dem Hauptterminal, in einem Hotel auf dem wir Sheraton lesen. "Ist ja wie in Frankfurt am Main", erkläre ich Christian. Wie in Bankfurt kommen auch die Reisenden in Winnipeg trockenen Fußen von einem zum anderen Ort. Das sehen wir von unten, denn weil wir davon nicht wußten, nutzen wir den kurzen Weg über die Straße, auf der gleich zwei Strechlimousinen nebe einem Dutzend Taxen und SUV`s parken. Kanada – wir kommen!

Doch vorerst wollen wir auf schnellstem Weg ins Hotel. Kurz eingecheckt, schnell hochgefahren eilen wir, unsere Gruppe besteht aus sechs Journalisten und einer Frau, nun auf unsere Einzelzimmer. Glück gehabt, die Fenster sind aus dickem Glas. Vom weiträumigen Flughafen, deren Start- und Landebahnen das Hotel in die Zange nehmen, höre ich wenig. Dafür will ich von Kürbissen und Stewardessen, die, anders als in Deutschland, den Brauch des Halloween ausgelassen zu zelebrieren scheinen, träumen. Und von Eisbären!

Lesetipps:

Margit Brinke, Peter Kränzle: CityTrip Toronto, 143 Seiten, 1. Auflage 2009, Reise Know How, Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld, www.reise-know-how.de

Kurt Jochen Ohlhoff: Kanada – Der Westen & Alaska, 441 Seiten, 2. aktualisierte Auflage 2009, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, www.dumontreise.de

Kurt J. Ohlhoff, Ole Helmhausen: Kanada – Der Osten, 469 Seiten, 1. Auflage 2007, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, www.dumontreise.de

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