Ist das Kunst oder kann das weg? – Wollen die Philipp-Amthor-Ultras Merkels Jungmann zum Kanzler machen?

Ein Blick auf die Seite der "Philipp Amthor Ultras" auf Facebook. Screenshot vom 2.11.2018, 8:30 Uhr. Quelle: Facebook

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Über den Ort, an dem sich in Berlin mehr Verrückte versammeln, bin ich mir nicht sicher. Ist es die Bonnies Ranch genannte Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik oder doch der Reichstag? Schließlich sind beide Niederlassungen von Kleingeistern bis Geistesriesen und solchen, die es werden wollen, eng mit der Geschichte der deutschen Psychiatrie verbunden.

Ob janz weit draußen in Wittenau oder doch in Mitte, mancher sah sich als König, Kaiser oder Kanzler. Und einige, die das wirklich waren, wurden von vielen, die das mehr teilnahmslos beobachteten denn als teilnehmender Beobachter, als Verrückt beschrieben. Wer im Rang janz weit oben steht? Das überlasse ich anderen. Ob Adolf Hitler oder Angela Merkel dürfte sogar denen schnurz­piep­egal sein, die Philipp Amthor zum Kanzler küren wollen.

WELTEXPRESS-Kolumnist Claudio Michele Mancini sah in Philipp Amthor, die Fleisch gewordene Jungherrenklasse der CDU, die Philipp-Amthor-Ultras in ihm schlicht ihren Kandidaten.

Mancini meinte im Februar 2018 noch: „Philipp Amthor ist mit seinen 25 Jahren nicht nur jüngster CDU-Abgeordneter im Bundestag, er erinnert von seinem Auftreten und Habitus an die Herrenklasse in Hitler-Deutschland. Als ich ihn das erste Mal entdeckte, wurde ich das Gefühl nicht los, dass den Kerl irgendjemand geklont haben könnte. Wenn Amthor ans Rednerpult tritt und loslegt, dann lassen Gestus, Mimik und Optik dunkle Zeiten wieder aufleben. Sein Auftreten wirkt wie aus einem schlechten Film. Gut möglich, dass der junge Mann sich zu viele Schwarz-Weiß-Filme aus der Zeit der Reichsparteitage angesehen hat.“

Die Ultras fassen sich kürzer: Amthor „liebt die Verfassung, ist jung, geile Brille, wird Kanzler“. Philipp Amthor, die von Merkel in den Deutschen Bundestag buchsierte Marionette aus Meck Pom, wird als Che Guevara dargestellt.

Auf der Facbook-Seite der Amthor-Ultras laufen Videos, auf denen Amthor mit Sätzen wie „hören sie mir mal zu, dann können sich noch was lernen“ oder „ich geh` zum Lachen nicht in Keller, keine Sorge“ zu hören ist.

Der junge Mann wird als „die Antwort auf die K-Frage“ gehypt, und nach Hessenwahl und Hässlicher Wahl als Deutschlands nächster Kanzler ist Stellung gebracht.

Während die Philipp-Amthor- Ultras das Objekt ihrer Begierde zum Superhelden stilisieren,

Der „Jungkasper“ sei laut Mancini „bereits rein äußerlich abschreckend genug“ und „intellektuell betrachtet“ täte ihm „betreutes Denken Not“, doch der nicht besonders helle wirkende Knabe würde schließlich noch „als Novize unter den CDU-Abgeordneten, bei denen er sich selbst in die konservative Ecke“ stelle, „in der Ausbildung“ stecken.

Kollegen vom „Sputnik“ scheinen nicht wirklich zu wissen, was die Facebook-Seite soll. „Ist es eine Seite für Fans oder Satire?“ Immerhin verraten sie, dass es die Seite „seit Mai 2018“ gebe.

Im „Nordkurier“ (27.10.2018) wird unter Bezugnahme auf „die Köpf“ dieser Ultras, die „nach Möglichkeit anonym bleiben“ wollten, der „Seiteninhaber“ folgt zitiert: „Das ist keine reine Satire, es geht um die Person und den Stil von Philipp Amthor.“

Der junge Bundestagsabgeordnete, wie die einen schreiben, oder die „auf Jung-Arier getrimmte MdB-Karikatur“, wie Mancini meint, würde, so notiert Karsten Riemer in seinem Beitrag in dem Blatt aus dem „äußersten Nordosten der Bundesrepublik“, wo sich die 120 Journalisten (sic!) in ihrer Heimat wähnen und dort das „am spannendsten“ finden, „um einen herum passiert“, Amthor die Ultras „wohlwollend“ sehen. „‚Man sollte in der Politik auch über sich lachen können‘, so Amthor gegenüber dem Nordkurier. ‚Ich finde das kreativ‘, fügte er an.“

Kreativ ist das nah am Wahnsinn gebaute Stichwort, mit dem ein eben solcher Künstler als Politiker ins Parlament wie in ein Wespennest piksen könnte. Da stellt sich doch die Frage, ob es nicht für die meisten Leute in diesem Land bedeutend besser wäre, wenn Männer wie Hitler und Frauen wie Merkel ihre Kreativität statt im Kanzleramt in Bonnies Ranch ausleben würden.

Die Philipp-Amthor-Ultras sollten dieses „manierierte Mitglied“ des Deutschen Bundestag statt ins Kanzleramt janz weit draußen nach Wittenau begleiten. Anders formuliert: Ist das Kunst oder kann das weg?

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