Gut war die Bundeswehr nie, im jetzigen Zustand ist sie überflüssig – Zum Buch „Deutsche Krieger“ von Sönke Neitzel

"Deutsche Krieger" von Sönke Neitzel. © Propyläen

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Auch wenn meine Bücherregale überquellen und ich scherzhaft bei jedem neuen Büchergeschenk sage: „Ich habe bereits ein Buch“(!), so drängt es mich, ein neues Buch besonders herauszustellen. Es trägt den Titel „DEUTSCHE KRIEGER“ und stammt bereits in zweiter Auflage von Sönke Neitzel, der deutschlandweit den einzigen Lehrstuhl für Militärgeschichte an der Universität Potsdam innehat. Der renommierte britische Historiker Richard Overy schreibt dazu: „Söhnke Neitzel hat (mit diesem Buch) ein Werk geschaffen, an dem künftig niemand vorbeikommen wird, der über die Deutschen und ihre Beziehung zum Militär schreiben will.“ Es muß endlich begriffen werden, daß Soldaten Krieger sind, die auch töten müssen. Sie leben in einer eigenen Welt. Begriffe wie Tapferkeit, Gehorsam und Kameradschaft sind für sie so aktuell die eh und je. Das Bedürfnis nach authentischen Vorbildern ist groß und das gilt auch für die Bundeswehr.

Zusammengefasst stellt Neitzel der Bundeswehr und vor allem ihrer Führung ein vernichtendes Urteil aus. Dabei ragt Ursula von der Leyen besonders negativ heraus, was natürlich auch die Kanzlerin als deren „Allzweckwaffe“ nicht gut aussehen, ja eine nicht ausgesprochene Postenschacherei wie in diktatorischen Systemen durchblicken läßt. Zitat: „Beim Griff nach dem Verteidigungsressort ging es von der Leyen – wie manchem Minister zuvor – nicht wirklich um die Bundeswehr, sondern um ihre eigene Karriere. Die ganze Materie war ihr fremd. Sie mißtraute den langgedienten Spitzenbeamten, setzte etliche von ihnen vor die Tür und scharte ein eigenes Team von Vertrauten um sich, von denen jedoch auch niemand etwas vom Militär verstand. Rasch versuchte sie, auf ihr bekannten Feldern Akzente zu setzen, sich als Reformerin zu präsentieren. Sie bemühte sich darum, die Freiwilligenarmee attraktiver zu machen, mehr qualifizierte Frauen und Männer zu gewinnen. Die Streitkräfte sollten dafür ein moderneres und zivileres Antlitz erhalten. Die Ministerin setzte sich für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für die Förderung von Frau und Transgender, für Einzelstuben, und sie beschaffte Flachbildschirme und Uniformen für Schwangere [im Kampfeinsatz?].

Als sie 2014 deutsche Schiffe der UNIFIL-Mission im Hafen von Beirut besuchte, wurden an Bord hektisch Vorbereitungen für den hohen Besuch getroffen. Gezielt beorderten die Kommandanten alle verfügbaren Frauen ins „Empfangskomitee“, auch wenn sie nicht zur Besatzung gehörten. „Der Ministerin wird ein völlig falsches Bild suggeriert „, schrieb ein Obergefreiter in sein Tagebuch. „Den Tross an Pressevertretern, den sie hinter sich herzog, nahmen wir auf unser B–Deck. Ein gackerndes Rudel Frauen in den Wechseljahren, die für seriöse Blätter wie ‚Brigitte‘, ‚Bild der Frau‘ oder auch die ‚Cosmopolitan‘ schreiben. Kein Minister hatte je einen größeren Pressetross bei einem Auslandsbesuch dabei. Und es wurde peinlich darauf geachtet, daß die Ministerin nicht mit einer Waffe abgebildet wurde“ (S.571/72).

Und ein Letztes aus der endlosen Reihe von Schwachstellen: „Während des Kalten Krieges wurde die wöchentliche Dienstzeit in einer Fallschirmjägerkompanie mit bis zu 69,4 Stunden taxiert. Sollte das trotz immer komplexerer Einsätze nunmehr anders sein? Konnte man inklusive aller Überstunden nach 48 Stunden einfach nach Hause gehen? Ein hochrangiger Kommandeur gestand: ‚Handwerklich werden wir unter diesen Bedingungen spürbar schlechter‘ (S. Ebd.)“. Gut war die Bundeswehr nie, und nachdem soldatische Vorbilder immer mehr in Verruf gerieten, ist sie im jetzigen Zustand überflüssig.

Bibliographische Angaben

Sönke Neitzel, Deutsche Krieger, Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte, 816 Seiten, fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: Propyläen, 2.11.2020, ISBN: 9783549076477, Preise: 35 EUR (Deutschland), 36 EUR (Österreich)