Jena ackert sich zum Sieg – Das Thüringenderby in der 3. Liga zwischen FC Carl-Zeiss Jena und FC Rot-Weiß Erfurt endet 1:0

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Am Ende gewann Jena glücklich, aber nicht unverdient die Partie mit 1:0. Das bringt ein bisschen Ruhe nach Thüringen. Den Erfurter Knalltüten ist die Häme im Hals stecken geblieben. Nachdem sie mit ihrer Böllerei und Einbruch in die neutrale Zone eine Spielunterbrechung provozierten, hatte die Hälfte des Gästeblocks schon keine Lust mehr, die Schlachtrufe mit zu brüllen. Von einer möglichen Strafe für  den Verein RWE ganz zu schweigen. Und die Jenenser beschränkten sich in ihrer ausgelassenen Freude über den bitter nötigen Sieg auch auf freundliche „Derbysieg“-Rufe. Die Gesamtsituation des Vereins ist zu dramatisch.

Erfurts Trainer Emmerling sprach dem FCC nach dem Spiel seine Anerkennung aus. Er habe beim Gegner deutlich mehr Einsatzfreude und Kampfgeist gesehen, als bei seinen eigenen Leuten. Auf den Erfurter Fanblock angesprochen, zeigte er sich sichtlich bedient. Sie seien sowas ja leider gewöhnt.

Dem adrenalinlastigen Druckspiel des FCC ist es zu verdanken, dass der RWE trotz besserer Routinen nie wirklich ins Spiel fand. Die Jenaer wollten es unbedingt wissen. In Anbetracht des abgeschlagen letzten Tabellenplatzes mussten sie auch. Ob sie wollten oder nicht. Aber sie wollten. Und damit kamen die Gäste aus Erfurt nicht zurecht. Jena erkämpfte sich gleich mehrere Großchancen im Verlauf des Spiels. Aber entweder fehlte das Selbstvertrauen und der Ball irrte vor dem Tor von Spieler zu Spieler, bis er im Aus landete. Oder es passte nicht. Oder der hellwache Erfurter Torwart Sponsel hatte etwas dagegen. Beim RWE waren nur zwei echte Chancen auszumachen. Die erste kam zu überraschend und gurkte per Kopf weit am Jenaer Tor vorbei. Die zweite sorgte im Schneeregen der zweiten Halbzeit für eine echte Schrecksekunde in den Jenaer Reihen, denn der nasse Ball flutschte Berbig durch die Hände. Der Jenaer Tormann sah hier wieder einmal sehr unglücklich aus, aber diesmal stand Hilfe aus den eigenen Abwehrreihen parat.

Das gesamte Spiel über lag ein echtes Kribbeln in der Luft, wie man es in der 3. Liga selten spürt. Die 9315 Zuschauer im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld wollten auch nicht recht glauben, dass gerade so eine Partie unentschieden ausgehen sollte. Jena hatte Kondition gezeigt, hatte bis zur 90. Minute gekämpft und durchgehalten. Dann war das Adrenalin alle. Dann fand einen Moment lang Kopffußball statt. Hähnge bekommt 25 Meter vor dem generischen Tor den Ball, sieht die Gasse und passt zu Jovanovic, der rechts vorn an der Strafraumgrenze steht. Jovanovic erkennt  die abseitsgefährdete Situation und passt im Winkel zurück auf den Elfmeterpunkt. Hähnge ist schon auf dem Weg dorthin und schiebt den Ball gekonnt in die rechte Torhälfte. Sponsel hat einen Reflex nach Links und damit keine Chance. 1:0. Das Stadion tobt. Spieler und Trainer auch. Hinter der Pressetribüne flüstert ein eingeschlichener Erfurter, ich habs geahnt.
Dann ist das Spiel vorbei. Eine Schweißwolke zieht Richtung Kernberge, um sich sauer abzuregnen, und Thüringen kann ganz in Ruhe Weihnachten feiern.

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