„Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt geh`n“ – Die DEG gewinnt 7:2 an der Spree

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An die Bande gedrückt und in den Boden gespielt wurden die Berliner Eisbären am Freitag von der Düsseldorfer EG. © Foto: Joachim Lenz, 2016
Anschließend spielten die Gäste im ersten Drittel derart aggressiv, vor allem mit vielen schmutzigen Fouls, dass die Schiedsrichter Simon Aicher und Willi Schimm nicht wussten, wo ihnen der Kopf stand und 50 Strafminuten verteilen – meist dekorativ, manchmal eher gegen Berlin. Die Gegner der Eisbären, zu denen an diesem Freitagabend also auch die Schiedsrichter zu zählen schienen, unterbrachen so oft das Spiel, dass der berühmt-berüchtigte Spielfluss der Eisbären, das Schlittschuhlaufen und der Berliner Kreisel, nicht in Schwung kam. Ein Überzahlspiel nutzten Norman Milley, der aufs von Petri Vehanen gehütete Berliner Tor schoss, und Manuel Strodel, der den Puck entscheidend ins Tor abfälschte (8.).
Durch das Fehlen von Frank Hördler, Bruno Gervais und Henry Haase stand die stark dezimierte und umgebaute Hintermannschaft entsprechend unter Druck. Stürmer Florian Busch musste Verteidiger spielen, der kürzlich 18 Jahre gewordene Teenager Kai Wissmann richtig ran und der 17-jährige Jugendliche Maximilian Adam auch aufs Eis bei den Erwachsenen. Dass diese Abwehr bis zum Ende des ersten Drittels der DEG mit nur einem Gegentreffer standhielt, verdankte sie auch der defensiven Arbeit der Angreifer. Das ging jedoch zu Lasten gelungener Angriffe – bei Bemühungen blieb es -, die durch das dreckige Spiel der DEG zeitweilig völlig zum Erliegen kamen.
Im zweiten Drittel wuchs immerhin Barry Tallackson über sich hinaus. Er spielte großartig wie zu glanzvollen Zeiten. Dass der US-Amerikaner das kann, das wissen wir, aber er zeigt es zu selten. Zwei Schüsse von Tallackson und schwupps führten die Hausherren (21., 25.). Ken Andre Olimb sorgte Minuten später aber für den Ausgleich (31.) und Daniel Kreutzer, der Kapitän der DEG, für die erneute Führung (39.). Weitere Treffer hätten im zweiten Drittel auf beiden Seiten fallen können, denn beide Abwehrreihen spielten Harakiri und nicht Eishockey.
Die Gäste vom Rhein schienen als Taktik von DEG-Cheftrainer Christoph Kreutzer mit auf den Weg bekommen zu haben, die Berliner Abwehr immer wieder unter Druck zu setzen und notfalls die eigene Verteidigung zu vernachlässigen. Dann kam, was kommen musste. Diese Berliner Verteidigung brach ein. Alexei Dmitriev, Drayson Bowman doppelt und Cristopher Minard brachten die Scheibe im Kasten unter und brauchten dafür nicht einmal zehn Minuten.
Der Einbruch war erschreckend. Eisbären-Chefcoach Uwe Krupp hatte mit Petri Vehanen ein Einsehen, holte ihn beim Rückstand von 2:6 auf die Bank und schickte Kevin Nastiuk aufs Eis. Beim zweiten Treffer von Bowman spielte die DEG mit zwei Mann mehr auf dem Eis (55.). Constantin Braun und Mark Olver schmorrten auf der Strafbank wie so viele ihrer Mannschaftskameraden vorher.
Auch wenn Aicher und Schimm sich alles andere denn als Heimschiedsrichter entpuppten, und selbst die DEG nicht in Bestbesetzung antrat, blieb doch die Erkenntnis, dass ein dezimierter Eisbären-Kader für die großen Spiele gegen die starken Mannschaften noch nicht gut genug ist.
Die höchste Saison- und Heimniederlage war ernüchternd. Doch angesichts des allgemeinen Verlaufs der Vorrunde war das Publikum nicht sauer, außer Dutzende Stehplatzfans, die, als sich die Reihen im Rund lichteten, dichteten. „Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt geh`n“, sangen sie.
Schon diesen Sonntag muss der neue Tabellendritte von der Spree zum neuen Tabellenführer nach Düsseldorf an den Rhein zur Revanche antreten.
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